Ex-Agora-Chefin war wegen Steuerschulden bereits im Visier der Bielefelder Behörden Betrogene Braut will Stadt verklagen

Bielefeld (WB/hz). Die Exgeschäftsführerin (67) eines Bielefelder Hochzeitsmodengeschäfts soll bundesweit zig Bräute um ihre Kleider und ihr Geld betrogen haben.

Das Geschäft ist mittlerweile geschlossen.
Das Geschäft ist mittlerweile geschlossen. Foto: Jens Heinze

In diesen Fall, über den das WESTFALEN-BLATT im April berichtete , wird jetzt die Stadt Bielefeld mit hinein gezogen. Manuela Wolke (45), eine der betrogenen Bräute, wirft dem Bielefelder Ordnungsamt Amtspflichtverletzung vor und will die Stadt mit anderen Opfern verklagen.

Grund: Der Chefin der inzwischen geschlossenen Agora-Brautmodenboutique hatte die Stadt bereits vor 27 Jahren wegen Steuerschulden die Gewerbeausübung untersagt. Ob sich die wegen Betrugs vorbestrafte Frau daran hielt, soll das Ordnungsamt nie kontrolliert haben.

So konnte die 67-Jährige ungehindert immer wieder neue Boutiquen in Bielefeld eröffnen. »Wie kann das sein, dass die Frau trotzdem Gewerbe betreiben konnte«, fragt Manuela Wolke. Die selbstständige Raum-Designerin hält dem für die Gewerbekontrolle zuständigen Ordnungsamt Amtspflichtverletzung vor. Manuela Wolke will sich mit Betroffenen zusammen schließen und vor dem hiesigen Landgericht Klage einreichen. Eine Rechtsanwältin sei bereits damit beauftragt, sagt sie.

Bielefelds bekannteste Serienbetrügerin

Fakt ist: Die Gewerbeuntersagung der Stadt Bielefeld gegen die Betreiberin des ehemaligen Agora-Brautmodengeschäftes an der Ecke Niederwall/Am Bach datiert nach WESTFALEN-BLATT-Informationen bereits aus Januar 1990. Wegen fortgesetzter Unzuverlässigkeit und Steuerschulden wird der Bielefelderin auf Dauer untersagt, ein Gewerbe zu betreiben.

Doch die Frau macht weiter und erlangt wegen ihrer vielen Vorstrafen Bekanntheit als Bielefelds bekannteste Serienbetrügerin. Sie wird am 30. September 2005 vom Landgericht Bielefeld wegen Diebstahls und Betruges in 46 Fällen (Schaden: etwa 330.000 Euro) für fünf Jahre und neun Monate hinter Gittern geschickt.

Vor Prozess und Inhaftierung betreibt die Serientäterin trotz der bestehenden Gewerbeuntersagung unbehelligt unter anderem eine Boutique am Niederwall und will eine Botox-Klinik in einer Gütersloher Villa eröffnen. Nach ihrer Haftentlassung meldet die Bielefelderin dann zum 12. Mai 2014 das Gewerbe für die Boutique Agora-Brautmoden an und fällt wiederum nicht auf.

21 Bräute haben Anzeigen erstattet

Dieses Geschäft wird vom August 2016 bis zur Zwangsräumung wegen Mietschuldens am 21. März dieses Jahres im Gewerberegister offiziell von der Tochter der 67-Jährigen geführt. Die Mutter tritt im Laden aber weiter als oberste Hochzeitsmoden-Verkäuferin und Chefin mehrerer Mitarbeiterinnen auf, sagen Zeugen.

Dass die Tochter noch für ein paar Monate die Geschäftsführung übernimmt, liegt an einem weiteren Kuriosum rund um die Gewerbeuntersagung von Januar 1990. Die Stadt erlässt trotz des seit Jahrzehnten bestehenden Verbotes eine weitere Untersagung wegen 42 Einträgen im Schuldnerverzeichnis und droht der vorbestraften 67-Jährigen zudem mit Zwangsgeldern.

Aktuell ermittelt die Staatsanwaltschaft Bielefeld wegen Betrugsverdachtes um bezahlte, aber nicht gelieferte Hochzeitskleider gegen die Ex-Boutiquen-Chefin. Gegen die Frau haben 21 Bräute Anzeigen erstattet, sagt Polizeisprecher Michael Kötter.

Kommentare

Hinterher...

Hinter her können sich die Leute auf einmal schlau machen bei wem sie tausende Euros für ein Kleid ausgeben. Und verher nicht?
Und dann investiert man jede Menge Zeit, Geld und Mühe um jemand anderes die Schuld zu schieben zu können als sich einfach mal an die eigene Nase zu fassen ob der eigenen Faulheit sich nicht vorher zu Informieren.

Aber es ist ja immer einfacher mit dem Finger auf andere zu zeigen als auf sich selbst.

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