155 Gefangene können ihre Zellen vorzeitig verlassen – Mauerbau im Frühsommer Weihnachtsamnestie für Häftlinge

Bielefeld (WB/peb/kw). Der ehemalige Arcandor-Chef Thomas Middelhoff ist sicherlich der bekannteste, aber nicht der einzige Häftling eines Bielefelder Gefängnisses, der in diesem Jahr von der Weihnachtsamnestie profitiert.

20 Häftlinge aus der JVA Brackwede (Foto) profitieren von der Weihnachtsamnestie; in Senne sind es 135.
20 Häftlinge aus der JVA Brackwede (Foto) profitieren von der Weihnachtsamnestie; in Senne sind es 135. Foto: Thomas Starke

So wie der frühere Top-Manager dürfen in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Bielefeld-Senne – mit seinen zwei Hafthäusern und mehreren Außenstellen in der Region die größte Haftanstalt Deutschlands und das größte Gefängnis für offenen Vollzug in Europa – in diesen Tagen weitere 134 Gefangene ihre Haftstraße vorzeitig beenden. Darunter befinden sich sechs Frauen. Im vergangenen Jahren profitierten 193 an allen Standorten der JVA Senne von der Amnestie.

Häftlinge müssen Voraussetzungen erfüllen

Die Zahlen seien reiner Zufall, wie stellvertretender Anstaltsleiter Rolf Bahle erklärte. Es gebe einen ganzen Katalog an Kriterien, die die Häftlinge erfüllen müssten, um amnestiert zu werden. Für die Weihnachtsamnestie kommen Straftäter infrage, die für diese Vergünstigung geeignet sind. Voraussetzung ist unter anderem, dass sie ohnehin zwischen November und Januar entlassen würden und gegen sie keine Disziplinarmaßnahmen verhängt wurden. Darüber hinaus darf auch ein großer Teil der übrigen Insassen des offenen Vollzugs über die Feiertage im Zuge eines so genannten Langzeitausgangs nach Hause. Wer die Weihnachtstage daheim verbringen darf, stehe aber noch nicht fest und werde manchmal erst kurz vor dem Fest entschieden, sagte Bahle.

Für die Insassen, die die Feiertage hinter Gittern verbringen, gibt es in den Gefängnissen besonderes Essen, Weihnachtsfeiern und seelsorgerische Betreuung. Aktuell sitzen 1370 Männer und Frauen in der JVA ein.

Dauerhaft überbelegt

In der JVA Brackwede, dem Bielefelder Gefängnis für geschlossenen Vollzug, dürfen 14 Männer und sechs Frauen ihre Haftstrafe eher beenden als vorgesehen, wie Anstaltsleiter Uwe Nelle-Cornelsen sagte. Ein Langzeitausgang für andere Insassen über die Feiertage werde nur in Einzelfällen gestattet. Hafturlaub während der Feiertage ist eine Form der Begünstigung, die in der schärferen Form des geschlossenen Vollzugs kaum von Bedeutung ist. Im vergangenen Jahr durften dort 17 Männer und sechs Frauen ihre Haft vorzeitig beenden.

In der JVA Brackwede an der Umlostraße sitzen derzeit 565 Gefangene ein, darunter 67 Frauen. »Damit sind wir auch nach der Entlassung im Zuge der Amnestie überbeleget«, sagt Nelle-Cornelsen. Seit zwei Jahren laufe die JVA bei den männlichen Insassen auf 105 Prozent. Der Grund sei die Teilschließung der JVA Münster, nachdem dort bauliche Mängel festgestellt worden waren. Brackwede werde wieder entlastet, wenn in Münster ein Neubau fertiggestellt sei. In der JVA Brackwede säßen permanent allein rund 40 Untersuchungshäftlinge aus Münster ein.

Unterdessen laufen auch für die Anstalt an der Umlostraße die Vorbereitungen auf eine Erweiterung (das WESTFALEN-BLATT berichtete). Das Genehmigungsverfahren sei im Gange, Uwe Nelle-Cornelsen rechnet damit, dass im Frühjahr die Außenarbeiten beginnen und im Frühsommer die Mauer gebaut werde, bevor danach ein neues Haftgebäude entsteht.

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