Ausschuss des Landtags sieht keine Denkmalwürdigkeit – Clausen soll sich äußern Hof Kulbrock: Petition abgewiesen

Bielefeld (WB). Auf dem Petitionsausschuss des Landes NRW ruhte die Hoffnung der Akteure, die den 234 Jahre alten Hof Kulbrock in Brackwede vor dem Abriss bewahren wollen. Die Interessengemeinschaft Bauernhaus, der Bielefelder Denkmalverein und der Heimatverein Brackwede hatten sich mit einer Petition an den Landtag gewandt, um eine Neubewertung hinsichtlich der Denkmalwürdigkeit des Hofes zu erreichen. Nun kam vom Präsidenten des Landtags die Ablehnung.

Von Peter Bollig
Seit Monaten wird um die Zukunft des Hofes Kulbrock, von dem nur der Deelentorbalken unter Denkmalschutz steht, gerungen. Die BGW will das Haus abtragen lassen, in Marienfeld soll es wieder aufgebaut werden.
Seit Monaten wird um die Zukunft des Hofes Kulbrock, von dem nur der Deelentorbalken unter Denkmalschutz steht, gerungen. Die BGW will das Haus abtragen lassen, in Marienfeld soll es wieder aufgebaut werden. Foto: Markus Poch

»Aufgrund der starken Veränderung der Bausubstanz des Hauses und seiner Umgebung erscheint eine Eintragung des Objektes in die Denkmalliste nicht sinnvoll«, heißt es in der Mitteilung des Landtags an die drei Vereine, die dieser Zeitung vorliegt. Und: »Das Verhalten und der Meinungsbildungsprozess der unteren Denkmalbehörde sind nicht zu beanstanden.« Mit dieser Begründung lehnte der Petitionsausschuss das Begehren aus Bielefeld ab.

»Argumente nicht hinreichend gewürdigt«

Alexander von Spiegel von der Interessengemeinschaft Bauernhaus bedauert die Entscheidung. Der Petitionsausschuss habe sich »der fatalen Meinung der Denkmalbehörden angeschlossen. Insbesondere wird bedauert, dass die nachvollziehbaren Argumente nicht hinreichend gewürdigt wurden.« Von Spiegel nennt insbesondere die »willkürliche Bewertungen von Räumen, die nicht besichtigt werden konnten, Baumarken, die doch auf das Vorhandensein von ursprünglichen Innenfachwerkwänden hinweisen, und der tatsächliche Erhaltungszustand mit seiner ortsbildprägenden Wirkung«. Nach dem »kläglichen Versuch der BGW«, das Gebäude für einsturzgefährdet zu erklären, sei es nun in allen Räumen frei zugänglich »und könnte so für eine angemessene Beurteilung durch die Denkmalbehörden genutzt werden«.

Der Verein beklagt auch, dass die Stadt Bielefeld in ihrer Stellungnahme »wissentlich verschwiegen hat, dass die Stadt das Gebäude mit Auflagen gestiftet bekommen hat«. Dabei soll eine soziale Nutzung des Hauses zur Bedingung gemacht worden sein. Diese Auflage sei bei dem Verkauf an die BGW als Rechtsnachfolgerin nicht weitergereicht worden. Alexander von Spiegel: »Wir stellen uns die Frage, ob dieses Verhalten einen Imageschaden für die Stadt Bielefeld verursacht. Wer wird noch dieser Stadt etwas stiften, wenn die Stadt Bielefeld sich nicht an die Auflagen hält?« Die Interessengemeinschaft Bauernhaus fordern Oberbürgermeister Pit Clausen auf, sich zu der Stiftung der Firma Möller und der Erfüllung der Auflagen zu äußern.

Diskussion über Verbandsklagerecht

Die drei Vereine wollten mit der Petition auch erreichen, dass im Denkmalschutzgesetz NRW ein Verbandsklagerecht etabliert wird, also auch sachkundige Verbände wie die drei Bielefelder Vereine juristisch gegen Entscheidungen der Denkmalbehörde vorgehen könnten. Der Petitionsausschuss stellte fest, dass ein solches Klagerecht, das etwa im Umweltrecht bereits besteht, derzeit auch für den Denkmalschutz diskutiert werde. Alexander von Spiegel begrüßte die weitreichende Prüfung des Klagerechts, wenngleich es für den Hof Kulbrock zu spät komme.

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