Nach Hooligan-Angriff vom 1. April in Bielefeld juristische Aufarbeitung fast beendet Zwei Polizisten dienstunfähig

Bielefeld (WB/ca). Sieben Monate nach Angriffen von Hooligans des DSC Armina Bielefeld auf Polizisten sind zwei Beamte der Bundespolizei noch immer dienstunfähig.

Auf Bielefelds Partymeile geschah der Angriff.
Auf Bielefelds Partymeile geschah der Angriff. Foto: Pierel

»Die Verletzungen sind schwerer als ursprünglich gedacht«, sagt Anwalt Jerrit Schöll. Er vertritt einen Polizisten, der körperlich verletzt wurde, während der andere Polizist aus psychischen Gründen dienstunfähig sein soll.

 Am 1. April hatten alkoholisierte Fans nach fünfeinhalbstündiger Rückfahrt vom Würzburg-Spiel (1:1) auf der Partymeile »Boulevard« mit Stühlen auf Polizisten eingeschlagen. Sieben wurden verletzt. Die Bielefelder Polizei sowie die für Züge und Bahnhöfe zuständige Bundespolizei waren auf die Auseinandersetzung nicht vorbereitet – obwohl die Polizei vertraulichen Unterlagen zufolge mit mindestens 90 Fans der Kategorie B (gewaltbereit) und 15 der Kategorie C (gewaltsuchend) im Zug rechnete.

Zur Vermeidung von Überstunden hatten szenekundige Bundespolizisten nach dem Auswärtsspiel in Würzburg übernachtet, und die Bielefelder Beamten sollen per Auto nach Hause gefahren sein. Damit hatte kein Polizist ein Auge auf die zurückreisenden 660 Fans, und die Polizei musste die ostwestfalenweite Bezirksreserve alarmieren, als die Situation eskalierte.

Acht Angreifer ausgemacht

Anwalt Jerrit Schöll sagte, sein Mandant müsse in nächster Zeit wegen einer Absplitterung in der Schulter sowie am Daumen und am Meniskus operiert werden. »Es kann sein, dass er nur noch leichte Büroarbeiten erledigen kann, und das, obwohl er erst 50 ist.«

Auf privaten Videos machte die Polizei acht Angreifer aus, von denen sechs identifiziert werden konnten. Einer musste wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung 900 Euro zahlen, ein zweiter wurde wegen Landfriedensbruchs zu 750 Euro Strafe verurteilt. Ein Verfahren wegen Landfriedensbruchs wurde eingestellt, eine weitere Einstellung erfolgte gegen Zahlung einer Geldauflage und der Ableistung von Arbeitsstunden. »Ein fünftes Ermittlungsverfahren läuft noch, und im sechsten Fall habe ich Anklage wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung erhoben«, sagt Staatsanwalt Moritz Kutkuhn.

Jürgen Gerdes von der Bundespolizei in Münster, Funktionär der Gewerkschaft der Polizei (GdP), hatte nach der Tat kritisiert, dass Armina Bielefeld in den Sonderzügen Mengen von Bier an die Fans verkaufe.

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