26.231 sind türkische Migranten – und vier kommen aus Mauretanien 36 Prozent der Bielefelder haben ausländische Wurzeln

Bielefeld (WB). Die einen fürchten die Überfremdung, den anderen kann es nicht bunt genug sein. Ist Bielefeld eine Einwanderungsstadt? Ein Blick auf die Zahlen.

Von Michael Schläger
Die Türkei, Polen, Russland, Kasachstan und Griechenland sind die Top-5-Herkunftsländer der Bielefelder mit Migrationshintergrund. Die Steigerung bei den »Sonstigen« beinhaltet auch den Flüchtlingszustrom des Jahres 2015.
Die Türkei, Polen, Russland, Kasachstan und Griechenland sind die Top-5-Herkunftsländer der Bielefelder mit Migrationshintergrund. Die Steigerung bei den »Sonstigen« beinhaltet auch den Flüchtlingszustrom des Jahres 2015.

Fakt ist: Die Zahl der Bielefelder mit Migrationshintergrund steigt stetig – und das nicht erst seit der Flüchtlingswelle 2015. Waren es 2009 noch 104.887 Menschen, sind es 2016 schon 121.339 bei einer Gesamtbevölkerung von 336.000. Das bedeutet: Aktuell haben 36 Prozent der Bielefelder ausländische Wurzeln. Tendenz: steigend. In dieser Zahl enthalten sind auch die Menschen, die mit einem ausländischen Pass in der Stadt leben. Ihre Zahl stieg von 37.146 im Jahr 2009 auf 49.626 im vergangenen Jahr.

»Bielefeld zieht viele Menschen an«, betont Ingo Nürnberger, Sozialdezernent im Rathaus, immer wieder. Er warnt aber davor, die Entwicklung auf die aktuellen Flüchtlingszahlen zu reduzieren. Auch hier die Zahlen: Im Jahr 2015 wurden der Stadt 3397 Flüchtlinge zugewiesen, im vergangenen Jahr waren es 683 Menschen. 195 kamen bis zum 30. Juni dieses Jahres.

Menschen aus 150 Nationen

Inzwischen hat allerdings der Familiennachzug eine viel größere Bedeutung als die Zuweisung von Flüchtlingen. Von Januar 2016 bis Sommer dieses Jahres sind 1023 Familienangehörige meist syrischer und irakischer Flüchtlinge nach Bielefeld gekommen. Die Stadt hat auch ausgerechnet, wie viele Personen pro Flüchtling nachkommen: 3,6 im Durchschnitt.

Bunt, bunter, Bielefeld? Menschen aus 150 Nationen leben in der Stadt. Darunter sieben Luxemburger, vier Mauretanier oder 24 Australier. Aber wie steht es um die größten Gruppen? Die allermeisten haben türkische Wurzeln. 26 231 waren es im vergangenen Jahr gegenüber 25.884 vor acht Jahren. Die zweitgrößte Mi­grantengruppe sind die Polen. 14.339 waren es 2009, im vergangenen Jahr nur noch 14.208. Die Russische Föderation war ursprünglich für 11.231 Menschen die Heimat (2009: 11.727). Kasachstan gaben 9520 (2009: 9617) als Herkunftsland an. Bei Menschen mit russischem und kasachischem Hintergrund ist zu berücksichtigen, dass in dieser Gruppe auch die Russlanddeutschen erscheinen. Es folgen auf Platz fünf die Griechen (2016: 4887, 2009: 3649). Ihre Zahl ist während der Griechenland-Krise deutlich angewachsen, wie generell zu beobachten ist, dass es Menschen aus anderen kriselnden EU-Ländern zunehmend nach Bielefeld gezogen hat.

Die meisten Migranten leben in Mitte

Wichtig bei all diesen Zahlen ist, dass sie sowohl mit Menschen mit ausländischem Pass sowie Menschen mit deutschem Pass und entsprechendem Migrationshintergrund erfasst.

Den größten Migrantenanteil hat – wenig überraschend – der Stadtbezirk Mitte (2016: 29 968), den geringsten Dornberg (3747). Heepen belegt Platz zwei (20 750), gefolgt von Brackwede (15.455).

Und die weitere Bevölkerungsentwicklung? Bei Kindern unter drei Jahren liegt der Anteil von Jungen und Mädchen mit ausländischen Wurzeln inzwischen bei mehr als 50 Prozent. Das gilt auch für die Schulanfänger.

Die Stadtgesellschaft wird sich also weiter verändern. Im September hatte die Verwaltung zu einer Fachtagung »Einwanderungsstadt Bielefeld« eingeladen. Dabei ging es vor allem darum, wie Integration gelingen kann, aber auch darum, welche Probleme die Segaration, also die (oft selbst gewählte) Abgrenzung von Bevölkerungsgruppen mit sich bringt. Klar wurde seinerzeit: Den Zusammenhalt in der Stadt zu stärken, wird eine der größten Herausforderungen der nächsten Jahre.

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