Jurist wollte an beschlagnahmtes Geld aus einem Erpressungsfall Geldwäsche: Anwalt verurteilt

Bielefeld (WB). Obwohl die Haupttäter des wohl spektakulärsten Bielefelder Erpressungsfalls längst verurteilt sind, zieht der Fall mit 1,169 Millionen Euro Beute bis heute Kreise. Jetzt wurde ein Rechtsanwalt (43) wegen Geldwäsche und Beihilfe zum versuchten Betrug schuldig gesprochen.

Von Jens Heinze
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Symbolfoto Foto: dpa

Ein Schöffengericht des Amtsgerichtes verurteilte den Juristen mit Bielefelder Wurzeln bei einem Indizienprozess zu zehn Monaten Bewährungsstrafe. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der 43-Jährige Mitte Mai 2014 mit zwei fingierten Kreditverträgen versucht hatte, sich 130.000 Euro aus der Erpressungssumme zu sichern. Und das, obwohl das Geld bereits sechs Monate zuvor im Dezember 2013 von Kripoermittlern beim Haupttäter Özden C. (38) beschlagnahmt und der Staatsanwaltschaft Bielefeld übergeben worden war.

Die Geldforderung des Juristen war letztlich nicht von Erfolg gekrönt. Die in dem Erpressungsfall ermittelnde Staatsanwältin Stefanie Lange durchschaute das Spiel und gab keinen Cent heraus.

»Sehr tiefe Vertrauensbeziehung«

Der Rechtsanwalt räumte vor dem Schöffengericht ein, dass zu dem Erpresser Özden C. »eine sehr tiefe Vertrauensbeziehung« entstanden sei. Er habe seinem Freund Özden C., den er bereits zu Studienzeiten unterstützt habe, bei der Existenzgründung für eine Softwarefirma helfen wollen. Daher habe der Jurist aus seinen Ersparnissen Özden C. im Januar und September 2013 Kredite über insgesamt 130.000 Euro gewährt.

Als die Darlehn vom Rechtsanwalt ausgezahlt worden sein sollen, hatte sich Özden C. längst eine Existenz der ganz anderen Art aufgebaut. Mit zwei Komplizen nahm er einen reichen Bielefelder Versicherungsmakler aus, bis dessen Millionenvermögen aufgebraucht war. Das Trio spielte seinem Opfer in einer filmreifen Inszenierung monatelang vor, es könne den Mann vor einer Erpressung eines Konkurrenten schützen. Der Makler fiel darauf herein.

Staatsanwaltschaft legt Berufung ein

Kripoermittler deckten das Verbrechen schließlich auf und beschlagnahmten im Dezember 2013 große Bargeldsummen aus der Erpressung bei Özden C. Beim Versuch, sich einen Teil des Geldes wieder zu beschaffen, soll der später zu sieben Jahren Haft verurteilte Kriminelle mit seinem Freund, dem Rechtsanwalt, gemeinsame Sache gemacht haben. Der Jurist ging zur Staatsanwältin, legte die gefälschten Kreditverträge vor und forderte die Auszahlung von 130.000 Euro.

Die Staatsanwaltschaft, die 15 Monate Haft für den Juristen gefordert hatte, legte inzwischen Berufung gegen das erstinstanzliche Urteil zum Landgericht Bielefeld ein.

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