Gasexplosion im letzten Moment verhindert – 44-Jähriger streitet Tatvorwurf ab »Ich bin doch kein Mörder«

Bielefeld (WB/swa). Drei Männer, unter ihnen zwei Polizisten, sind im April nur knapp dem Tod entronnen, weil sie gerade noch rechtzeitig das ausströmende Gas bemerkten. Den Gashahn soll ein 44-jähriger Bielefelder aufgedreht haben. Er muss sich nun wegen versuchten Mordes vor dem Landgericht verantworten.

Der 44-Jährige, angeklagt wegen versuchten Mordes, wird von Rechtsanwalt Carsten Ernst (rechts) verteidigt.
Der 44-Jährige, angeklagt wegen versuchten Mordes, wird von Rechtsanwalt Carsten Ernst (rechts) verteidigt. Foto: Hans-Werner Büscher

Die Anklageschrift von Staatsanwältin Stefanie Lange liest sich eindeutig: Sie wirft dem obdachlosen Vitali N. vor, dass er eine Sprengstoffexplosion herbeiführen wollte, um zwei Kriminalpolizisten sowie einen Mitarbeiter des Hauseigentümers zu töten. Am ersten Prozesstag entgegnete der 44-Jährige am Montag jedoch: »Ich kann es immer noch nicht glauben, was man mir vorwirft. Ich bin doch kein Mörder.«

Der Mann ohne festen Wohnsitz soll laut Staatsanwältin Lange seit mindestens 10. April ein leerstehendes Abrissobjekt an der Eckendorfer Straße als Wohn- und Schlafstätte genutzt haben. Um sich Geld zu verdienen, soll N. vornehmlich aus den Bädern und Küchen des Mehrfamilienhauses Kupferleitungen sowie Armaturen ausgebaut und an einen Schrotthändler verkauft haben. Soweit zeigte sich der Angeklagte geständig. Mit einem Schraubendreher will er Gas-, Wasser- und zum Teil auch Stromleitungen unfachmännisch entfernt haben, um diese zu veräußern.

Straftat-Verdacht

Am Tattag, dem 24. April, betrat der Prokurist des Wohnungseigentümers zusammen mit zwei Streifenpolizisten das Haus, weil der Verdacht bestand, dass dort Straftaten begangen worden waren. Laut Anklageschrift sah N. die Polizisten und verbarrikadierte sich in der Dachgeschosswohnung des Hauses. Die Wohnungstür versperrte er mit einem Holzbalken. Über ein Fenster gelangte er schließlich auf das Dach und konnte über einen Baum flüchten. Die Beamten bekamen davon nichts mit und fanden das Haus leerstehend vor. Der Angeklagte gab an, aus Angst vor einer Überführung als Dieb geflüchtet zu sein. Seine Habseligkeiten will er direkt mitgenommen haben und das Haus im Nachgang nicht mehr betreten haben.

Die Staatsanwaltschaft geht jedoch davon aus, dass der Bielefelder nach der Flucht erneut zum Abrisshaus zurückkehrte. Mittlerweile hatte die Kriminalpolizei die Einsatzstelle übernommen, um nach Spuren zu suchen. Unbemerkt für die beiden Beamten und den Prokuristen soll sich N. in den Keller begeben haben. Dort habe er dann die Gashähne aufgedreht, sagte Lange. Ziel sei es gewesen, dass Haus in die Luft zu sprengen, um sämtliche Spuren zu beseitigen. Eine kleine Zündquelle wie das Betätigen eines Lichtschalters hätten dazu ausgereicht, heißt es in der Anklage. Die Polizisten bemerkten jedoch den Gasgeruch im Haus, der aus den abgebauten Armaturen ausströmte, und alarmierten die Feuerwehr. Der Angeklagte konnte fünf Stunden später festgenommen werden. Er stand unter Drogeneinfluss.

Billigend in Kauf genommen?

Stefanie Lange wirft N. vor, den Tod der Personen im und im Umfeld des Hauses zumindest billigend in Kauf genommen zu haben. Dabei soll er heimtückisch gehandelt haben.

An drei weiteren Verhandlungstagen will das Schwurgericht klären, ob sich der obdachlose Mann wegen versuchten Mordes oder nur wegen des Ausbaus der Kupferleitungen strafbar gemacht hat.

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