Frank Goosen im Bunker Ulmenwall – Sönke Wortmann kommt ins Bielefelder Lichtwerk Was ihm auffällt

Bielefeld (WB). In Frank Goosens Geschichten heißen die Jugendlichen noch Stefan, Helmut oder Claudia, schwören auf Simon & Garfunkel und streiten sich mit der Kriegsgeneration herum. Zwölf Bücher hat der Bochumer bislang vorgelegt. Zeit für ein »Best of«.

Von Hans-Heinrich Sellmann
Frank Goosen im Bunker Ulmenwall: Schule, Liebe, Rock’n’Roll und natürlich Fußball im Ruhrgebiet sind seine Themen.
Frank Goosen im Bunker Ulmenwall: Schule, Liebe, Rock’n’Roll und natürlich Fußball im Ruhrgebiet sind seine Themen. Foto: Thomas F. Starke

Im Bunker Ulmenwall ging es um »Mein Ich und seine Bücher«. Dabei nimmt Goosens Ich zwar unterschiedliche Perspektiven ein, erzählt von Schoten, die ihm vornehmlich auf Tournee selbst passiert sind, erinnert an die vermeintlich gute alte Zeit in seiner Heimatstadt oder erweckt ehemalige Weggefährten in skurrilen Figuren zum Zweit-Leben. In erster Linie schlüpft Goosen aber stets in die Rolle des aufmerksamen Beobachters: »Vieles fällt mir nicht ein, es fällt mir nur auf.«

Und aufgefallen ist dem inzwischen 51-Jährigen schon während seiner Schulzeit so einiges. Leidenschaftlich arbeitet er sich immer wieder am Lehrer an sich ab. »Warum verhalten die sich so, dass man sie einfach hassen muss«, fragt einer der Protagonisten in »Förster, mein Förster«, dem jüngsten Werk Goosens aus dem vergangenen Jahr.

»Der Unterricht hat gestört«

Dabei sei er durchaus gerne zur Schule gegangen, von morgens sieben bis abends um neun – Schülersprecher, Theater-AG, Schülerzeitung: »Nur der Unterricht hat halt gestört.« Und auch nach dem Studium wäre das kein Job für ihn gewesen: »Vom Insassen zum Wärter umschulen, das war nix.«

Es sind die Reisen zurück in die Pubertät, die Frank Goosens Bücher und Figuren prägen. Was vor 17 Jahren in »Liegen lernen« mit Helmut, der nicht von seiner großen Jugendliebe loskommen kann, begann, geht in diesem Sommer mit Stefan weiter – sogar auf der Kinoleinwand.

Film-Präsentation am 30. Juni im Lichtwerk

Sönke Wortmann hat »Sommerfest« verfilmt und präsentiert den Streifen am Freitag, 30. Juni, persönlich im Lichtwerk. Lucas Gregorowicz spielt den Theaterschauspieler Stefan, der aus München in seine Heimatstadt Bochum zurückkehrt und dort nicht nur auf die alten Floskelndrescher (»Wer nicht will, der hat schon«), sondern auch auf Charlie (Anna Bederke) trifft, genau die eine von damals.

Goosen lässt durchblicken, dass er zu diesen Geschichten auch gerne den Soundtrack beigesteuert hätte. An der Gitarre sei er aber über den Vier-Viertel-Takt nicht hinausgekommen, und die vielen Lieder, die er als 16-Jähriger für Claudia schrieb, die zündeten nicht wirklich.

Er braucht sich nicht zu grämen. Über Talent verfügt Frank Goosen mehr als ausreichend. Weil er ein begnadeter Vorleser ist, würden allein die mit leichter Hand verfassten Buchpassagen einen ganzen Abend tragen. Dass er gelegentlich als Kabarettist unterwegs ist, fällt auf, einstudiert wirkt trotzdem nichts. Die frei von der Leber weg erzählten Anekdoten sind so zum Brüllen komisch, dass der Bunker gut und gerne hätte ausverkauft seien dürfen.

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