Halbstundentakt für Sennelager und Schloß Neuhaus sonst nicht möglich Zweites Gleis für Sennebahn?

Paderborn (WB). Die Sennebahn ist beliebt. Das zeigen die steigenden Fahrgastzahlen. Allerdings stehen die Chancen für weitere Optimierungen auf der eingleisigen Strecke zwischen Paderborn und Bielefeld schlecht. Daher soll geprüft werden, ob zwischen Sennelager und Hövelhof auf einer Länge von sechs Kilometern ein zweites Gleis verlegt werden kann.

Von Ingo Schmitz
Die Regionalbahn kommt – allerdings nicht überall im 30-Minuten-Takt. Weil die Fahrzeiten auf der Strecke Paderborn-Bielefeld ausgereizt sind, können die Haltepunkte Sennelager und Schloß Neuhaus nur stündlich bedient werden.
Die Regionalbahn kommt – allerdings nicht überall im 30-Minuten-Takt. Weil die Fahrzeiten auf der Strecke Paderborn-Bielefeld ausgereizt sind, können die Haltepunkte Sennelager und Schloß Neuhaus nur stündlich bedient werden. Foto: Besim Mazhiqi

Mit dieser Maßnahme könnte endlich auch in Schloß Neuhaus und Sennelager ein Halbstundentakt erreicht werden. Bis zur Realisierung werden aber wohl noch Jahre vergehen.

Der Bezirksausschuss Schloß Neuhaus hatte auf Antrag der SPD das Thema auf die Tagesordnung genommen. Im August 2015 wurde bei der Sennebahn der Halbstundentakt eingeführt. Allerdings gilt dieser weiterhin nicht für die Haltepunkte Schloß Neuhaus und Sennelager. Hier hält die Nordwestbahn mit der RB 74 weiterhin nur alle 60 Minuten.

Paradoxe Situation

Aus Sicht von SPD-Fraktionschef Franz-Josef Henze sei das eine paradoxe Situation, weil damit der Umstieg auf den ÖPNV nicht gefördert werde.

Stefan Atorf, stellvertretender NPH-Geschäftsführer, erläuterte im Bezirksausschuss den Hintergrund: Die Fahrzeit auf der eingleisigen Strecke zwischen Paderborn und Bielefeld sei maximal ausgereizt. Es gebe keinen Puffer mehr für einen zusätzlichen Halt im Halbstundentakt. Aktuell liege die Pünktlichkeit der Regionalbahn bei 90 Prozent. Bei einem weiteren Halt käme es zwangsläufig zu Verspätungen. Aufgrund der eingeschränkten Möglichkeiten für den Begegnungsverkehr der Sennebahn – das Zeitfenster liegt dafür bei maximal 15 Minuten – könnten Verspätungen nicht hingenommen werden. Damit sei auch weiterhin der 30-Minuten-Takt in Schloß Neuhaus und Sennelager ausgeschlossen.

Derzeit keine Zeitreserve

Der NPH habe aber untersucht, wie eine größere Zeitreserve erreicht werden könne. Das Ergebnis: Unter den jetzigen Bedingungen sei es unmöglich, mehr Zeit heraus zu holen.

Dafür gebe es mehrere Gründe, erläuterte Atorf. Zum einen sei die Beschleunigung der Dieselloks ausgereizt. Lediglich auf dem sechs Kilometer langen Teilstück zwischen Sennelager und Hövelhof erreiche die Bahn ihre maximale Geschwindigkeit von 100 Stundenkilometern, berichtete er. Alle anderen Streckenabschnitte zwischen Paderborn und Bielefeld seien zu kurz, um Tempo 100 zu erreichen. Hinzu kämen die Zeiten für das Ein- und Aussteigen der Passagiere: Aufgrund der guten Nachfrage sei eine Beschleunigung der Fahrgastwechsel nicht möglich. Einzige Alternative sei also ein zweites Gleis und der Umstieg auf Elektroloks, die schneller beschleunigen könnten, führte Atorf aus. Beides soll nun für den Nahverkehrsplan des NWL geprüft werden. Dass dafür mindestens noch zehn Jahre benötigt werden, bezeichnete SPD-Chef Henze als »ernüchternd«. Bis zur Realisierung könnten sogar zwei Jahrzehnte ins Land gehen. »Das werde ich wohl nicht mehr erleben«, meinte Henze.

Umbau am Kasseler Tor

Wesentlich früher, und zwar schon im Jahr 2019, soll allerdings der Haltepunkt Kasseler Tor barrierefrei ausgebaut werden, teilte Atorf mit. Die Gespräche dazu laufen. Die Auswirkungen könnten die Fahrgäste massiv zu spüren bekommen. Sollte es während des Ausbaus zu einer Vollsperrung kommen, würde in Paderborn zwischen den Haltepunkten Nordbahnhof und Hauptbahnhof ein Schienenersatzverkehr eingerichtet werden müssen. Die Entscheidungen dazu seien aber noch nicht getroffen, erläuterte Stefan Atorf auf WV-Anfrage.

Ersatzverkehr auf der Sennebahn

Die Nutzer der Sennebahn müssen sich im kommenden Jahr auf einen längeren Pendelverkehr ab Brackwede einstellen. Im Juni beginnen die Arbeiten an drei Eisenbahnbrücken in Bielefeld, die auch Auswirkungen auf die Sennebahn haben. Sie wird voraussichtlich in Brackwede halten, von dort geht es in einem Shuttle-Verkehr zum Bielefelder Hauptbahnhof weiter. Die Bauarbeiten werden voraussichtlich etwa 22 Monate dauern. Derzeit erarbeitet eine Gruppe mit allen Beteiligten ein Konzept für Pläne und Ersatzverkehre, da von den Bauarbeiten nicht nur Regionalzüge, sondern auch Fernverbindungen betroffen sind. Details und konkrete Konzepte dazu wird es im kommenden Frühjahr geben, so der Nahverkehr Westfalen-Lippe.

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