Stephan Schüller verlässt Lampebank im März Der Chef mit dem Rucksack

Bielefeld (WB). Aller Tradition zum Trotz müssen auch die Privatbanken mit der Zeit gehen, sagt Prof. Stephan Schüller. Vielleicht ist es ein Zeichen, dass der Chef des der Familie Oetker gehörenden Bankhauses Lampe den sportiven Rucksack der Ledertasche vorzieht. In den vergangenen Jahren hat Schüller große Veränderungen maßgeblich mitgestaltet. Ende März geht er mit 65 in Ruhestand.

Von Oliver Horst
Das Bankhaus Lampe am alten Markt in Bielefeld.
Das Bankhaus Lampe am alten Markt in Bielefeld. Foto: Oliver Schwabe

Zwölf Jahre lang wird Schüller dann als Sprecher der persönlich haftenden Gesellschafter an der Spitze der Privatbank gestanden haben. Unter seiner Führung hat sich das verwaltete Vermögen von elf auf 20 Milliarden Euro fast verdoppelt, die Mitarbeiterzahl von knapp 500 auf fast 700 erhöht und die Zahl der Niederlassungen in Deutschland um fünf auf 12.

Der Umbruch der Branche ist auch am traditionsreichen Bankhaus nicht vorbei gegangen. »Eine Privatbank muss ein Premiumprodukt bieten, für das der Kunde bereit ist, eine Prämie zusätzlich zu zahlen. Wir müssen uns durch eine hochwertige Beratungsleistung abheben«, gibt Schüller in Zeiten von Direktbanken und Internet die Maxime aus.

Prof. Stephan Schüller Foto: Buescher

Den zwei prägenden Themen der vergangenen Jahre – Niedrigzinsumfeld und Regulierung – als Folge der Finanzkrise könne sich niemand entziehen. Etwas in den Hintergrund rücke da fast die Digitalisierung, wobei die Transparenz dafür sorge, dass sich »die traditionelle Bindung des Kunden zu seiner Bank ein Stück weit auflöst«, sagt Schüller. »Die Regulierung als solches ist nicht falsch angesichts der volkswirtschaftlichen Bedeutung der Banken«, erklärt er. »Die Frage ist, wie die Branche reguliert wird, um das System stabiler zu machen.«

Die Nullzinszeit sorge gerade für eine Bank wie Lampe mit bonitätsstarken, vermögenden institutionellen, Privat- und Firmenkunden für Herausforderungen. »Unsere Kunden brauchen kaum Kredite, sie wollen Geld anlegen.«

»Mühsam einen Ruf erarbeitet«

OWL sei mit seinen vielen Unternehmern eine »hoch attraktive Region« für Privatbanken. Dass in den vergangenen Jahren viele Wettbewerber gekommen und wieder gegangen seien, zeuge von Kurzatmigkeit. Schüller: »Wir betreiben ein langfristiges Geschäft, in dem man sich mühsam einen Ruf erarbeiten muss.« Das Bankhaus Lampe müsse neben möglichen Zukäufe vor allem aus sich heraus wachsen, um nicht in ein Betriebsgrößenproblem zu geraten. In den vergangenen Jahren sei das erfolgreich gelungen.

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