Täter arbeiten an einem Vormittag – Trotzdem fehlt jede Spur Strauchdiebe graben eine 20-Meter-Hecke aus

Bielefeld (WB). Strauchdieben im wahrsten Sinne des Wortes will die Polizei jetzt nach einer mutmaßlichen Straftat in Brackwede auf die Schliche kommen. Dort haben Täter mit großem Aufwand eine 20 Meter lange Hainbuchenhecke geklaut.

Von Peter Bollig
An der Straße Im Riekerfelde in Brackwede haben mutmaßliche Diebe eine 20 Meter lange und 3 Meter hohe Hecke ausgegraben.
An der Straße Im Riekerfelde in Brackwede haben mutmaßliche Diebe eine 20 Meter lange und 3 Meter hohe Hecke ausgegraben. Foto: Bollig

Im Zaun an der Straße Im Riekerfelde sind nur noch Astreste zu sehen, die im Laufe der Jahre in die Maschen hineingewachsen waren. Ansonsten deutet nichts mehr darauf hin, dass dort bis zum 23. November eine drei Meter hohe Hainbuchenhecke stand. Offensichtlich fachmännisch ist die grüne Grundstücksabgrenzung zur Straßenseite hin entfernt worden – allerdings illegal, wie die Polizei jetzt mitteilt und die nun nach den Tätern fahndet.

Als »skurrilen Fall« bezeichnet auch Polizeisprecherin Hella Christoph den Diebstahl. Nach Erkenntnissen der Ermittler waren die Täter am Vormittag des 23. November angerückt, sind dort ganz offen und ohne den Anschein einer illegalen Handlung vorgegangen. »Aufgrund der Größe der Hecke ist davon auszugehen, dass die Täter zur Ausbaggerung und zum Abtransport größere Fahrzeuge nutzten«, sagt Hella Christoph. Weil die Hecke schon viele Jahre alt und entsprechend verwurzelt war, dürften die Täter nicht nur mit einem Spaten gearbeitet haben.

Skurriler Vorfall

Skurril ist der Vorfall aus Sicht der Polizei auch, weil es schwer vorstellbar sei, dass eine solche Hecke an einem anderen Standort wieder als Hecke eingesetzt wird und die Hainbuchen sich wieder verwurzeln – ganz abgesehen von der dreisten Vorgehensweise. Die könnte aber der Grund dafür sein, dass Nachbarn nicht argwöhnisch wurden. Die Mieter des betroffenen Hauses waren zur Tatzeit nicht anwesend, informierten später den Eigentümer des Hauses, der jetzt erst den Diebstahl bei der Polizei anzeigte.

Eine Nachbarin war auch gestern noch überzeugt: »Das war kein Diebstahl, das war die Stadt«, sagte sie dem WESTFALEN-BLATT. Denn die Hecke habe vor dem Zaun auf städtischer Fläche gestanden. Weil sie dort gestört habe, ihre Blätter Regenabflüsse verstopft hätten, habe die Stadt die Hainbuchen abgeholzt.

Stadtverwaltung: »Wir waren es nicht«

Eine Nachfrage bei der Verwaltung ergab allerdings: »Wir waren es nicht«, wie Stadtsprecher Uwe Borgstädt nach Rücksprache mit dem Umweltamt und dem städtischen Umweltbetrieb sagte. Seine Vermutung: »Da sind oft Fahrzeuge des Umweltbetriebs unterwegs. Vielleicht haben die Nachbarn daraus geschlossen, dass wir die Hecke entfernt haben.« Hella Christoph hat noch eine ganz andere Theorie: »Vielleicht hatte ein Gartenbaubetrieb den Auftrag erhalten, eine Hecke zu entfernen – und sich in der Adresse geirrt.«

Der Schaden liegt im vierstelligen Bereich. Die Polizei hofft jetzt auf die Unterstützung von Zeugen. Wer den Fall aufklären kann, soll sich beim Kriminalkommissariat 15 unter der Rufnummer 0521/5450 melden.

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