Unternehmen investiert sieben Millionen Euro an der Duisburger Straße Böllhoff reaktiviert alten Standort

Bielefeld (WB). Zuletzt lebten Flüchtlinge in den alten, vom Südring aus sichtbaren Werkshallen an der Duisburger Straße. Ansonsten standen die Gebäude fast 20 Jahre lang weitestgehend leer. Jetzt will das Unternehmen Böllhoff diesen Standort reaktivieren und seine Metallfertigung dorthin verlagern.

Von Peter Bollig
Industriearchitektur der 1950er Jahre: Fenster im Dach und in den Wänden lassen viel Licht in die Halle, die aus Sicht der Planer erhaltenswert ist und daher nicht einem Neubau weichen, sondern saniert und technisch auf den neusten Stand gebracht wird.
Industriearchitektur der 1950er Jahre: Fenster im Dach und in den Wänden lassen viel Licht in die Halle, die aus Sicht der Planer erhaltenswert ist und daher nicht einem Neubau weichen, sondern saniert und technisch auf den neusten Stand gebracht wird. Foto: Peter Bollig

Dafür investiert das Unternehmen mit Hauptsitz an der Archimedesstraße rund sieben Millionen Euro, wie Unternehmenssprecher Frank Nientiedt erläutert. Im kommenden Sommer soll in der ersten der beiden Hallen der Betrieb aufgenommen werden, bis Ende 2018 sollen dann die 200 Mitarbeiter der Metallsparte komplett an die Duisburger Straße umgezogen sein.

Sie produzieren Verbindungselemente aus Metall, die unter anderem in der Automobilindustrie verwendet werden, aber auch beim Bau der Triebwerke des Airbus A380. Und weil diese Sparte wächst, will Böllhoff in den kommenden fünf Jahren 50 neue Mitarbeiter einstellen.

Unterkunft für Flüchtlinge

Neben zusätzlichen Kapazitäten für die Metallsparte bietet der Standort an der Duisburger Straße denn vor allem auch eine Platzreserve für den Fall eines weiteren Ausbaus, wie Frank Merschmann, Leiter Bauwesen bei Böllhoff, berichtet. 9500 Quadratmeter Fläche bieten die beiden Hallen, 1600 Quadratmeter das Verwaltungsgebäude. Das 30.000 Quadratmeter große Gelände verfügt zudem über ausreichend Parkplätze.

Böllhoff hatte Frank Nientiedt zufolge in den 1980er Jahren an der Duisburger Straße gegenüber dem Aquawede das Werksgelände gekauft, dort Pumpen für die Chemieindustrie hergestellt. Von 1989 bis 1999 befand sich die Böllhoff Verfahrenstechnik dort, bis diese Sparte 1999 an das Unternehmen Graco verkauft wurde.

In den vergangenen 20 Jahren seien in die Immobilie immer mal einzelne Böllhoff-Bereiche vorübergehend ausgelagert, Räume vermietet worden. Ansonsten hätten sie leer gestanden, bis die Stadt die Hallen mehrere Monate lang kostenfrei nutzen konnte, um bis zu 500 Flüchtlinge dort unterzubringen. Im Juni waren die letzten Geflüchteten ausgezogen, weil die Unterkunft nicht mehr benötigt wurde.

Investitionen auch an der Archimedesstraße

Der Verwaltungsbau aus den 1970er Jahren wurde inzwischen entkernt. In den kommenden Monaten sollen an den Gebäuden Fenster, Dächer und teilweise die Fassaden saniert, Elektro- und Sanitärinstallationen erneuert und an den Stand der Technik angepasst werden. »Beim Brandschutz machen wir mehr, als gesetzlich vorgeschrieben ist«, sagt Frank Merschmann. Dass die älteren der beiden Werkshallen nicht abgerissen, sondern saniert wird, habe auch mit dem Charme der Industriearchitektur der 50er Jahre zu tun, sagt Merschmann. Außerdem sei die Bausubstanz gut, die Belastbarkeit des Bodens für die schweren Maschinen einwandfrei. Diese Halle werde als erstes umgebaut.

Mit dem Umzug der Metallsparte an die Duisburger Straße schafft Böllhoff zugleich Platz an der Archimedesstraße: Denn dort sitzt weiterhin der Bereich der Verbindungselemente aus Kunststoff. Für die Kunststofftechnik sei bereits 2016 angebaut, der Bereich Werkzeugbau vergrößert worden. »Die Kapazitäten waren ausgeschöpft«, sagt Frank Nientiedt, dabei stünden auch dort die Zeichen auf Wachstum: »Wir haben viele Produkte, die den automobilen Leichtbautrend unterstützen«, sagt der Unternehmenssprecher. Gerade die Kunststoffverbindungen fänden neue Anwendungen.

In diese Sparte wolle Böllhoff in den nächsten zwei Jahren ebenfalls »mehrere Millionen Euro« investieren und neue kaufmännische, technische und gewerbliche Mitarbeiter einstellen. Nientiedt: »Der Industrie geht es gut, davon profitiert auch Böllhoff.«

Wachstum und Rekordumsatz

Die Umsätze bei Böllhoff wachsen nach Unternehmensangaben derzeit um sechs bis sieben Prozent. Der Hersteller von Verbindungselementen ist dabei auf Rekordkurs, erreicht erstmals die Marke von 600 Millionen Euro Jahresumsatz.

Auf das Wachstum reagiert Böllhoff mit Investitionen in seine Standorte. Im vergangenen Jahr waren es bereits 37 Millionen Euro, für 2017 weitere 50 Millionen. Die Zahl der Mitarbeiter soll weltweit auf 3000 wachsen. In Deutschland werden dann 1300 Menschen beschäftigt sein, am Hauptsitz Bielefeld sind es derzeit etwa 1000.

Im sächsischen Oelsnitz-Talitz baut Böllhoff das größte Logistikzentrum seiner Unternehmensgeschichte. In der ersten Ausbaustufe sollen in den kommenden Jahren etwa 100 Arbeitsplätze entstehen. Das mehr als zehn Hektar große Grundstück biete zudem Reserve für weiteres Wachstum.

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