Debatte um Ortsteilentwicklung in Bielefeld »Alles soll bleiben, wie es ist«

Bielefeld (WB). Mit großer Skepsis ist am Donnerstagabend in Babenhausen das Konzept zur Ortsteilentwicklung aufgenommen worden. Die häufigste Frage während des Bürger-Dialogs: »Warum kann nicht alles so bleiben, wie es ist?«

Von Hans-Heinrich Sellmann
220 interessierte Babenhauser in der Aula der Grundschule.
220 interessierte Babenhauser in der Aula der Grundschule. Foto: Bernhard Pierel

Damit traten zahlreiche der 220 Anwesenden, die sich in die Aula der Grundschule Babenhausen zur Debatte mit Politik, Verwaltung und Planern gedrängt hatten, der Dornberger Bezirksbürgermeisterin Frauke Viehmeister (SPD) entgegen. Die hatte gleich zu Beginn versucht, deutlich zu machen: »Es geht heute nicht um die Beibehaltung eines Ist-Zustandes. Wir wollen diesen Teil unseres Stadtbezirkes nach vorne bringen.« Im Zuge einer gesamtstädtischen Entwicklung »müssen auch wir Aufgaben übernehmen: Wohnraum, Freizeit, Naherholung«.

670 Hektar großes Areal

Wie berichtet, umfasst das Konzept ein 670 Hektar großes Areal, das im Norden an den Schwarzbach grenzt, im Süden an den Lohmannshof und den Campus Nord, im Westen an die Wertherstraße und im Osten an Babenhausen und Gellershagen. Es war bereits 2015 von den Dornberger Bezirkspolitikern einstimmig in Auftrag gegeben, vergangenen April dann vorgestellt worden.

Losgelöst davon ist eigentlich das Strategiekonzept zur Wissenschaftsstadt Bielefeld, aber auch hier stehen Flächen zur Campuserweiterung zwischen Uni und Großdornberg in Rede. Das Thema ist seit der von der designierten schwarz-gelben Landesregierung in Aussicht gestellten medizinischen Fakultät aktueller denn je.

Zuletzt hatte die Bürgerinitiative »Bielefeld natürlich« auch ihre Ablehnung der Verlängerung der Stadtbahn bis zur Dürerstraße in die Thematik eingebracht. Die Linie 4 kam aber gestern ausdrücklich nicht auf die Tagesordnung, weil es zumindest rein formal nicht zum Entwicklungskonzept gehört.

Notwendiger Bürger-Dialog

Dass der vom Stadtentwicklungsausschuss angeregte Bürger-Dialog notwendig war, wurde in jeder Minute der beinahe dreieinhalbstündigen Mammutveranstaltung deutlich. Obwohl ein solcher Austausch zwischen Verwaltung, Politik, Planern und Bürgern in dieser frühen Phase eines Projekts nicht üblich ist, fühlen sich viele Babenhauser übergangen, vor vollendete Tatsachen gestellt.

Dabei hatten Vertreter der Planungsbüros Cityförster und Urbanegestalt lediglich ausführlich dargestellt, wo die Stärken des Stadtteils liegen, wie Schwächen entgegnet werden und was aus Expertensicht für die Entwicklung wichtig sein könnte. Antwort: »Können Sie sich vorstellen, dass wir gar keinen Mangel empfinden?«

Siedlungen vervollständigen

Geht es nach den Planern, sollten in dem Gebiet Siedlungen vervollständigt und neue Quartiere gebildet werden, wobei die Hochschulentwicklung »die große, spannende Unbekannte« sei. Ferner müsste der Stadtteil durch ÖPNV besser mit dem Rand der City verbunden werden, sollten so genannte Mitten, wo Menschen zusammenkommen, geschaffen oder gestärkt werden. Das alles vor dem Hintergrund, den Landschaftsraum und die Bachtäler zu schützen, zu stärken und zu profilieren.

Auch nach dem besonderen Programmpunkt des Abends, einer Frage- und Antwortrunde der Teilnehmer im kleinen Expertenkreis, stellten die Planer fest: »Unsere große Aufgabe ist es jetzt, damit umzugehen, dass wir auf zufriedene Bewohner eines ziemlich schönen Ortes gestoßen sind.« Als größtes Gestaltungsprojekt definierten sie die Babenhauser Straße. Denn mit ihr ist niemand zufrieden.

Die Ergebnisse des Abends sollen nun gebündelt und dem Stadtentwicklungsausschuss berichtet werden. Der wird am Ende entscheiden.

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