Universitätschor begeistert mit hinreißender Interpretation des Weihnachtsoratoriums Leichtfüßig durchs Kantatenwerk

Bielefeld (WB). Welches Werk könnte die Freude über die Geburt Jesu besser zum Ausdruck bringen als das Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach. Das geneigte Publikum in der Oetkerhalle erlebte daraus am Freitagabend vier Kantaten in einer selten gehörten Klarheit und Brillanz, orchestral gar in historisch informierter Aufführungspraxis.

Von Uta Jostwerner
Dank starker Männerregister verfügt der Universitätschor über einen schön ausbalancierten Klang.
Dank starker Männerregister verfügt der Universitätschor über einen schön ausbalancierten Klang. Foto: Hans-Werner Büscher

Turnusgemäß oblag es in diesem Jahr dem Universitätschor, das Publikum via Bachs populärer Musik auf Weihnachten einzustimmen. Hatte Dorothea Schenk die Erwartungen durch vormalige Aufführungen bereits hoch gesteckt, so konnte die Leiterin des Unichores diese nochmals übertreffen. Die Mischung aus zupackend-frischem Chorklang und warmtönendem Orchesterklang ergab nicht nur ein betörendes Elixier, auch der Schwung und die Präzision der Werkwiedergabe beeindruckten.

Besteht bereits seit 40 Jahren

Das stimmbildnerische Walten der Kirchenmusikerin trägt reiche Früchte. Die Wendigkeit und klangliche Frische, die artikulatorische Klarheit und Tonreinheit weisen den Unichor im Jahr seines 40. Bestehens als einen der drei großen Leistungschöre Bielefelds aus. Ein Umstand, der bei der naturgemäß großen Fluktuation eines Universitätschors um so bemerkenswerter erscheint. Dazu gesellt sich eine ausgewogene Klangmischung, denn die häufig unterbesetzten Männerregister sind hier erfreulich zahlreich vertreten. So offenbarte sich der Freudentaumel des »Jauchzet, frohlocke« sowie sämtlicher weiterer Jubelchöre erfrischend unverkrampft und in schönster Transparenz. Die markant und zugleich leichtfüßig präsentierte Ausgestaltung des melismatischen »Ehre sei Gott«­-Chores hatte nicht nur Verve und Esprit, sondern auch Seltenheitswert. Und die Choräle bildeten in ihrer detailreichen Ausformung stimmungsvolle Gegenpole.

Warmer, obertonreicher Klang

Erneut war es das Hannoveraner Barockorchester L’Arco, das seinem Namen alle Ehre machte. Die Streicher spielten ohne Vibrato und die Bläser waren durchgehend mit alten Instrumenten besetzt. Das sorgte insgesamt für einen warmen, obertonreichen Klang, der sich vortrefflich mit der chorischen Vitalität mischte. In schwungvoll pointierter Spielweise ging’s munter durchs Werk, wobei Solisten wie etwa die Trompeter mit blitzsauberen Figurationen zu glänzen wussten - ganz ohne Ventiltrompete. Einzig die Traversflöte hatte es nicht immer leicht, sich klanglich durchzusetzen.

Gefesseltes Publikum

Erlesen auch die Wahl der Gesangssolisten: Catalina Bertucci ließ in »Nur ein Wink« ihren warm timbrierten Sopran energisch aufblitzen. Barbara Erni fesselte die Aufmerksamkeit in den Alt-Arien mit weitem Atem und lebendiger Phrasierungskunst. Markus Schäfer gab als Evangelist einen enthusiastischen Erzähler ab und gestaltete die Tenor-Arie »Nun mögt ihr stolzen Feinde« überzeugend, wobei quirlige Solo-Oboen und Fagott für einnehmenden Swing sorgten. Julian Orlishausen empfahl sich mit baritonaler Noblesse und Geschmeidigkeit in Arien wie »Großer Herr« sowie mit ausdrucksvoller Emphase in den rezitativischen Teilen. – Das Publikum war von all dem zu Recht gefesselt und hingerissen und bekundete dies mit lautstarkem Beifall.

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