Mutmaßlicher Waffenbauer aus Senne muss sich vor dem Landgericht verantworten Kriegsgeräte aus der Keller-Werkstatt

Bielefeld (WB). Vier Maschinenpistolen, 29 Gewehre, 55 Pistolen und Revolver, vier Schalldämpfer und mehr als 40.000 Schuss Munition – dieses Waffenlager im Wert von mehr als 100.000 Euro soll ein 63-Jähriger aus Senne nicht nur im Keller gehortet, sondern Stücke seiner Sammlung an scharfen Kampfgeräten auch an Kriminelle verkauft haben.

Von Jens Heinze
Diese Pistolen sind nur ein kleiner Teil des Kriegsgerätes, das Polizisten im September 2016 in der Waffenwerkstatt eines 63-Jährigen aus Senne beschlagnahmten. Der Staatsanwaltschaft zufolge soll der Mann auch Maschinenpistolen verkauft haben.
Diese Pistolen sind nur ein kleiner Teil des Kriegsgerätes, das Polizisten im September 2016 in der Waffenwerkstatt eines 63-Jährigen aus Senne beschlagnahmten. Der Staatsanwaltschaft zufolge soll der Mann auch Maschinenpistolen verkauft haben. Foto: dpa

Dafür und für illegale Drogengeschäfte müssen sich der Mann und fünf weitere Angeklagte aus Bielefeld (35), Oberhausen (42) und Dortmund (23/35/35) vor einer Großen Strafkammer des Landgerichtes Duisburg verantworten. Die Staatsanwaltschaft der Ruhrgebietsstadt wirft dem Bielefelder Verstöße gegen das Waffengesetz und – wegen der Maschinenpistolen – Verstöße gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz vor, sagte Dr. Matthias Breidenstein, Sprecher des Landgerichtes Duisburg.

Prozess in Duisburg

Der Prozess wird vor dem dortigen Landgericht geführt, weil der 42-Jährige aus Oberhausen den Ermittlern als zentrale Figur gilt. Der Mann, nach Informationen dieser Zeitung bereits verurteilt unter anderem wegen versuchten Totschlags und Drogendelikten, soll im Mittelpunkt der Waffengeschäfte gestanden haben. Den Vorwürfen der Staatsanwaltschaft zufolge wurden dem Oberhausener die Waffen vom 35-jährigen Bielefelder verkauft. Dieser wiederum erhielt laut Anklage Revolver, halbautomatische Pistolen und Maschinenpistolen samt Munition vom 63-Jährigen aus Senne.

Insgesamt 22 scharfe Waffen, darunter zwei Maschinenpistolen, soll der Senner in der Zeit von Januar bis September 2016 verkauft haben. So soll der 63-Jährige für einen Revolver 500 Euro, für eine halbautomatische Pistole samt Munition 1000 Euro und für eine Maschinenpistole nebst fünf Patronenmagazinen 1300 Euro kassiert haben, ergaben die Ermittlungen von Kripo und Staatsanwaltschaft. Der Verbleib eines Teiles der Waffen sei bis heute ungeklärt, sagte der Duisburger Gerichtssprecher Breidenstein.

Informant gibt entscheidenden Tipp

Auf die Spur kamen Kripofahnder dem Waffen- und Drogenhändlerring über den 42-Jährigen aus Oberhausen. Ein Polizeiinformant soll den Tipp gegeben haben, verdeckte Ermittler fädelten daraufhin Waffengeschäfte mit dem vorbestraften Mann ein.

Am 20. September vergangenen Jahres stürmten SEK-Elitepolizisten und Kripoermittler zehn Wohnungen in Bielefeld, Oberhausen und Dortmund und durchsuchten diese. Im Keller des 63-Jährigen aus Senne stießen die Polizisten auf ein großes Waffenlager und eine halbprofessionelle Werkstatt. Der Mann sei ein Waffennarr gewesen, hieß es von der Staatsanwaltschaft. Aus dem Internet und aus dem Nachlass eines Freundes habe sich der 63-Jährige funktionsuntüchtige beziehungsweise defekte Waffen beschafft, kaputtes Kriegsgerät fachgerecht repariert beziehungsweise Dekawaffen scharf gemacht, heißt es in der Anklage. Nachdem sich der Senner und der 35-jährige Bielefelder kennengelernt hatten, fädelten beide gemeinsam Waffengeschäfte ein.

Bei den Wohnungsdurchsuchungen fanden die Ermittler neben Waffen und Munition auch 200 Gramm Kokain. In den illegalen Drogenhandel sollen die beiden Männer aus Bielefeld nicht verstrickt gewesen sein. Die Rauschgiftdelikte werden von der Staatsanwaltschaft den anderen Angeklagten zur Last gelegt.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.