Computer lahmgelegt und Geld verlangt – Kripo Bielefeld nimmt Informatiker fest Unternehmen erpresst

Bielefeld (WB). Zu seinen Opfern sollen die Paketdienste DHL, DPD, Hermes sowie zahlreiche Online-Händler und Softwarefirmen gehören: Das Bielefelder Kommissariat für Computerkriminalität hat einen Informatiker aus Voerde am Niederrhein festgenommen. Maik B. (24) soll seit ­April Rechner großer Unternehmen lahmgelegt und in einigen Fällen Lösegeld verlangt haben.

Von Christian Althoff
Der mutmaßliche Täter verabschiedete sich bei Twitter.
Der mutmaßliche Täter verabschiedete sich bei Twitter.

Im Netz trat er unter dem Pseudonym »ZZb00t« auf. Nach Überzeugung der Polizei kaperte er ungezählte Computer von Unbeteiligten und ließ die Rechner Anfragen an die Webseiten der betroffenen Unternehmen schicken. Unter der Masse der Zugriffe brachen die Server zusammen. Bei einem Paketdienst sollen die Daten für Gefahrgutpakete nicht mehr verfügbar gewesen sein, die deshalb nicht transportiert werden konnten. Auch normale Pakete waren betroffen. Bundesweit beschwerten sich Händler, die keine Ware mehr bekamen.

Opfer aus Bielefeld

Zu den Opfern gehörten ein Bielefelder Erotik-Versand ebenso wie das Unternehmen Dreamrobot aus Bielefeld, das Warenwirtschaftssysteme für Onlineshops anbietet.

Geschäftsführer Peter Möller: »Nach einem Angriff 2016 haben wir uns so gut geschützt, dass diesmal nur unser Internet-Auftritt betroffen war, aber alles andere funktionierte und Kunden nicht betroffen waren. Wir haben eine Lösegeldforderung bekommen, aber nicht gezahlt.«

Für das Stoppen der Angriffe soll Maik B. Lösegeld in der virtuellen Währung Bitcoins gefordert haben. Die Summen sollen bis zu 1,5 Bitcoins betragen haben, das wären gut 3000 Euro. Ermittler halten es für möglich, dass der Erpresser niedrige Beträge wählte, um die Zahlungsbereitschaft zu erhöhen. Mehrere Unternehmen zahlten.

Fehler beim Umtausch

Zum Verhängnis wurde Maik B. möglicherweise ein Fehler beim Umtausch der virtuellen Währung in echtes Geld. Die Polizei kam ihm auf die Spur und schickte am 23. Mai ein SEK nach Voerde, um den Verdächtigen mit einem Überraschungszugriff festzunehmen: So sollte er nicht die Zeit haben, Daten zu löschen oder zu verschlüsseln. Gegen Maik B. wurde ein Haftbefehl erlassen, der aber gegen Auflagen außer Vollzug gesetzt wurde.

E-Commerce-Blogger Mark Steier (www.wortfilter.de) geht davon aus, dass Maik B. ein großes Geltungsbedürfnis hat. »Als ich über seine Angriffe geschrieben hatte, nahm er Kontakt auf und erzählte von seinen Taten.«

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