Mensa-Umzug hat Folgen – Rektorat will »Lebensader« erhalten Langjährige Mieter in der Uni-Halle gehen

Bielefeld (WB). Die Universität ohne Buchhandlung und Post? Kaum vorstellbar. Tatsächlich aber wird die Buchhandlung Luce, seit 40 Jahren in der zentralen Halle zuhause, zum 1. März schließen. Das ist nicht der einzige Mieterwechsel.

Von Sabine Schulze
Wo früher die Post-Filiale war, eröffnet demnächst der Uni-Shop – bislang als Kontaktstube neben dem Eingang zu finden.
Wo früher die Post-Filiale war, eröffnet demnächst der Uni-Shop – bislang als Kontaktstube neben dem Eingang zu finden. Foto: Bernhard Pierel

Bereits zum Jahresende hat Buchhändler Marcus Luce, der mittlerweile gewissermaßen auch der »Posthalter« in der Uni ist, den Vertrag mit der Deutschen Post gekündigt. Für den 51-Jährigen rechnete es sich schlicht nicht mehr: »Es hat mehrere Gründe. Zum einen liegt das am Online-Handel, die Kunden lassen sich ihre Bücher direkt nach Hause liefern. Zum anderen verkaufen sich Lehrbücher, die durch das Studium begleiten, heute schlechter. Manche Studenten kommen fast ohne Buch bis zum Examen.«

Aber auch die Uni-Sanierung habe sich ausgewirkt: »Die Fachhochschule hat ihr eigenes Gebäude. Die FH-Studenten, die früher in der Uni waren, kommen überhaupt nicht mehr in das Hauptgebäude. Und seit die Mensa im X-Gebäude ist, spielt sich hier weniger ab.« 20 Euro pro Quadratmeter – das könne er nicht mehr bezahlen, sagt Luce. Auch die Übernahme der Poststelle nach Schließung der Filiale habe an seiner wirtschaftlichen Situation wenig geändert, aber für bedeutend mehr Arbeit gesorgt.

»Die Halle ist die Lebensader der Universität«

Mit der Situation der Mieter in der Uni-Halle – vom Papershop über die Bio-Bäckerei bis zum Buchhandel – befasst sich auch das Hochschul-Rektorat. »Die Halle ist die Lebensader der Universität und ein Stück weit ein Alleinstellungsmerkmal«, sagt Uni-Sprecher Ingo Lohuis.

Seit die Mensa ausgezogen ist, gebe es vor allem am östlichen Ende zu wenig Leben. »Nachdem nun der erste Bauabschnitt auf die Schiene gesetzt ist, können wir beginnen, uns mit dem zweiten Bauabschnitt zu befassen. Und dazu gehört die Frage, was in der Halle passiert«, sagt Lohuis. Eine Arbeitsgruppe unter Leitung von Kanzler Dr. Stephan Becker befasst sich damit. Große Spielräume bei den Mieten hat die Hochschule aber nicht: Sie orientiert sich am Marktpreis-Index der Industrie- und Handelskammer.

Auch AOK kündigt Mietvertrag

»Wir hoffen, zum Sommer auch wieder eine Buchhandlung zu gewinnen«, sagt Lohuis. Erste Interessensbekundungen gebe es bereits, eine Ausschreibung wird vorbereitet. Ob man in Zukunft in der Uni-Halle auch weiterhin Postbank-Geschäfte tätigen, Briefmarken kaufen und Pakete auf den Weg schicken kann, ist aber noch ungewiss.

Den Mietvertrag gekündigt hat auch die AOK. »Die Ausschreibung einer neuen Krankenkasse wird in Kürze abgeschlossen«, sagt Lo­huis. Die Uni legt darauf wert, weil sie wichtige Dienstleistungen insbesondere für ausländische Studenten und Wissenschaftler erbringe.

Weiter vor Ort bleiben möchte auf jeden Fall der »Eddy« in der Uni. Hier versorgen sich Studenten und Mitarbeiter gerne mit Obst, belegten Brötchen, Getränken und Dingen des Alltags. »Ob mit uns weiter geplant wird, weiß ich aber noch nicht«, sagt Geschäftsführer Frank Jacobs. Auch er spürt, dass seit dem Wegzug der Mensa weniger Bewegung in der Halle und das Geschäft rückläufig ist. »Dazu kommen vier Monate Semesterferien, in denen es sehr ruhig ist.«

Auch Paper-Shop möchte bleiben

Bleiben möchte auch der Paper-Shop. »Wir liegen aber ohnehin im dritten Bauabschnitt. Bis dahin bin ich in Rente«, sagt Christian Frieling. Der 52-Jährige hat bereits mit dem Rektorat Gespräche geführt und betont, dass er den Umgang als fair empfindet. Auch Uni-Sprecher Lohuis bekräftigt, dass man mit dem weiteren Baufortschritt der Modernisierung des Hauptgebäudes Lösungen für die Mieter finden werde.

Dort, wo einst die Post ihre Filiale hatte, zieht derzeit der Uni-Shop ein. Eröffnet wird er am 1. Dezember – passend zum Absolvententag. Sweatshirt, Kulturbeutel, Schneekugel und mehr können dann als Erinnerung an die Studienzeit an der Uni gekauft werden.

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