Mike Cacic kann bundesweite Resonanz auf »Hilferuf« kaum fassen Bielefelder Flutlicht: bereits 68.000 Bierflaschen verkauft

Bielefeld (WB). Solidarität aus ganz Deutschland strömt dem Bielefelder Bierbrauer Mike Cacic entgegen: Der 29-jährige hatte um Hilfe gerufen, weil er nach einer Abmahnung der Wettbewerbszentrale München innerhalb von nur drei Monaten 160.000 Flaschen seines Bieres »Bielefelder Flutlicht« verkaufen muss.

Von Markus Poch
Überwältigt von der positiven Resonanz auf seinen Hilferuf zur Rettung der Ravensberger Brauerei: Einzelhandelskaufmann Mike Cacic (29) aus Senne mit seinem ersten, nach eigenem Rezept gebrauten Bier, dem Bielefelder Flutlicht.
Überwältigt von der positiven Resonanz auf seinen Hilferuf zur Rettung der Ravensberger Brauerei: Einzelhandelskaufmann Mike Cacic (29) aus Senne mit seinem ersten, nach eigenem Rezept gebrauten Bier, dem Bielefelder Flutlicht. Foto: Markus Poch

Mehr als 68.000 Flaschen ist er bereits losgeworden – dank einer pfiffigen Werbestrategie und bundesweiter Medien-Resonanz. Jungbrauer Cacic hatte, wie berichtet, bei einer Druckerei zu günstigen Konditionen jeweils 160.000 Vor- und Rückseitenetiketten für seine Flaschen in Auftrag gegeben, ohne zu wissen, dass der Brauort darauf vermerkt sein muss – gerade weil sein Bier nicht in Bielefeld, sondern von der Schlossbrauerei Rheder bei Höxter gebraut wird.

Die Wettbewerbszentrale hatte ihn daraufhin zurechtgewiesen. Um eine finanzielle Schieflage der Firma zu vermeiden, räumte sie ihm eine Schonfrist bis zum 1. Oktober ein, um die alten Etiketten aufzubrauchen und danach nur noch vollständige zu verwenden.

Dem Ziel näher gekommen

Mit Rabattaktionen, Flutlicht-Motto-Partys und der Medienresonanz ist Mike Cacic inzwischen deutschlandweit in aller Munde – und sein nach eigenem Rezept gebrautes Bier beinahe auch. Der Lagerbestand schrumpfte in kürzester Zeit auf jetzt noch 91.544 Flaschen zusammen.

Das bedeutet: In nur einem Monat hat der Einzelhandelskaufmann mehr als 68.000 Flaschen an den Endverbraucher oder den Großhandel abgesetzt. Dadurch ist er seinem Ziel, bis zum ersten Oktober mit dieser fehlerhaft etikettierten Charge ausverkauft zu sein, deutlich näher gekommen.

Tatsächlich sind seit seinem Aufruf vorwiegend an die Biertrinker Ostwestfalens kaum vier Wochen vergangen. »Wir fluten Bielefeld: 160.000 Flaschen, drei Monate Zeit, Euer Durst« hatte der Senner, der mit der Ravensberger Brauerei erst 2016 als Ein-Mann-Betrieb an den Markt ging, in die Welt hinaus posaunt. Das Ergebnis nennt er »überwältigend, unfassbar – ich weiß gar nicht, was ich dazu sagen soll«.

10.000 Facebook-Nachrichten

Zuerst griffen die Tageszeitungen, angefangen beim WESTFALEN-BLATT, später quer durch die Republik, das Thema auf. Dann wurden die Fernsehsender auf ihn aufmerksam: RTL, Sat 1, das ZDF, der WDR und andere spendierten ihm plötzlich Sendezeit. Parallel bekam er mehr als 5000 E-Mails, mehr als 10.000 Nachrichten auf Facebook. »Mein Telefon stand überhaupt nicht mehr still. Die Resonanz hat alle meine Erwartungen gesprengt«, sagte er dieser Zeitung gestern.

Die überwiegend sehr positiven Anfragen und Durchhalteparolen reichten von »Hey Alter, ich habe Durst. Schick’ doch mal ‘ne Pulle rüber« bis zu »Ich komme aus Hamburg (oder Berlin, München, Österreich) – wo kann ich Dein Bier kaufen?« Mike Cacic und Freundin Anna-Lina Bentrup (28) fühlten sich seitdem derart positiv in der Bringschuld, dass sie nach eigenen Angaben fast alle 15.000 Anfragen persönlich beantworteten und gleichzeitig einen Online-Shop für das Bier installierten. Dennoch will Cacic möglichst bald einen Vertrieb aufbauen, der neben den bisher 50 Getränkemärkten in Ostwestfalen auch wenigstens die deutschen Metropolen bedient.

Kamerateam im Moccaklatsch

In Bielefeld steht indes die nächste Flutlicht-Party an. Sie steigt an diesem Samstag von 19 Uhr an im Moccaklatsch an der Arndtstraße. Ein Kamerateam des TV-Lifestyle-Magazins »taff« (Pro Sieben) hat sich angekündigt, um das Thema aufzuarbeiten und die Stimmung einzufangen.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.