Boom im Online-Handel beschert Zoll in OWL mehr Arbeit – Fälscher immer geschickter Die Plage mit den Plagiaten

Bielefeld (WB). Auch in diesem Jahr werden gefälschte Produkte unter dem Weihnachtsbaum liegen. »Eine 100-prozentige Kontrolle ist gar nicht möglich«, sagt Michael Jennrich vom Zoll. Seine Kollegen und er ziehen jedoch viele Plagiate aus dem Verkehr. Welche und was Kunden beim Bestellen im Ausland beachten sollten – darüber informierte am Donnerstag der Zoll in Bielefeld.

Von Bernd Bexte
Michael Jennrich, stellvertretender Leiter des Zollamtes Bielefeld, zeigt jüngst beschlagnahmte Plagiate, darunter eine Replik eines WM-Pokals, von der Fifa nicht lizenziert.
Michael Jennrich, stellvertretender Leiter des Zollamtes Bielefeld, zeigt jüngst beschlagnahmte Plagiate, darunter eine Replik eines WM-Pokals, von der Fifa nicht lizenziert. Foto: Oliver Schwabe

Mit dem Wachsen des Online-Handels steigt die Zahl der eingeführten Plagiate. Im vergangenen Jahr beschlagnahmten die acht Zollämter im Bereich des Bielefelder Hauptzollamtes – zuständig für die Region von Minden bis ins Sauerland, von Hamm bis Höxter – 4152 gefälschte Produkte im Warenwert von 224.000 Euro (2015: 195.600 Euro).

»Für dieses Jahr gehen wir von noch mehr aus«, sagt Jennrich, stellvertretender Leiter des Zollamtes Bielefeld. Vor allem sind es Sportschuhe, aber auch Smartphones, angeblich luxuriöse Armbanduhren, ja sogar Kühlergrille für Autos der Marke Audi. »99 Prozent der Käufer bestellen wohl aus Unwissenheit. Sie wollen einfach ein Schnäppchen machen«, erzählt Jennrich aus der Berufspraxis.

Fälscher gehen immer geschickter vor

Und die Produktpiraten gingen immer geschickter vor. »Wir haben neulich ein gefälschtes Samsung Galaxy S7 aus dem Verkehr gezogen. Die Fälschung war nur an einem winzigen Detail erkennbar.« Welches, das verrät er natürlich nicht, um den Fälschern keine Hilfestellung zu bieten.

Elektronische Geräte wie diese Dash-Cam entsprechen häufig nicht den EU-Sicherheitsstandards, tragen etwa nicht das CE-Zeichen. Foto: Oliver Schwabe

Aber wie kommt der Zoll den Plagiatoren auf die Schliche? Gewerblich eingeführte Pakete aus Ländern außerhalb der EU werden an deutschlandweit fünf internationalen Postzentren kontrolliert, unter anderem in Hamburg und Frankfurt. Stimmt die Zollinhaltserklärung, ist der Preis plausibel? »Marken-Sportschuhe für ein paar Dollar sind natürlich verdächtig.« Fragwürdige Sendungen werden an die zuständigen Zollämter überstellt, etwa in Bielefeld, Paderborn, Lemgo oder Lübbecke. Gemeinsam mit dem Käufer werden diese dann geöffnet und auf den Inhalt überprüft. Bei fast 34.000 Paketen war dies im Bezirk des Hauptzollamtes im vergangenen Jahr der Fall.

Bei Unklarheiten wird der Hersteller des Originals um Stellungnahme gebeten. Er weiß, ob es sich um eines seiner Produkte handelt oder eine Fälschung vorliegt. Ist dies der Fall, kann er weitere rechtliche Schritte gegen den Käufer – von der Unterlassungserklärung bis zum Strafverfahren bei Wiederholungstätern – einleiten. In der Regel wird die Ware vernichtet. »Gegen den Absender vorzugehen, ist aussichtslos.«

Kabellose Kopfhörer sind der Renner

Der kommt zumeist auch China. Mehr als 57 Prozent der im vergangenen Jahr im Bezirk des Hauptzollamtes Bielefeld gezählten »Aufgriffe« kamen aus dem Reich der Mitte. Mit weitem Abstand (jeweils etwa zehn Prozent) folgten Hongkong und die USA.

Aber nicht nur Fälschungen, auch in der EU nicht zugelassene Waren machen dem Zoll zu schaffen. Wegen mangelnder Sicherheit, etwa fehlender CE-Zertifizierung oder nicht vorhandener Bedienungsanleitung auf Deutsch, benachrichtigte allein das Zollamt Bielefeld in diesem Jahr bereits 175 Mal die für technische Produktmängel zuständige Bundesnetzagentur. Nur 14 Mal wurden die Sendungen später freigegeben.

»Der Renner sind zur Zeit kabellose Kopfhörer«, sagt Markus Dieckmann, Abfertigungsbeamter beim Zoll in Bielefeld. Die Schnäppchen aus Asien hätten aber ihren Preis: Kabel seien dünner, Akkus weniger leistungsfähig. Auch Fitnessarmbänder, Bluetooth-Radiowecker oder Überwachungskameras wurden beanstandet. »Die senden häufig in bei uns unzulässigen Frequenzen mit deutlich überhöhter Leistung.«

Auch nicht zugelassene Drohnen, Dash-Cams (Armaturenbrettkameras), Aquariumpumpen oder Smartwatches zogen die Bielefelder Zöllner aus dem Verkehr – der Sicherheit zuliebe. Deshalb gesteht Jennrich gerne: »Wir gucken hin und petzen.«

Was beim Kauf im Internet zu beachten ist

Wer Waren einführt, sollte sich genau anschauen, bei wem er bestellt. »Ein Blick ins Impressum der Internetseite und die Bewertung des Händlers in Online-Foren kann sich lohnen«, sagt Michael Jennrich. Zudem böten seriöse Firmen mehr Zahlungsmöglichkeiten an als Vorkasse und Kreditkarte. Bei der Bezahlung per Paypal etwa habe man im Zweifelsfall bessere Chancen, das Geld zurückzubekommen. Und nicht zuletzt gelte trotz Schnäppcheneifers: »Sehr günstige Waren, die deutlich unter dem Preis bei uns liegen, sind verdächtig.

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