Bielefelder Amt kritisiert Falschparker und Fehlverhalten Wirbel um Elternhaltestellen

Bielefeld (WB). Elternhaltestellen sollen den Schulweg in Bielefeld sicherer machen. Doch oft ist das Gegenteil der Fall: Falschparker und gestresste Eltern sorgen für zusätzliches Chaos und erhöhen die Unfallgefahr. Dagegen geht das städtische Amt für Verkehr in die Offensive. Unterstützung gibt es vom Autofahrerclub ADAC.

Von Jens Heinze
Fred Schelp vom Amt für Verkehr begutachtet die letzten Arbeiten an der neuesten Elternhaltestelle in Bielefeld. Sie wird am Montag auf dem Parkplatz Apfelstraße/Ecke Sudbrackstraße für die Erst- bis Viertklässler der Sudbrackschule eröffnet
Fred Schelp vom Amt für Verkehr begutachtet die letzten Arbeiten an der neuesten Elternhaltestelle in Bielefeld. Sie wird am Montag auf dem Parkplatz Apfelstraße/Ecke Sudbrackstraße für die Erst- bis Viertklässler der Sudbrackschule eröffnet Foto: Thomas F. Starke

Mütter und Väter kennen die Situation: Morgens ist Eile angesagt. Auf dem Weg zur Arbeit sind mit dem »Elterntaxi« auf die Schnelle noch Tochter oder Sohn an der Schule abzusetzen. Viele steuern unter Zeitdruck direkt vor die Tür, wo wegen der an- und abfahrenden Autos anderer Eltern die Hektik am größten ist. Nicht nur die Fahrbahn, oft auch Rad- oder Fußweg sind von im Tiefflug ankommenden »Elterntaxis« zugeparkt.

Parallel dazu steigt die Unfallgefahr. 23 Kinder und Jugendliche sind 2016 auf dem Schulweg Unfallopfer geworden, sagt Polizeisprecher Michael Kötter. Es habe vier Schwer- und 19 Leichtverletzte gegeben. »Bei Vor-Ort-Analysen an Grundschulen in NRW wurde festgestellt, dass der Hol- und Bringverkehr der Eltern die Sicherheit der Schulkinder gefährdet. Verkehrsverstöße unmittelbar vor den Grundschulen waren eher die Regel als die Ausnahme«, zitiert der Bielefelder ADAC-Sprecher Ralf Collatz aus einer Studie des Autofahrerclubs. Die Untersuchung kommt zu einem eindeutigen Ergebnis: Je weniger »Elterntaxis« direkt vor der Schultür, desto sicherer ist es für die Schüler.

Falschparker und Fehlverhalten

Daher gibt es Elternhaltestellen. Nicht direkt vor dem Klassenzimmer, sondern um die 250 Meter entfernt am Straßenrand sollen Mütter und Väter auf eigens ausgewiesenen Parkplätzen ihren Nachwuchs sicher aus dem Auto auf den Gehweg lassen. Den restlichen Schulweg legen die Kinder und Jugendlichen zu Fuß zurück.

So weit die Theorie. Die Praxis, sagt Umweltpädagoge Fred Schelp, zuständig im städtischen Amt für Verkehr für die Bielefelder Elternhaltestellen, sehe leider anders aus. Schelp spricht von Falschparkern und gleichzeitigem Fehlverhalten der Eltern.

Nach maximal drei Minuten muss Platz geräumt werden

Damit die Elternhaltestellen von den »Elterntaxis« angesteuert werden können, sind für die Parkflächen eingeschränkte Halteverbote ausgewiesen. Das heißt: Nach maximal drei Minuten ist der Platz wieder zu räumen. Trotzdem stehen vor Schulbeginn immer wieder Dauerparker auf den Elternhaltestellen, hat Schelp festgestellt. Das habe zur Folge, dass die »Elterntaxis« auf der Fahrbahn mitten im Verkehr halten müssen.

»Dann geht eine Autotür auf und das Kind wird auch noch zur Straßenseite statt zur Gehwegseite aus dem Fahrzeug gelassen«, beobachtet der Umweltpädagoge immer wieder elterliches Fehlverhalten. Deshalb richtet Schelp einen eindringlichen Appell an sämtliche Beteiligte, vor den Bielefelder Schulen für so wenig Stress wie möglich zu sorgen: »Schilder alleine machen keine Elternhaltestelle aus. Es braucht eine Akzeptanz von allen Seiten.«

NRW-weit spitze

Bielefelds erste Elternhaltestelle ist im März 2015 an der Straße Wickenkamp für die Bültmannshofschule eingerichtet worden. »Mit Erfolg. Der Unfallschwerpunkt an dieser Schule ist mittlerweile entschärft«, sagt Fred Schelp vom Amt für Verkehr. Allein an der Bültmannshof-Grundschule gibt es zurzeit drei Elternhaltestellen. Drei weitere sollen neu ausgewiesen werden.

Aktuell gibt es in der Stadt 29 Elternhaltestellen. Tendenz: steigend. »Bis zu den Sommerferien werden wir 40 Elternhaltestellen für 22 Schulen haben«, sagt Schelp. Der Umweltpädagoge hat für die WESTFALEN-BLATT-Leser in die Statistik geschaut: Nirgendwo in NRW gibt es mehr Elternhaltestellen als in Bielefeld.

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