Projekt der Uni Bielefeld Forscher arbeiten an einer selbstlernenden Roboterhand

Bielefeld (WB). Dr. Robert Haschke fordert den Roboter, genauer: die Roboter-Hände, auf, den roten Apfel zu greifen und ihn in einen Korb zu legen. Anschließend soll die Hand aus mehreren Gegenständen die Teepackung aussuchen und Haschke reichen. Nicht immer folgt der Computer aufs Wort, tut aber letztendlich, was von ihm verlangt wird.

Von Burgit Hörttrich

Bereits in absehbarer Zeit, da ist sich Professor Dr. Helge Ritter sicher, könnten auch feingliedrige, Roboterhände mit fünf Fingern (mindestens) in der Industrie eingesetzt werden. »Das wäre heute noch zu teuer.«

Der Neuroinformatiker leitet das Projekt »Famula« zusammen mit Sportwissenschaftler Professor Dr. Thomas Schack und Robotiker Privatdozent Dr. Sven Wachsmuth. Im Citec der Universität stellen die Wissenschaftler Ritter, Wachsmuth und Privatdozent Dr. Dirk Koester (Fakultät für Psychologie und Sportwissenschaft) die Roboterhände zum ersten Mal öffentlich vor.

Sie sind menschlichen Händen in Form und Beweglichkeit nachempfunden. Tastsensoren simulieren die feinfühligen menschlichen Fingerkuppen, auch der Handteller sei sensibel, so Ritter, »aber noch verbesserungswürdig«.

»Famula« ist eines von vier Großprojekten des Citec der Universität Bielefeld. Das Wissen aus dem Projekt könnte dazu beitragen, dass künftige Service-Roboter sich selbst in neue Haushalte einarbeiten. Das System lerne durch Probieren und eigenes Erkunden, so Ritter: »So, wie Babys buchstäblich die Welt be-greifen.«

Gearbeitet werde, so Wachsmuth, interdisziplinär. Untersucht werde etwa, wie Versuchspersonen das Greifen wahrnehmen. Überraschend gewesen sei es, dass Gewicht keine Rolle spiele, sondern Menschen sich beim Greifen vor allem auf Form und Größe verlassen. Infrarotkameras haben die Handbewegungen von Probanden aufgezeichnet, die mehr als 100 Objekte begriffen haben. aufgezeichnet. Die Forscher lernen daraus, welche Strategien Menschen benutzen, aber auch, welche Fehler sie etwa beim blinden Ertasten machen. Menschen, so Dirk Koester würden intuitiv zugreifen, auf Knöpfe drücken, ohne darüber nachzudenken. Ritter betont, der Tastsinn sei sehr viel schlechter erforscht als das Sehen.

Menschen würden auch non-verbal kommunizieren, Roboter brauchen (noch) klare Ansagen. Die Roboterhände im Labor seien aber bereits in der Lage, Gesten deuten zu können.

Die Roboter sollen selbstständig dazu lernen können. Ziel sei es zudem, das einmal Gelernte zu generalisieren, damit das »Wissen« auch auf andere Roboter übertragen werden könne.

Der Projektname »Famula« ist eine Abkürzung und steht zu Deutsch etwa für »Intensives Vertrautmachen und Lernen bei kooperativen Handbewegungen und Sprache: von der Untersuchung zur Umsetzung.« Das Projekt läuft seit 2014 und ist bis Oktober 2017 befristet. Acht Forschungsgruppen arbeiten an »Famula«. Die weiteren Citec-Großprojekte beschäftigen sich mit Laufroboter Hector, der virtuellen Trainingsumgebung ICSpace und dem Roboter-Service-Apartment.

Robert Haschke bittet die Roboter-Hände darum, ihm die Chips-Rolle zu geben. Die Hände zögern zunächst, greifen daneben, lassen die Papprolle fallen. Sie sind aber bereit, es noch einmal zu versuchen. Und noch einmal. Und noch einmal. Bis sie es wirklich verinnerlich, eben begriffen, haben.

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