»Status Quo«-Gründer über Bielefeld und wie Engländer das aussprechen Rossi: »Unsere Liebe begann in Beilfield«

Bielefeld (WB). Die legendäre Rockgruppe »Status Quo« gastiert mit ihrer Unplugged-Tour »Aquostic Live« auch in Bielefeld. Der Bandgründer Francis Rossi verriet dem WESTFALEN-BLATT-Redakteur Klaus Gosmann, welche Bedeutung Bielefeld in der »Status Quo«-Historie hat.

Von Klaus Gosmann
Richie Malone, Francis Rossi und John »Rhino« Edwards (von links) beherrschen die Bühne. Hier fehlen: Leon Cave (Drums) und Andy Bown (Keyboards).
Richie Malone, Francis Rossi und John »Rhino« Edwards (von links) beherrschen die Bühne. Hier fehlen: Leon Cave (Drums) und Andy Bown (Keyboards). Foto: imago

Rick Parfitt, Ihr langjähriger musikalischer Partner in der Band, starb am 24. Dezember 2016. Was waren seine herausragenden Qualitäten?

Francis Rossi: Er hatte eine hervorragende rechte Hand, die wie eine Maschine, wie ein Metronom funktionierte. Ricks rechte Hand und sein treibender Rhythmus: Da kam niemand ran. Außerdem besaß er ein ansteckendes Lachen. Es konnte viel Spaß machen, in seiner Nähe zu sein.

Vermissen Sie ihn?

Rossi: Es wäre seltsam, wenn ich das nicht täte. Ich kannte Rick, seit ich 16 war. Die Nachricht, dass er gestorben war, war ein Schock. Wir haben nicht damit gerechnet, obwohl Rick etwas von einem wilden Mann an sich hatte, der nie auf sich acht gegeben hat. Er verkörperte dieses Rock’n’Roll-Ding. Rick hatte vorgeschlagen, entweder Freddie Sohn des »Quo«-Bassisten John »Rhino« Edwards; d. Red. oder Richie Ma­lone an seiner Stelle zu verpflichten. Es ist schon seltsam, noch mit fast 70 Jahren on the road zu sein.

Multitalent Rossi

Der Gitarrist, Sänger und Songwriter Francis Rossi (68) ist seit der Gründung 1967 Mitglied der englischen Rockgruppe »Status Quo«. Er gehörte bereits der 1962 gegründeten Vorgängerband »Scorpions« (nicht zu verwechseln mit der deutschen Rockgruppe) an. Rossi schrieb auch den ersten Hit der Band: »Pictures of Matchstick Men«, eine Psychedelic-Pop-Nummer. Anfang der 70er erfolgte der Stilwechsel zur seitdem nur geringfügig modifizierten Boogierock-Rezeptur. Zusammen mit dem 2016 im Alter von 68 Jahren verstorbenen Rick Parfitt (Gitarre, Gesang) bildete Rossi fast ein halbes Jahrhundert lang das Rückgrat der Band. Rossi ist in zweiter Ehe verheiratet und Vater von sechs Söhnen und zwei Töchtern

Auf »Aquostic I & II« präsentiert die Band Unplugged-Versionen ihrer eigenen Songs. Wie sieht die Bandbesetzung in Bielefeld aus?

Rossi: Mehrere Streicher, ein Akkordeonist, zwei Sängerinnen, ein weiterer deutscher Gitarrist, den wir seit Jahren kennen – und die Band: Richie Malone, John Edwards, Andrew Bown, Leon Cave und ich. Insgesamt sind wir zehn bis zwölf Leute auf der Bühne.

Gibt es die eine oder andere elektrifizierte Zugabe?

Rossi: Nein. Ich glaube nicht, dass es funktionieren würde, von akustisch auf elektrisch umzuschalten. Also machen wir unsere elektrischen Konzerte im Sommer und die akustischen im Winter.

Bei Ihrem Gastspiel auf dem Metal-Festival Wacken Open Air im August werden Sie sicher auch keinen Kuschelrock spielen, oder?

Rossi: Nein, aber im Vergleich zu den anderen Bands dort spielen wir Softrock. »Status Quo« können sich glücklich schätzen, dass wir sowohl bei Popshows wie auch auf Blues-, Rock- und Heavy-Metal-Festivals spielen können. Nur ein Country-Festival haben wir noch nicht gespielt.

Bielefeld spielt eine besondere Rolle in der Geschichte von »Status Quo«. Hier quartierte sich die Band Anfang der 70er ein, um von hier aus zu Konzerten in anderen Städten aufzubrechen. Warum Bielefeld?

Rossi: Ich erinnere mich, dass unser damaliger Manager sagte: »Ihr habt einen Auftritt in Beilfield.« So hat er das ausgesprochen. »Fahrt nach Beilfield!« Wir stiegen ins Auto, fuhren hin und stiegen im Central-Hotel ab. Später im Kaiserhof. In Bielefeld trafen wir Stefan Mielnik. Er hat damals viele Arbeiten für uns erledigt. Recht wichtige Arbeiten offenbar. Mielnik alias Steve Young, damals DJ im Bielefelder Jugendzentrum Niedermühlenkamp, vermittelte der Band als Booker viele Konzerte in Deutschland; d. Red. Ich habe viele schöne Erinnerungen an dort. Unsere Liebe zu Deutschland begann in Bielefeld.

Stimmt es, dass in Bielefeld die Idee entstand, fortan keinen psychedelischen Pop mehr zu machen, sondern zur Boogie-Band zu werden, als Sie dort in einer Diskothek den »Roadhouse Blues« der »Doors« hörten?

Rossi: Wir hatten schon immer eine Vorliebe für diese Shuffles – so nannten wir das damals. Wir waren in Bielefeld in einem Club, und da tanzte dieses Paar zum »Roadhouse Blues« und bewegte sich dabei wie eine Einheit. Sie sahen gut dabei aus. Eine tolle Wirkung des Shuffles. Wir fuhren heim und spielten den »Road­house Blues«. Dem Rhythmus kann man sich schwer entziehen.

Der »Quo«-Klassiker »Gerdundula« wurde nach einem Paar namens Gerd und Ulla betitelt, das Sie in Bielefeld kennenlernten. Warum?

Rossi: Sie waren wirklich nette Leute. Die beiden erinnerten mich an die Paare aus den amerikanischen 50er-Jahre-Filmen, die jeder kennt: die Darlings der Stadt.

Ist der Song mit dem deutschen Titel »Umleitung« auch damals in der Bielefelder Zeit entstanden?

Rossi: Als wir damals tourten, sahen wir sehr oft dieses Schild: Umleitung. Und wir dachten: Was für ein tolles Wort! Wir waren von allen möglichen deutschen Sachen fasziniert. Es gibt auch noch einige weitere Anspielungen auf Deutschland in unseren Songs.

Meinen Sie Zeilen wie »Riding in a three grand Deutsche car« im Text von »Paper Plane«?

»Status Quo« in Bielefeld

Am 21. November gastieren »Status Quo« in der Bielefelder Stadthalle. Karten für das Konzert der »Aquostic – it rocks!«-Tour gibt es beim WESTFALEN-BLATT.

Rossi: Das war ein Mercedes Pullman, den wir gekauft haben. Wir liebten das Auto. Ich kann mir nicht helfen – ich liebe immer noch alle Sachen aus Deutschland. Ich bin mir nicht sicher, ob die Engländer zustimmen würden, aber Engländer und Deutsche sind gar nicht so verschieden, auch wegen des Hauses Hannover und der königlichen Familie. Einige meiner besten Zeiten habe ich in Deutschland verbracht. Unser Keyboarder Andrew und ich gehen viel in Deutschland einkaufen, wir mögen das deutsche Essen und die Weihnachtsmärkte.

 Was halten Sie vom Brexit?

Rossi: Ein Fehler. Er scheint die gesamte Bevölkerung Englands zu polarisieren. Jetzt wollen die Leute wieder isoliert sein. Ich hingegen bin der Meinung, dass es sehr gut war, dass wir alle zusammen waren. Sicher keine perfekte Situation, aber wie in jeder Ehe gibt es auch in einer Gemeinschaft Probleme. Immerhin kann man sie zusammen besprechen. Wir werden aufgefordert, patriotisch zu sein, aber von da führt eine dünne Linie zum Nationalismus, und der ist gefährlich.

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