Jürgen Domian berichtet in Bielefeld aus mehr als 20 Jahren Telefon-Talk-Sendung Der Zuhörer

Bielefeld (WB). Mehr als zwei Dekaden lang ist er die Stimme der Nacht gewesen: Auf »Eins Live« und im WDR-Fernsehen moderierte Jürgen Domian sein eigenes Telefon-Talk-Format. Von seinen Erlebnissen dabei hat er am Freitag im Ringlokschuppen erzählt.

Von Mike-Dennis Müller
Hat sich gut an seinen neuen Tagesablauf gewöhnt: Jürgen Domian war am Freitag im Ringlokschuppen zu Gast.
Hat sich gut an seinen neuen Tagesablauf gewöhnt: Jürgen Domian war am Freitag im Ringlokschuppen zu Gast. Foto: Mike-Dennis Müller

Das Ende seines beliebten Formates im vergangenen Dezember war für viele eine Überraschung. Und auch seinem Körper tat sie wohl zunächst nicht gut. »Ich war danach länngere Zeit im Krankenhaus«, erzählt er den 1000 Gästen im großen Saal. »Doch mittlerweile habe ich mich gut davon erholt.«

Gemeinsam mit Moderator Mike Litt lässt der mittlerweile 59-Jährige die schrägsten und auch die bewegendsten Momente der Sendung noch einmal Revue passieren.

Fetische und Beziehungen zu Pflanzen

Das Thema Sexualität sei vor allem zu Beginn der Sendung damals noch umstritten und polarisierend gewesen. »So etwas hatte es damals im öffentlich-rechtlichen Rundfunk noch nicht in dieser Art gegeben«, sagte Domian. Viele Menschen mit seltsamen Fetischen und ungewöhnlichen Lieben riefen in der Sendung an: Mal pflegten sie Beziehungen zu Pflanzen, mal zu Gegenständen. Ging es um häusliche Gewalt oder erzwungene Beziehungen fand der Journalist aber stets die nötigen, klaren Worte. Wurde in Extremfällen auch die Polizei benachrichtigt, wollte eine Zuschauerin im RInglokschuppen wissen. »Nur, wenn es um eine konkret bevorstehene Straftat ging. «

Schwer gefallen, auf Sendung zu gehen, sei es ihm nie, antwortet Domian. Einfach mal keine Lust haben, mit den Menschen zu reden? Das habe es nicht gegeben. »Aber natürlich gab es auch mal Tage, an denen ich gedanklich woanders war und einfach nur meinen Job gemacht habe. Nach dem Tod meines Vaters oder mit Liebeskummer.«

Sympathisch und ehrlich

Jürgen Domian wirkt auch auf der Bühne sympathisch und ehrlich. Nach all den Jahren des Zuhörern gibt er nun seit einer Weile auf der Bühne auch viel von sich selbst preis. Er erzählt davon, dass er mit Jahren zu einem »fundamentalen Christen« geworden sei, sogar Flyer vor seiner heimischen Kirche verteilt habe. Erst kurz vor dem Beginn eines Theologie-Studium sei dann der Umbruch gekommen. Die Beschäftigung mit einigen Philosophen machte ihn zunächst zum Atheisten, heute hege er große Sympathie für den Zen-Buddhismus.

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