Angeklagter gesteht vor Schwurgericht Tritt gegen Kopf Prozess um Attacke nach Arminia-Spiel

Bielefeld (WB). Der Tritt gegen den Kopf eines Mannes könnte dem 32-jährigen Bielefelder Sergej A. zum Verhängnis werden. Der Arbeiter ist des versuchten Totschlags angeklagt, muss sich seit Mittwoch vor einem Schwurgericht des Landgerichts verantworten.

Von Uwe Koch
Sitzt seit Mittwoch vor dem Schwurgericht: Sergej A. mit seinem Verteidiger Dr. Detlev Binder.
Sitzt seit Mittwoch vor dem Schwurgericht: Sergej A. mit seinem Verteidiger Dr. Detlev Binder. Foto: Uwe Koch

Zu dem Zeugenaussagen zufolge »brutalen« Angriff kam es am 2. April 2016 nach dem Zweitliga-Spiel des DSC Arminia Bielefeld gegen Fortuna Düsseldorf (Endstand 0:0). A. war mit seiner Freundin und Bekannten auf der Rolandstraße auf dem Weg zum Siegfriedplatz, als er meinte, seiner Freundin zu Hilfe eilen zu müssen. Sie sei von einer Gruppe von Männern »angepöbelt« worden, sagte der Bielefelder gestern vor der 10. Strafkammer unter Vorsitz von Christoph Meiring.

Durch diesen Vorfall habe er sich genötigt gesehen, einem der Männer »eine Ohrfeige« zu geben. Sekunden später habe er selbst dann einen Faustschlag von einem anderen Mann erhalten. »Zwei gingen auf mich los.« Er habe einen Tritt erhalten, sei zu Boden gegangen, danach habe sich seine Freundin »von hinten auf einen der Männer draufgeworfen«, um ihn zu schützen. Er habe einem der Angreifer einen Faustschlag verpasst und sei »wütend« gewesen. »Ich war richtig sauer. Ich habe ihm einen Tritt gegeben.«

»Überrascht über die Wucht des Trittes«

Danach, so sagte Sergej A. wörtlich, habe er »ein leichtes Knackgeräusch gehört«. Obwohl er hörte, dass der Mann »stöhnte« und er selbst »überrascht über die Wucht des Trittes« war, sei er mit den Freunden weiter in Richtung Siegfriedplatz gegangen. Dort wurde der Arbeiter später vorläufig festgenommen.

Nach der Anklage der Staatsanwaltschaft und den Aussagen von Zeugen soll sich der Vorfall anders zugetragen haben. So habe die Freundin einem der späteren Opfer zunächst unabsichtlich in die Hacken getreten. Daraus soll sich die Schlägerei entwickelt haben, der schließlich dem Bielefelder Mustafa Z. zum Verhängnis wurde. So sagte dessen Begleiter Ayhan P. am Mittwoch, »es gab keinen Disput, weil diese Person sofort losgeschlagen hat«.

»Ich dachte, dass er tot war«

A. sei »voller Aggression gewesen, als ob er was genommen hätte«. Auch er habe das Knacken des Kopfes gehört, als der Fuß mit voller Wucht den Schädel von Z. traf. Danach sei sein Freund regungslos liegen geblieben. »Er hatte die Augen geschlossen, ich dachte, dass er tot war. Ich habe geheult.«

Mustafa Z. hatte Glück. Er blieb zwei Tage in stationärer Behandlung in einem Krankenhaus, erlitt jedoch lediglich Hämatome. Die Staatsanwaltschaft wertete den Angriff auf ihn gleichwohl als einen Akt mit »zumindest bedingtem Tötungsvorsatz«. Der Täter habe mit dem Schuh auf den Kopf eines wehrlosen Opfers eingetreten. Der Prozess wird fortgesetzt.

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