Pferde verschwinden nach Gnadenhof-Aufenthalt in Bad Driburg und Paderborn spurlos Wo ist Knödel?

Bad Driburg/Bielefeld/Paderborn (WB). »Wo ist Knödel?« – diese Frage beschäftigt unter dem gleichnamigen Hashtag im Internet derzeit Pferdefreunde aus der Region – und ganz besonders Nicole Niebur aus Bielefeld. Ihr hat Knödel gehört.

Von Frank Spiegel
Ein Bild aus Tagen, als Knödel noch fit war. Nicole Niebur reitet den erfolgreichen Vierbeiner.
Ein Bild aus Tagen, als Knödel noch fit war. Nicole Niebur reitet den erfolgreichen Vierbeiner. Foto: Archiv Niebur

Sie hat den 17-jährigen Wallach an den Bad Driburger Herbert H. zur Pflege auf dessen Gnadenhof »Pferde in Not« in Herste gegeben. Seit Dezember ist das Pferd verschwunden.

Was mit dem Pferd passiert ist, das will Herbert H. Nicole Niebur nicht verraten. Bis zum August habe das Tier auf einer Weide im Haxtergrund in Paderborn gestanden, die Herbert H. zwischenzeitlich gepachtet hatte, weiß diese. Auch hartnäckiges Hinterfragen habe nur Ausreden und Ausflüchte zur Folge gehabt.

»Am 4. Dezember hat er behauptet, das Pferd habe um 16 Uhr tot in seiner Box gelegen«, berichtet die Bielefelderin im Gespräch mit dem WESTFALEN-BLATT. Daraufhin habe sie das tote Tier sehen wollen. Als sie um 18 Uhr ankam, sei der angeblich verstorbene Wallach nicht mehr da gewesen.

Equidenpass fehlt

»Herr H. hat behauptet, die Tierkörperbeseitigung habe ihn bereits abgeholt«, erläutert Nicole Niebur. Aus langjähriger Erfahrung im Reiterwesen weiß sie aber: »Nach nur zwei Stunden kann das noch gar nicht passiert sein. Und nach 16 Uhr fährt die Tierkörperbeseitigung auch nur noch im Notfall los.« Als sie den Equidenpass – eine Art Personalausweis, den jedes Pferd haben muss – von Knödel einforderte, musste der Gnadenhof-Betreiber ebenfalls passen.

»Er sagte dann, er werde den Pass zuschicken, um alles weitere werde sich sein Anwalt kümmern«, erinnert sich die Bielefelderin. Auch das irritiert sie. »Dass ein Pferd mit 17 Jahren sterben kann, das ist ein völlig normaler Vorgang. Warum will er einen Anwalt einschalten?«, sagt sie.

Knödel heißt eigentlich »Heavens Little Jewel« und hat unter diesem Namen im Westernreiten auch internationale Preise errungen.

Für 75 Euro monatlich hatte Herbert H. Knödel auf seinem Gnadenhof aufgenommen. Nicole Niebur war der Auffassung, einen so genannten Schutzvertrag abgeschlossen zu haben.

Juristisch die Hände gebunden

Zum Verhängnis wurde ihr das Kleingedruckte. »Dort stand, dass das Tier für einen symbolischen Preis von einem Euro verkauft wird«, bedauert die Pferdefreundin. So seien ihr juristisch die Hände gebunden. »Dabei hatten wir zuvor bei einer anderen Stelle mit einem solchen Schutzvertrag beste Erfahrungen gemacht«, sagt die Bielefelderin. Diese gebe es heute aber nicht mehr.

»Knödel hatte arge gesundheitliche Probleme, und ich wollte ihm seine Rente in einer Herde und ganz viel Bewegung ermöglichen«, beschreibt die Bielefelderin den Grund, warum sie Knödel in die Obhut von Herbert H. gegeben hat.

Dieser gebe sich als Gnadenhofbetreiber und Pferdeschützer aus und betreibe genau das Gegenteil. »Schlimm für alle Tierschützer, die ihre Arbeit mit Hingabe und Leidenschaft betreiben«, meint sie.

150 Euro angeboten

Von ihr unter Druck gesetzt, habe ihr Herbert H. auch schon 150 Euro angeboten mit der Bemerkung »Damit ist die Sache dann doch wohl geklärt.« Das sieht Nicole Niebur aber anders. Sie möchte einfach nur wissen, was mit Knödel passiert ist. Da Herbert H. schweigt, sucht sie im Internet – etwa bei Ebay und bei Facebook – nach Menschen, die einen Hinweis auf den Quarter Horse Wallach geben können. 1000 Euro Belohnung hat sie ausgesetzt. 

Der Facebook-Post wird geladen

Den entscheidenden Hinweis hat es bislang nicht gegeben, dafür haben sich aber einige andere Pferdebesitzerinnen gemeldet, denen es ähnlich ergangen ist wie Nicole Niebur. Der Traber Wallach Titan, der Wallach Riccartos und andere werden vermisst.

Die Bielefelderin und andere Betroffene vermuten, dass die Pferde von Herbert H. an gutgläubige Menschen verkauft wurden. »Es ist durchaus möglich, ein Pferd für einen gewissen Zeitraum wieder fit zu spritzen«, weiß sie. Wenn dann jemand ein Pferd »für den Anfang« suche und nicht so viel Geld ausgeben wolle, sei das genau die anvisierte Zielgruppe.

»Das Pferd ist krank«

»Und wenn das Tier dann Wochen nach dem Verkauf wieder Beschwerden hat und zum Beispiel lahmt, heißt es lapidar: ›Bei mir hat er das noch nicht getan«, nennt sie ein Beispiel. Im Facebook-Eintrag einer anderen Betroffenen schreibt diese: »Der Käufer, der das Pferd jetzt hat, wurde eventuell betrogen!!! Das Pferd ist krank und darf nicht mehr geritten werden!«

Herbert H. erklärte gegenüber dem WESTFALEN-BLATT, dass Knödel nicht mehr lebe. Da der Gnadenhof-Betreiber sich gegenwärtig in medizinischer Behandlung befinde und Medikamente nehme, wolle er sich nicht weiter zum Thema äußern.

Kommentare

Verwechslung der Opfer

Lieber Herr Wittmann,

mitnichten "suche ich das Internet ab",sondern werde gelegentlich,wie in diesem Fall,auf eine Berichterstattung aufmerksam gemacht.

Und schon gar nicht " suchte ich Ihren you tube Kanal heim".

Ihre diesbezügliche Verleumdung verbitte ich mir.

Der Kommentar Ricola liegt völlig richtig in seinem Befremden,wie die Besitzerin eines-international erfolgreichen Turnierpferdes bester Abstammung,dieses dann erst krank reitet und dann hofft,daß jemand für 2,20€/Tag den Kranken am Leben erhält.

Dank unzähliger Medienberichte wurde schon lange auf die sog."Gnadenbrotmafia" hingewiesen.

Übrigens gerade für sog.Rennsportfans,wie Sie, ein besonders brisantes Thema,da der Rennsport systemimmanent so viele Frühinvaliden produziert,daß diese mit Sicherheit eine feste Größe in der Gewinnkalkulation der" Gnadenhofhändler" geworden sein dürften.

Ich wünsche dem QH-Wallach,einem Verwandten meiner Pferde, von ganzem Herzen,daß für ihn,der hier das wirkliche Opfer ist und mit seinem Leben bezahlen muß, die böse Angelegenheit doch noch zu einem glücklichen Ausgang führt .

Damit weiteres Unheil auf diesem "Gnadenhof" vermieden wird,sollten alle Mitwisser und Zeugen sofort Anzeige erstatten und zwar bei allen! zuständigen Behörden und Institutionen.

Ich finde es unangemessen auf Frau Niebur einzudreschen. Sie ist doch Opfer. Sie hat in guten Glauben ihr krankes Pferd in vermeintlich gute Hände gegeben. Sie hat sich auch danach um ihr Pferd.gekümmert und musste feststellen, dass sie einem Schwindler aufgesessen ist. Wiederum hat sie alles unternommen, um den Verbleib ihres Pferdes zu klären und sogar eine hohe Belohnung ausgesetzt. Einzig kann man ihr vorwerfen, dass sie sich für einen Billig-Gnadenhof entschieden hat. Das gilt für alle Kunden dieses Gnadenhof-Schwindlers. Wenn man jetzt auf dessen Opfer eindrischt, schützt man den Täter.
Frau Limmer wiederum sucht den ganzen Tag das Internet ab, um Menschen im Pferdesport mit Dreck zu bewerfen. Erst vor ein paar Tagen hat sie meinen Youtube-Kanal heimgesucht. Man braucht nur nach ihrem Namen zu googlen, um zu wissen, mit wem man es da zu tun hat.

Pferd ruiniert und abgeschoben

Eine wirklich gruselige Selbstdarstellung einer "Pferdefreundin".Hier hat jemand ein Pferd offensichtlich zuschanden geritten und gesundheitlich ruiniert und abgeschoben,um womöglich das nächste Modell auf dieselber Art in "die wohlverdiente Rente zu reiten".Wenigstens fiel der Pferdefreundin dann auf,dass ihr Freund mit der albernen Namensverunstaltung eines ursprünglich zu Herzen gehenden Namens,dann verschwunden war.Dass sie es "normal" findet,daß ein Pferd in den besten Jahren,welches die zweite Hälfte seiner Lebenszeit noch vor sich hatte,einfach stirbt, ist auch schon befremdlich,bei 2,-Euro pro Tag für seinen Unterhalt aber nicht unwahrscheinlich.Man kann nur hoffen,daß dieses Pferd nicht starb,ermordet oder verschachert wurde,sondern einen Platz fand,an dem es gewürdigt wird.Die Hoffnung,dass dieses allerdings aus den Händen einer seltsamen Sammelstation für ungeliebte,abgeschobene Pferde gelingt,ist leider sehr gering.

Daumen runter für sie Frau Niebur

Ich bin unglaublich empört zu lesen, was Frau Niebur Menschen außerhalb der Pferdeszene für einen Bären aufbindet!
"Pferde in Not"? Der Name sagt es schon! Ist für Pferde die ihr Zuhause durch Geldnot o.ä. der Besitzer verlieren. Für 75€ im Monat schafft es Niemand ein Pferd zu halten! Allein ein Hufpfleger der wirklich Erbarmen mit der finanziellen Situation der Halter hat, wird mindestens alle 8 Wochen 40€ dafür nehmen müssen, damit das Pferd überhaupt laufen kann. Dann kommen natürlich, Futter, Wasser, Einstreu, Koppelpflege, Mistabtransport und und und.
Jemand wie Frau Niebur, die ihr treues und offensichtlich auch teures und hochkarätiges Turnierpferd in Rente schickt, tut das auf Kosten Anderer und schämt sich noch nicht mal, keinen regulären Gnadenhof für Rentner zu wählen, den es für monatlich schon zwischen 150€ und 200€ gibt.
Wieviel Frau Niebur haben sie denn zu aktiven Turnierzeiten monatlich für Knödel bezahlt, das sie sich einen normalen Gnadenhof nicht leisten können?
Liebe Frau Niebur, die Masche die Ihnen "passiert" ist, ist gängig und bekannt. Seit Jahren! Ich würde vermuten, das sie das Schicksal des Pferdes als angeblich gesund weiter verschachert zu werden, billigend in Kauf genommen zu haben um ihren lieben aber jetzt rein finanziell zur Belastung gewordenen Knödel loszuwerden.
Dann noch so ein Fass aufzumachen und Unschuld zu heucheln ist dreist und frech!

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