Süsterkirche: Eingangsbereich wird neu gestaltet Gemeinde gibt Gedenken neuen Raum

Bielefeld (WB). An diesem Sonntag wird bundesweit der Kriegstoten und der Opfer von Gewaltherrschaft am Volkstrauertag gedacht. Die Reformierte Gemeinde will die Art der Gedenkkultur ändern.

Von Burgit Hörttrich
Pfarrer Bertold Becker mit einer beispielhaften Glasscheibe mit Begriffen wie Trauer, Weltkrieg, Zwang, Unterdrückung.
Pfarrer Bertold Becker mit einer beispielhaften Glasscheibe mit Begriffen wie Trauer, Weltkrieg, Zwang, Unterdrückung. Foto: Hans-Werner Büscher

Sie hat deshalb einen Architektur-/Kunstwettbewerb ausgeschrieben und inzwischen entschieden. Im Rahmen des Gottesdienstes an diesem Sonntag wird der Siegerentwurf von Thomas Kesseler (Düsseldorf) vorgestellt. Pfarrer Bertold Becker sagt, die Gedenktafeln in dem Gotteshaus seien »missverständlich und in der Sprache und Symbolik der Täter« gehalten.

Unter der Orgelempore finden sich die Namen der Gemeindeglieder, die im Zweiten Weltkrieg getötet wurden (195, die Tafel zeigt Stahlhelm und Eisernes Kreuz) und die Opfer des Ersten Weltkrieges (172). Auf weiteren Tafeln sind die Namen der Gefallenen der Kriege gegen Frankreich und Dänemark (1813/15, 1864/66, 1870/71) aufgeführt, eine Tafel ist dem Reiter Alfred Tiemann gewidmet, der 1905 in Deutsch-Südwest (heute Namibia) gefallen ist. Seit Jahren werde in der Gemeinde darüber gesprochen, diese Tafeln nicht unkommentiert zu lassen. Letzter Auslöser sei ein Brief von Hans-Ehrenberg-Schülern gewesen, die kritisierten, die Tafeln würden Kriege verherrlichen. Das Presbyterium habe 10 000 Euro für einen Wettbewerb zur Verfügung gestellt. Der Siegerentwurf sollte zugleich eine neue barrierefreie Eingangssituation in die Kirche schaffen.

Distanz zu Gedenktafeln

Das Preisgericht habe sich für den Entwurf von Thomas Kesseler entschieden, der durch Glastafeln Distanz zu den Gedenktafeln schaffe. In die Glastafeln werden Begriffe wie Zerstörung, Trauer, Zwang, Unterdrückung, Macht eingeätzt. Zudem sollen sie verschiebbar sein. Die Tafel mit den Namen der Opfer des Zweiten Weltkrieges wird von der linken auf die rechte Seite des Foyerbereichs versetzt (aus Blickrichtung Kircheninneres). Das erlaube es, so Becker, ein Fenster, das hinter dieser Tafel liege, wieder zu öffnen. Entlang der rechten Wand schlägt Kesseler den Bau einer Rampe vor. Auf weitere Glasscheiben vor den alten Gedenktafeln seien bei genauem Hinschauen etwa die Luftaufnahme einer Ortschaft nach einem Bombenangriff oder ein Foto von Herreros zu erkennen. Ergänzt werden soll die Installation durch Videoprojektionen.

Wann die Umgestaltung realisiert werden könne, sei offen. Becker: »Wir wollen Spenden einwerben. Das Projekt kostet um die 100 000 Euro.«

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