Im Alpecin-Team unterwegs mit Constanze Schmidt und Allstar Lukas Buske »Dieses Rad geht ab wie ein Rakete«

Bielefeld (WB). »Mein Leben hat sich ganz schön verändert als Mitglied im Team der Alpecin-Jedermänner«, gesteht Constanze Schmidt (25). »Ich achte mehr auf den Tag, strukturiere ganz anders«, sagt die Studentin. Verändert hat sich dank des Rad-Teams auch das Leben von Lukas Buske (29). Der WB-Leser radelte 2014 einen Sommer als Rookie mit. Beim NRW-Radfest trafen sich die Rennradler jetzt. Das WB ging mit ihnen auf Tour.

Von Michael Diekmann
Starkes Gespann: Siggi Werkmeister (60) ist der Senior in der Alpecin-Mannschaft aus engagierten Hobbysportlern. Hier schraubt er am Rennrad von Constanze Schmidt. Die Bielefelderin ist das »Küken«, schätzt die Erfahrung der »Kilometerfresser«.
Starkes Gespann: Siggi Werkmeister (60) ist der Senior in der Alpecin-Mannschaft aus engagierten Hobbysportlern. Hier schraubt er am Rennrad von Constanze Schmidt. Die Bielefelderin ist das »Küken«, schätzt die Erfahrung der »Kilometerfresser«. Foto: Bernhard Pierel

Bis zur Berufung in das Jubiläums-Team von Alpecin 2017 zur Vorbereitung auf den Ötztaler Radmarathon Ende August war Constanze Schmidt nur mit ihrem uralten Hercules Ravenna in Bielefeld unterwegs. Dann las sie im Westfalen-Blatt den Bewerbungsaufruf, machte mit, hatte Glück und ist seit März das »Küken« in der Mannschaft unterschiedlichster Typen mit einer gemeinsamen Leidenschaft, dem Rennradfahren.

»Es ist der Wahnsinn«, sagt sie über ihr neues Hobby, fährt jetzt 300 Kilometer pro Woche. Sie ist quirlig, ihre Augen blitzen, wenn sie erzählt. »Es ist wie ein Flugzeug, ist meine kleine Mondrakete«, beschreibt sie ihren fahrbaren Untersatz, ein Canyon-Profi-Rennrad von gerade einmal gut sechs Kilogramm Gewicht. Das wird an diesem Vormittag fachmännisch gewartet von den Canyon-Monteuren. Die sind ebenso am Stand von Katusha-Alpecin wie alle zehn Team-Fahrer 2017.

Das Radfest macht es möglich, Teamchef Jörg Ludewig hat seine »Alpecinis« um sich geschart, will mit ihnen den TSVE-Marathon mit Lippe-Panorama fahren. Ludewig: »230 Kilometer, 3000 Höhenmeter, wie ein kleiner Ötztaler.« Constanze trifft beim Service Siggi Werkmeister (60). Der verschmitzte Kölner ist der Senior im Team und hat so viel Fahrpraxis wie alle anderen zusammen. »Ich bin Einsteigerin und habe riesigen Respekt«, gesteht Constanze. Ein 300-Kilometer-Nachtrennen in Koblenz hat sie mit Siggi gemeinsam gefahren. Ansonsten trainiere sie im Grundlagenbereich, so um die 13 Stunden pro Woche, erzählt die 29-Jährige: »Ich komme gut über den Berg, versuche auf die Atmung zu achten und nicht zu überziehen.« Der gemeinsame Spaß an der Sache ist der Bielefelderin wichtig.

Das gilt auch für Lukas Buske (29). »Luki«, wie sie ihn rufen, hatte damals bei den Eltern im Westfalen-Blatt den Aufruf von Team Alpecin gelesen. Er wurde der Bielefelder in der Mannschaft 2014, lieferte den Lesern viele spannende Zwischenberichte, machte seinen Masterabschluss und kam sogar noch bei strömendem Regen über das Timmelsjoch nach Sölden.

Das Alpecin-Radfest jetzt ist für viele eine Art Familientreffen, ein Kennenlernen, ein Wiedersehen. Und auf 100 Kilometern durch das Lipperland eine tolle Möglichkeit, trotz der Bullenhitze und harter Anstiege zu quatschen. Damals 2014, erinnert sich Buske, kurbelten wir gemeinsam 120 Kilometer durch das Osnabrücker Land.

Aktuell, gesteht Luki, sei er noch nicht viel gefahren, fehle die Leistung. Dafür baut er gerade ein Haus in Steinhagen, wohnt mit seiner Lebenspartnerin Angela Fröschl, von allen nur »Angie« gerufen, wieder bei den Eltern in Bielefeld. Und will sich beruflich in der Familienfirma in OWL einbringen, hat dem Arbeitgeber in Ingolstadt den Rücken gekehrt.

In der Partnerschaft Buske/Fröschl, die WB-Leser damals sogar ins Trainingslager nach Griechenland 2014 begleitet hatten, herrscht momentan Arbeitsteilung. »Ich baue am Haus«, schmunzelt Buske. Seine Frau lasse er die Mehrtages-Transalp-Fahrt auf dem Rennrad bestreiten, erzählt er, während wir gemeinsam in Hörste über den Berg klettern müssen. Damals 2014 war Buske, dessen Herz eigentlich für Triathlon schlug, über Alpecin zum Radsport gekommen. Bis heute ist es seine beste Art, Sport zu treiben, im Beruf abzuschalten. Dass er mit der Österreicherin Angie die Frau fürs Leben fand und sie auch noch für Ostwestfalen begeistern konnte, ist sein großes Glück.

Beim Radfest sehen sich auch die so genannten Allstars. Das sind laut Jörg Ludewig viele ehemalige Teamfahrer in den zehn Jahren der Jedermann-Historie der Bielefelder, die europaweit Werbung für diese Stadt machen. Für ein Wiedersehen, weiß Lude, kommen manche viele hundert Kilometer weit. Manche haben es auch ganz nah. So wie Udo Tanger. Der Hillegosser war 2015 mit Heimvorteil im Team, schaffte den Ötztaler und ist immer gut im Training. Begeistert von all den Gleichgesinnten ist Radsport-Küken Constanze Schmidt. Aus den Radlern mit Heimvorteil haben sich die »Bielefeld-Locals« gebildet, die zusammen radeln und klönen.

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