33-Jähriger hält Mitarbeiter eines Kabel-TV-Anbieters in Wohnung gefangen – Gericht verhängt Geldstrafe Techniker 18 Stunden lang eingesperrt

Bielefeld (WB). Ein Bielefelder (33) hat einen Mitarbeiter eines Kabel-TV-Anbieters 18 Stunden lang in seiner Wohnung eingeschlossen. Jetzt wurde der Mann zu 1200 Euro Geldstrafe verurteilt. Seine merkwürdige Begründung für die Aktion lautete, der Mann habe seine Kommunikationsanlage »gehackt«.

Von Uwe Koch
Symbolbild.
Symbolbild. Foto: dpa

Auf Freiheitsberaubung, Nötigung, gefährliche Körperverletzung, Sachbeschädigung und Hausfriedensbruch lauteten die Vorwürfe, denen sich der Bürokaufmann vor dem Amtsgericht stellen musste, die er aber zunächst energisch bestritt. In der Zeit vom 20. bis zum 22. Oktober 2016 habe er die Taten zunächst in seiner Wohnung begangen, dann sei er obendrein in die Wohnung seines Opfers eingedrungen und habe dort randaliert.

Angeblich – so die Anklage – habe der Techniker seinen »Freund« aufgesucht, weil er ihm einen Router für die Telefonanlage habe anschließen wollen. Weil der 33-Jährige plötzlich vermutete, der Besucher habe ihn »gehackt«, kam es erst zum Streit, dann zur offenen und gewalttätigen Konfrontation.

Schlüssel, Mobiltelefon und Ausweispapiere weggenommen

Der 33-Jährige nahm dem Besucher die Schlüssel, Mobiltelefon, Notebook und Ausweispapiere weg. Außerdem verriegelte er die Wohnungstür. Die Stunden bis zum Folgetag um 15 Uhr verbrachte der Techniker in der Wohnung, erst dann durfte er gehen.

Der Bürokaufmann wollte das Geschehen zuerst mit einem »gemeinsamen Drogenkonsum« relativieren und erklären. Der Techniker stellte aber klar, dass er keine Drogen konsumiere. Der 33-Jährige habe mehrfach »Gewalt gegen mich ausgeübt, hat mich zu Boden gedrückt«. Er verstehe nicht, was in den Mann gefahren sei.

Der 33-Jährige tauchte nach der Einsperr-Aktion kurz nach Mitternacht bei dem Techniker auf, denn er sollte »das Notebook seiner Ehefrau auf Werkseinstellung zurückstellen«. Am folgenden Morgen gegen 10 Uhr schlug der Kaufmann obendrein die Glasscheibe der Balkontür ein und stand nach Angaben des Technikers vor dessen Bett.

»Ich find’s krank«

Zu einer Strafanzeige sah sich das Opfer allerdings erst genötigt, als ihn der Täter dann an seinem Arbeitsplatz mobbte. »Er hat bei meinem Chef angerufen und gesagt, ich hätte ihn gehackt«, schilderte das Opfer vor Gericht. Als der Techniker zudem mit Kurzmitteilungen belästigt worden sei, als ihn die Ehefrau und die Mutter des Angeklagten besucht und zugesetzt hätten, habe er den 33-Jährigen schließlich angezeigt.

»Kurios« nannte die Staatsanwältin den Vorgang. »Ich find’s krank«, sagte der Verteidiger. Es sei »irrational und mit klarem Verstand nicht nachzuvollziehen«. Trotzdem verzichteten alle am Strafverfahren Beteiligten trotz dieser Taten auf eine psychiatrische Untersuchung des Angeklagten. Das Gericht beließ es bei einer Geldstrafe für den 33-Jährigen Bielefelder.

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