Theater-Chef Michael Heicks übernimmt die Verantwortung auch für die Oetkerhalle »Ein Konzert mit Casper und den Philharmonikern wäre denkbar«

Bielefeld (WB). Der Rat überträgt in seiner Sitzung an diesem Donnerstag die Verantwortung für die Rudolf-Oetker-Halle, die bislang beim Kulturamt lag, an das Theater Bielefeld. Dessen Intendant Michael Heicks (61) übernimmt die künstlerische Leitung. Sein Vertrag als Intendant läuft bis 2023. WESTFALEN-BLATT-Redakteurin Burgit Hörttrich sprach mit Michael Heicks über dessen Pläne.

Theater-Intendant Michael Heicks will die Aufenthaltsqualität in der Oetkerhalle verbessern.
Theater-Intendant Michael Heicks will die Aufenthaltsqualität in der Oetkerhalle verbessern. Foto: Hans-Werner Büscher

Herr Heicks, sind Sie als Intendant so wenig ausgelastet, dass Sie sich mit der Oetkerhalle eine Zusatzbeschäftigung suchen?

Michael Heicks: Es macht einfach Sinn, dass die Rudolf-Oetker-Halle nun zum Theater gehört. Nicht zuletzt, weil sie die Heimstadt der Bielefelder Philharmoniker ist. Ich verstehe das Zusammenführen als große Chance, um eine Vision für das Haus zu entwickeln, damit es eine andere Wahrnehmung bekommt als jetzt. Außerdem kümmere ich mich ja auch nicht alleine darum. Der Aufwand verteilt sich auf viele Köpfe. Aber es ist für alle ein Abenteuer.

Was versprechen Sie sich davon, dass das Theater die Finanz- und Personalverantwortung für das Konzerthaus übernimmt?

Heicks: Mir geht es dabei mehr um die inhaltliche als um die ökonomische Frage. Wir denken schon lange darüber nach, wie man die Rudolf-Oetker-Halle außer für Symphoniekonzerte noch nutzen könnte. Wir als Theater sind eine Art Plattform der Stadt, ein Ort der Begegnung. Wenn mit der Oetkerhalle auch so ein Ort entsteht, an dem man Dinge ausprobiert und erforscht, was ein Konzerthaus heute für die Stadt und die Region bedeuten könnte, dann fände ich das unglaublich spannend.

Wie sehen Ihre baulichen Visionen aus?

Heicks: Baulich lässt sich nicht viel verändern, da das Gebäude unter Denkmalschutz steht. Man kann aber durchaus etwas an der Aufenthaltsqualität tun und versuchen, dass sich die Oetkerhalle nach und nach zu einem modernen Konzerthaus entwickelt. Die zentralen Punkte auf diesem Weg betreffen neben der inhaltlichen Ausgestaltung vor allem die Gastronomie und den Service. Langfristig ist ein Anbau für ein erweitertes gastronomisches Angebot wünschenswert, momentan aber nicht realistisch umsetzbar. Zunächst geht es darum, eine ansprechendere Atmosphäre zu schaffen.

Sie wollen die Aufenthaltsqualität der Rudolf-Oetker-Halle verbessern. Wie soll das genau gehen?

Heicks: Das Publikum stellt heute ganz andere Anforderungen. Früher ging man in ein Konzert und danach nach Hause. Heute trifft man sich mit Freunden, trinkt vorher was, geht hinterher eine Kleinigkeit essen. Andere Konzerthäuser haben darauf längst reagiert. In so einem Haus sollte jeden Abend was los sein und es muss zum Verweilen einladen. Daran müssen wir arbeiten.

Passen Ihre Pläne mit dem Denkmalschutz  – und mit  den Ansprüchen der Traditionalisten – zusammen?

Heicks: Es geht ja nicht darum, etwas kaputt zu machen, sondern darum, etwas aufzuwerten, einen Mehrwert zu schaffen. Ein Denkmal muss belebt werden, sonst kommt keiner mehr. Zudem beziehen sich unsere Ideen zur Raumgestaltung zunächst vor allem auf die Ausstattung im Erdgeschoss, sieht also keine baulichen Veränderungen vor, sondern eher Veränderungen im Mobiliar.

Ist die Oetkerhalle gut ausgelastet?  2016 waren es 137 Veranstaltungen – 96 im Großen, 41 im Kleinen Saal.   Was ist Ihr wirtschaftliches Ziel und wie wollen Sie es erreichen?

Heicks: Unser Ziel sollte es nicht sein, die Halle auszuquetschen und immer mehr Veranstaltungen zu generieren. Wichtig ist doch erst einmal, eine bessere inhaltliche Abstimmung hinzubekommen und neue Formate zu entwickeln. Wenn das zu einer besseren Auslastung führt, wäre das natürlich toll. Aber das müssen wir alles abwarten.

Sie wollen die Oetkerhalle, haben Sie gesagt, nicht als Kessel Buntes auf den Markt bringen, sondern sie als Konzerthaus positionieren. Ist es aus wirtschaftlichen Gründen denn überhaupt möglich, potenzielle Mieter abzulehnen, die vielleicht nicht in Ihr Konzept passen?

Heicks: Auch das ist erst mal mehr eine inhaltliche als eine wirtschaftliche Frage. Wir verpassen uns keinen konzeptionellen Maulkorb und wir werden sicherlich nicht nur Konzerte anbieten, aber der Fokus sollte auf musikalischen Programmen liegen. Jemand wie Mario Barth wäre besser in der Stadthalle aufgehoben. Helge Schneider hingegen ist nicht nur ein Komiker, sondern auch ein sehr guter Musiker. Er würde wunderbar in die Oetkerhalle passen. Auch zum Beispiel ein Konzert mit dem Sänger Casper und den Philharmonikern wäre denkbar. Wir müssen neue Pfade einschlagen.

Sie wollen das philharmonische Programm besser abstimmen, damit das Publikum nicht womöglich dasselbe Programm  in einer Saison hört. Mit langjährigen Klassik-Veranstaltungs-Partnern ist das sicher möglich, aber Sie wollen doch sicher auch neue Nutzer gewinnen. Würden Sie Nein sagen, wenn  sich Programme tatsächlich wiederholen?

Heicks: Ausschlaggebend ist, dass wir ein besser abgestimmtes und ganzheitliches Programm hinkriegen. Aber es kommt immer auf die Situation an. Wenn ein erstklassiges Orchester kommt und das gleiche Konzert spielt wie die Bielefelder Philharmoniker, dann kann auch der direkte Vergleich interessant sein. Es macht allerdings keinen Sinn, wenn Orchester in derselben Größenordnung in einer Saison dasselbe Programm haben. Oder dass in einer Spielzeit zehn Mal der gleiche Komponist zu hören ist.

Gibt es etwas, was Sie sofort ändern würden, etwas, was Ihnen so gar nicht gefällt?

Heicks: Ja. Meiner Meinung nach muss die Oetkerhalle abends immer beleuchtet sein, auf sich aufmerksam machen. Heute steht sie, wenn nicht gerade eine Veranstaltung ist, komplett im Dunkeln. Außerdem fehlen sowohl außen der Name Rudolf-Oetker-Halle wie eine Ankündigung des Programms, wie wir es am Stadttheater und TAM als Außenwerbung haben.

Sie  haben die Oetkerhalle gelegentlich »Bielefelder Philharmonie« genannt.  Halten Sie den heutigen Namen für überregional nicht strahlend, aussagekräftig genug?

Heicks: Der Name Rudolf-Oetker-Halle wird natürlich erhalten bleiben. Ich finde es aber wichtig, dass man sie deutlich als Konzerthaus positioniert. Damit man, auch im Gegensatz zur Stadthalle und Seidenstickerhalle, sofort versteht, was dort stattfindet.

Erinnern Sie sich an Ihren ersten Besuch in der Oetkerhalle? Was hat Ihnen damals gefallen und was  gefällt Ihnen heute noch und sollte Ihrer Meinung gewahrt bleiben?

Heicks: Ich mochte von Anfang an die minimalistische Architektur, weil sie so schnörkellos, unaufdringlich und klar strukturiert ist, aber gleichzeitig eine angenehme Wärme und Größe vermittelt. Mir gefallen auch die Art-déco-Elemente. Und die Lage im Bielefelder Westen, direkt neben dem Bürgerpark, ist natürlich toll und hat viel Potenzial.

Geben Sie sich eine Art Probezeit?

Heicks: Ja, wir springen ins kalte Wasser. Wir hatten nur ein Jahr Vorlauf, das ist sehr wenig. Es wäre sehr schön, wenn es mit Beginn der nächsten Spielzeit eine mobile Bühne im Foyer geben könnte. Und damit hätte die Oetkerhalle eine dritte Möglichkeit, Programm zu machen.

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