Die »Fehlfarben« gastieren im Bielefelder Ringlokschuppen »Fehlfarben«-Sänger: »Mit NDW nichts am Hut«

Bielefeld (WB). Nach ihrem Erfolg mit einem Düsseldorfer Konzert im Dezember 2016 haben sich die Musiker der Band »Fehlfarben« entschlossen, ihr Album »Monarchie und Alltag« auf einer Tournee komplett zu spielen. An diesem Donnerstag um 20 Uhr gastieren sie im Bielefelder »Ringlokschuppen«. André de Vos sprach mit dem »Fehlfarben«-Sänger Peter Hein.

Peter Hein, Sänger der »Fehlfarben«, rätselt über den Erfolg von »Monarchie und Alltag«.
Peter Hein, Sänger der »Fehlfarben«, rätselt über den Erfolg von »Monarchie und Alltag«. Foto: imago

»Monarchie und Alltag« kam 1980 heraus, ist aber mit Songs wie »Grauschleier« eher als Statement zu den Siebzigern zu verstehen.

Peter Hein: Genau. Wir kamen ja aus den Siebzigern. Das, was wir damals gemacht haben, war noch Siebziger-Jahre-Leben. (lacht)

Warum werden Sie trotzdem immer mit den 80ern und der Neuen Deutschen Welle in Verbindung gebracht?

Hein: Ich habe immer darauf bestanden, dass wir nichts mit NDW am Hut haben. Das war eine ganz andere Welt. Die Jahre 77 bis 79 waren die entscheidenden, sie hatten überhaupt nichts mit den 80ern zu tun. Aber das hat keiner glauben wollen.

Inwiefern ist »Monarchie und Alltag« ein Zufallsprodukt und inwieweit ein Destillat Ihrer Phantasie oder der realen Verhältnisse?

Hein: Es ist wie immer eine Mischung aus beidem. Wir haben das absichtlich gemacht, weil wir ein Album schaffen wollten, das sich von den damaligen 08/15-Stücken unterschied.

Wie kamen Songs wie »Paul ist tot« zustande? Ist das nach einem Autounfall von Bandmitgliedern passiert?

Hein: Nein, das hat mit Unfällen nichts zu tun. Niemand war tot. »Paul« war auch mehr als einer. So wie alle, die nach Hamburg und Berlin verschwanden, »tot« waren, weil sie weg waren.

Woher kam der England-Bezug in Titeln wie »All That Heaven Allows« und das kryptische »Gottseidank nicht in England«?

Hein: Das ist überhaupt nicht kryptisch, denn wir sind damals – Gott sei Dank – nicht in England gewesen. Im Gegensatz zu Bekannten von uns und all jenen Kollegen, die nach England gingen, aber nur »weltberühmt in Yorkshire« wurden. (lacht)

»Gottseidank nicht in England« ist ein zeitloses Statement, auch wenn andere Lieder auf der Platte mehr gefeiert werden . . .

Hein: Das finde ich auch! Das Stück ist nicht so zäh wie »Paul ist tot«, nicht so stumpf wie »Es geht voran«, und es war trotzdem vom Sound her knackig. Diese Nummer habe ich weit bis in die 90er gespielt. Ich glaube, nachdem wir uns wiedervereinigt haben – auch mit »Family 5« – war sie die einzige »Fehlfarben«-Nummer, die wir immer gespielt haben.

Wie erklären Sie sich den Erfolg des gesamten Albums?

Hein: Ich weiß bis heute nicht, was wir mit der Platte hervorgebracht haben. Wir hatten einerseits Vorbilder, die wir nicht erreichten. Andererseits waren Rezeption und Produktion purer Zufall: Wir konnten nicht so spielen, wie wir es wollten, weil die Tontechniker uns nicht verstanden. Und die Leute, die das Material hörten, haben die Platte falsch verstanden oder sich ganz andere Sachen dabei gedacht. (lacht)

Weshalb dann der Erfolg?

Hein: Keine Ahnung. Es hat ja auch zwei, drei Jahre gedauert, bis die Platte irgendwie die so genannte breite Öffentlichkeit erreichte. Offenbar haben da Zufälle eine Rolle gespielt, wie es sie heute gar nicht mehr gibt. Das Ergebnis war trotzdem relativ bescheiden.

Das Album ist doch ein Meilenstein der deutschsprachigen Musikgeschichte.

Hein: Ja, die Reaktion war gewaltig, aber kommerziell nicht der große Durchbruch. Im Gegensatz zu anderen Alben, die an einem Wochenende entstanden, hat es 20 Jahre gebraucht, bis es 200.000 Mal verkauft war.

Aber das Album hat was zu sagen. Ist das nicht das Beste, was man als Künstler haben kann?

Hein: Ja, gut, nehmen wir das mal dankend entgegen. Wir haben unsere Statements abgeliefert. Das machen wir auf unseren aktuellen Platten immer noch. Und das ist gut so.

Die Band »Fehlfarben« wurde 1979 gegründet. 1980 erschien das legendäre Debütalbum Monarchie und Alltag. Bekanntester Hit darauf: »Ein Jahr (Es geht voran«. Karten für das »Fehfarben«-Konzert gibt es hier.

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