Neues OWL-Bündnis möchte bei Gesundheitsversorgung mitreden Städte wollen Ärzte einfordern

Bielefeld (WB). Ärztemangel auf dem Land, Pflegenotstand, eine immer ältere Gesellschaft – diesen Herausforderungen wollen Kommunen jetzt gemeinsam begegnen. Das Schlagwort von der »OWL-Allianz für Gesundheit« machte am Mittwoch in der Bielefelder Stadthalle die Runde.

Von Bernd Bexte
Foto: dpa

»Ich weiß von ersten Fällen, wo Menschen keinen Pflegedienst bekommen, weil denen der Fahrweg zu weit ist«, veranschaulicht Uwe Borchers den Ernst der Lage. Den belegen auch andere Daten: Das Durchschnittsalter der 10 700 Hausärzte in NRW liegt bei 55 Jahren, in OWL bei über 60. »Jeder dritte Hausarzt in OWL ist über 65.« Und der Mangel an Krankenhausärzten ist nirgends in NRW so groß wie in OWL.

Stärkere Rolle für Kommunen

Borchers, Geschäftsführer des Zentrums für Innovation in der Gesundheitswirtschaft OWL (ZIG), hatte gemeinsam mit dem Regionalrat Detmold zum 18. OWL-Forum Gesundheitswirtschaft eingeladen. »Kommune und Gesundheit 2030« war dieses überschrieben. Denn künftig könnten die Kommunen – bislang kaum mit dem Thema befasst – eine stärkere Rolle bei der Planung der medizinischen Versorgung einnehmen. Das wünscht sich zumindest Reinold Stücke, Vorsitzender des Regionalrates. »Wir brauchen mehr Zusammenarbeit über die Gemeindegrenzen hinweg.«

Genau die sollte mit der gestrigen Konferenz angestoßen werden. »Sprungbrett« hin zu konkreten Verbesserungen könnte das 150-Millionen-Förderprogramm »Regionale 2022« des Landes werden, für das OWL den Zuschlag bekommen hatte. Immerhin waren Vertreter von mehr als der Hälfte der 70 OWL-Kommunen gestern nach Bielefeld gekommen, darunter viele Bürgermeister. »Denn es geht nicht nur um die Gesundheitsversorgung, sondern um das gesamte Gefüge vieler Orte«, sagt Borchers.

Aktionsprogramm hat Probleme nicht behoben

Beim ZIG in Bielefeld wird nun eine Anlaufstelle eingerichtet, die Kommunen über Fördermöglichkeiten informiert und bei der Entwicklung von Projekten für die »Regionale 2022« hilft.

Die Interessen der Städte und Gemeinden sind jedoch unterschiedlich: Während einige Vertreter von Kommunen betonten, dass die medizinische Versorgung nicht Aufgabe der Gemeinden, sondern der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) sei, locken andere Städte Hausärzte mit Prämien. Laut ZIG bislang aber mit überschaubarem Erfolg. Auch das prämienorientierte Hausarzt-Aktionsprogramm des Landes hat das Problem nicht beheben können: Bislang gab es in OWL 42 Förderungen.

Landarztquote für Studierende

Was also ist zu tun? Borchers begrüßt die Pläne der NRW-Landesregierung, ab dem Wintersemester 2018/2019 eine Landarztquote für Medizinstudenten einzuführen. Demnach sollen bis zu zehn Prozent der Studienplätze an Bewerber gehen, die sich verpflichten, zehn Jahre als Arzt aufs Land zu gehen. »Wir als Kommunen wollen aber auch die KV stärker in die Pflicht nehmen, den Mangel zu beheben«, kündigt Langenbergs Bürgermeisterin Susanne Mittag an. Dazu wollen Städte und Gemeinden künftig mit einer Stimme sprechen. »Wir brauchen auch mehr Informationen, was es an zukunftsweisenden Projekten gibt.«

Dabei geht es nicht nur um Telemedizin oder internetbasierte Therapiehilfe, sondern auch um die Nutzung von ländlichen Stärken wie der Dorfgemeinschaft. Ein Vorbild könnte der 1700-Seelenort Vrees im Emsland sein: Dort hilft seit Jahren eine »Lokale Allianz für Menschen mit Demenz«, das pflegebedürftige Menschen nicht in ein Heim müssen.

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