Unter freiem Himmel an der Nicolaikirche Gottesdienst für Frauchen, Herrchen und Hund

Bielefeld (WB). Ein wenig Unruhe herrscht schon während des Gottesdienstes: Nicht jeder mag ganz stille sitzen, und nicht jeder mag ganz leise sein. Ab und an verkündet ein Teilnehmer mit einem Bellen seinen Unmut – wobei sich die größeren Hunde eindeutig als die gelasseneren erweisen.

Von Sabine Schulze
Wilfried Rother mit Deutsch-Drahthaar Betti. Die elfjährige Hundedame hat sich vorbildlich verhalten
Wilfried Rother mit Deutsch-Drahthaar Betti. Die elfjährige Hundedame hat sich vorbildlich verhalten Foto: Hans-Werner Büscher

Zum neunten Mal – traditionell am Sonntag vor Beginn der großen Schulferien – hatten Pastor Armin Piepenbrink-Rademacher von der Stadt-Kirchen-Arbeit und der Verein »Achtung für Tiere« aus Gütersloh zum Open-Air-Gottesdienst für Mensch und Tier eingeladen. Während dieser Gottesdienst anfangs in der Natur an der Waterboer stattfand, umgeben auch von Pferden und Eseln, ist er nun in die Stadt »hinuntergezogen« und findet bei schlechtem Wetter in der Altstädter Nicolaikirche statt. Am Sonntag aber konnte er unter freiem Himmel, im Schatten der Kirche abgehalten werden, freute sich der Pastor. »Das ist eine schönere Atmosphäre.«

Mehrere Reihen Sitzbänke waren aufgestellt, und etwa hundert Gläubige (und gut 20 Hunde) nahmen dort Platz. Einige Herrchen und Frauchen hatten für ihre Vierbeiner – vom Deutsch Drahthaar und japanischen Schlittenhund über diverse Mischlinge und Windhund bis hin zu Pudel, Dackel und Cocker Spaniel – eigens Decken und Hundekissen mitgebracht, andere nahmen ihren Hund einfach auf denn Schoß.

Faire Beziehung zu Tieren nicht vergessen

»Wenn wir uns angesichts wiederkehrender Nachrichten von Gewalt und Terror in diesen Zeiten ganz besonders Frieden und Gerechtigkeit wünschen, dürfen wir dabei friedvolle und faire Beziehungen zu den Tieren, mit denen wir diese Welt teilen, nicht vergessen«, so Piepenbrink-Rademacher. Der Mensch lebe in Gemeinschaft mit Tieren, »er hat eine innige Beziehung zu ihnen, und das vermittelt Mensch und Tier gute Gefühle.«

Allerdings, betont Astrid Reinke als Vorsitzende des Vereins »Achtung für Tiere«, missbrauche der Mensch auch Tiere, beute sie aus und quäle sie. So wendet sich der Verein gegen Kirmesreitbahnen, eine nicht artgerechte Tierhaltung oder Experimente an Hunden, Kaninchen oder Mäusen. Drei Millionen Tiere würden alleine in Deutschland alljährlich dafür »verbraucht«. Der Verein betreibt in Rietberg einen Tierschutzhof.

Am Klavier begleitete Bernhard Auge vom Weimarer Jazztrio den Gottesdienst, spielte Kirchenlieder von Paul Gerhardt ebenso wie als Intermezzi Jazzstücke wie »Summertime«.

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