Nach Attacke am Bielefelder Boulevard wird 20-jähriger Haller zu Geldstrafe verurteilt Nach Angriff auf Polizisten: Arminia-»Fan« verurteilt

Halle/Bielefeld (WB/hn). Den Bierbecher, der einen Beamten der Bundespolizei getroffen hat, will der Beschuldigte nur »ungezielt in die Menge« geworfen haben. Für diese versuchte vorsätzliche Körperverletzung ist der 20-jährige Mann aus Halle jetzt am Amtsgericht zu einer Geldbuße von 500 Euro verurteilt worden.

Auf dem Boulevard am Bielefelder Hauptbahnhof sind Polizeibeamte wie hier immer wieder gefordert. Am 1. April wurde hier ein Beamter von Anhängern des DSC Arminia Bielefeld angegriffen. Ein Haller »Ultra« wurde jetzt zu einer Geldstrafe verurteilt.
Auf dem Boulevard am Bielefelder Hauptbahnhof sind Polizeibeamte wie hier immer wieder gefordert. Am 1. April wurde hier ein Beamter von Anhängern des DSC Arminia Bielefeld angegriffen. Ein Haller »Ultra« wurde jetzt zu einer Geldstrafe verurteilt. Foto: Bernhard Pierel

Am 1. April 2017 ist der junge Mann einer von 650 »Fans«, die auf dem Rückweg nach Bielefeld im Sonderzug das durch ein Eigentor in der Nachspielzeit gerettete Dusel-1:1 des DSC Arminia bei Kickers Würzburg feiern. »Pöbeln, Saufen, Gröhlen?«, malt sich Oberamtsanwältin Birgit Korn als Vertreterin der Anklage die typische Fußball-Szenerie aus. Der Beschuldigte widerspricht dieser Darstellung nicht.

Kopfschütteln im Saal

Stattdessen erzählt er, dass bei solchen Fahrten ganze 30-Liter-Bierfässer mit auf die Auswärtsreise gehen. In den Zügen gebe es sogar extra Zapfanschlüsse dafür. Kopfschütteln im Saal.

Bei der Ankunft in Bielefeld sollen Rettungskräfte zunächst eine stark alkoholisierte Frau aus dem Zug holen. »Die haben sich alleine nicht getraut und uns zur Unterstützung angefordert«, erklärt der als Zeuge geladene Polizist.

Nächster Notruf vom Boulevard

Kaum ist die Frau versorgt, kommt der nächste Notruf: Hinter dem Bahnhof entlang des Boulevards werden Angehörige, mutmaßlich aus der Arminen-Ultraszene, aggressiv. Der Bundespolizist läuft mit Kollegen der Landes- und der Bielefelder Polizei los, wird im Chaos nahe des Kinokomplexes von seiner Gruppe getrennt. »Die haben Stühle und Bierbecher geworfen. Etwa ein Dutzend hat mich angegriffen, sie haben versucht, zu treten und zu schlagen«, schildert er, wie brenzlig die Situation angesichts der Gewaltbereitschaft der Arminen-Anhänger ist.

Ein Becher trifft ihn an Ohr, er verliert den »Knopf« und damit den Funkkontakt zu seiner Einheit. »Ich war in der Situation kurz davor, meine Dienstwaffe zu ziehen«, sagt der groß gewachsene, kräftige Zeuge, der nicht wie einer aussieht, der sich schnell einschüchtern lässt. Zwei Kollegen, die ihn zufällig sehen, hauen den Beamten unter massivem Pfeffersprayeinsatz raus. Der durchnässte Mann kommt mit von Bier brennenden Augen und Schulterzerrung in die Notaufnahme.

Bierbecherwerfer ist auf Video zweifelsfrei erkennbar

Auf dem Polizeivideo des Abends, das sich Richter Jan Intrup am Amtsgericht Halle mehrfach ganz genau anguckt, sind der Bierbecherwerfer sowie der betroffene Polizist zweifelsfrei erkennbar. Genau diese Bilder lassen Oberamtsanwältin Korn hartnäckig »aus generalpräventiven Erwägungen« auf eine Bestrafung plädieren.

Von Verfahrenseinstellung, wie sie der Verteidiger vorschlägt, will auch Richter Intrup nichts wissen.

Polizist ist nicht dienstfähig

Die körperlichen Folgen sind angesichts der leichten Plastikbecher, von denen der Beschuldigte dem Richter ein Paket vorzeigt, harmlos. Die psychischen Folgen der Attacken dieses »Spieltags« hat der seit 30 Jahren bei der Polizei dienende Beamte längst nicht überwunden. »Ich bin seither dienstunfähig, mache derzeit eine Reha«, erklärt er. Ob der 47-Jährige überhaupt noch dienstfähig ist, werde in Kürze geklärt. Ein Zivilverfahren außerhalb des verhandelten Strafprozesses läuft.

Der heute 20-jährige Haller muss auf das »Live-Erlebnis Fußball« vorerst verzichten. Gegen ihn hat der Deutsche Fußball-Bund ein bundesweites Stadionverbot verhängt.

Kommentare

Lieber Jonas

Da steht nicht, dass der Polizist sich auf Staatskosten ein schönes Leben macht. Da steht auch nicht, dass der Bierbecher der kausale Grund ist, ebenso wenig, dass er endgültig dienstunfähig ist. Ich kann ihnen nur mal empfehlen, sich über den Beruf der Polizisten kundig zu lesen oder sich bei Polizisten über den Alltag schlau zu fragen. Eventuell ist der Beamte ja fast jedes Wochenende in solche "Aktionen" involviert...eventuell hat er auch schon dutzende Leichen von den Gleisen abgekratzt....Sie müssen es ja wissen!

Farce

Was ein Witz! Einfacher kann man als Polizist nicht auf Staatskosten leben...Dienstunfähig nach einem fliegen Plastikbecher? Was sollen seine Kollegen sagen, die täglich Menschen von der Autobahn oder von Zügen kratzen müssen? Job kündigen, anderen suchen. Aber bitte nicht auf Kosten der Steuerzahler nen schönes Leben machen.
LÄCHERLICH!

2 Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.