Landgericht verurteilt 55-jährigen Mann aus Bielefeld – viele Taten in Halle Mädchen missbraucht: acht Jahre Haft

Halle/Bielefeld (WB/swa). Zu acht Jahren Haftstrafe hat das Landgericht Bielefeld einen 55-jährigen Bielefelder verurteilt. Er soll Mädchen im Kindergarten- und Grundschulalter in 31 Fällen sexuell missbraucht haben, davon in 15 Fällen schwer. Die Taten geschahen vor allem in Künsebeck.

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Symbolbild Foto: dpa

Bereits zu Prozessbeginn zeigte sich der Angeklagte weitestgehend geständig. Er räumte ein, sich 1993 und von 2001 bis 2008 an den Mädchen vergangen zu haben. Die Kinder waren zu Beginn der Taten zwischen vier und neun Jahre alt.

Die Bemühungen der II. Großen Strafkammer, den heute jungen Frauen eine mühsame Aussage vor Gericht zu ersparen, scheiterten, da der 55-Jährige »Beschwichtigungstendenzen« erkennen ließ, wie Richter Carsten Wahlmann sagte.

Opfern bleibt Aussage nicht erspart

Daher misslang auch der Versuch des Gerichts, eine Verständigung mit Staatsanwaltschaft und Verteidigung zu erwirken. Eine gerichtlich angedachte Höchstgrenze des Strafrahmens von siebeneinhalb Jahren im Falle eines vollumfänglichen Geständnisses im Sinne der Anklage war hinfällig.

Hauptgeschädigte soll eine heute 24-jährige Frau sein, die unter Epilepsie leidet. Frühzeitig habe er sich zu dem Mädchen hingezogen gefühlt, sagte der Angeklagte im Laufe des Prozesses. Während die Eltern des Mädchens im Erdgeschoss des Familienhaus in Künsebeck waren, soll sich der Mann im Obergeschoss an der Minderjährigen vergangen haben. Stets habe das Mädchen nach den Vergewaltigungen geschwiegen. »Das bleibt unter uns. Das bleibt unser Geheimnis«, sollen die Worte des Onkels gewesen sein, der vor Gericht phasenweise von »einvernehmlichen Sex« sprach.

Mädchen aus dem familiären Umfeld missbraucht

Neben der Nichte soll der arbeitslose Gebäudereiniger auch drei weitere minderjährige Mädchen aus dem familiären Umfeld missbraucht haben. In der eigenen Bielefelder Wohnung des verurteilten Sexualstraftäters soll der Missbrauch geschehen sein. Nach Ansicht der Strafkammer kam es 1993 zu ersten strafbaren Übergriffen. Eines der Opfer soll dabei nicht älter als vier Jahre gewesen sein.

Bei der juristischen Aufarbeitung schlossen sich alle vier potenziellen Opfer zusammen und sagten in nicht öffentlicher Sitzung aus.

Strafrichter Carsten Wahlmann sprach von der »Spitze des Eisbergs« an Taten, die dem 55-Jährigen nachzuweisen gewesen seien. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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