Verschärftes Sicherheitskonzept und dennoch »familiärer Charakter« Carnival als Marke für Bielefeld

Bielefeld (WB). Für den inzwischen 21. Carnival der Kulturen mit gut 2000 Akteuren in 65 Gruppen haben die Baustellen samt Vollsperrungen im Bielefelder Westen sogar ihr Gutes: Denn zum ersten Mal seit 18 Jahren könne die Carnival-Parade wieder über den Siegfriedplatz ziehen, freut sich Frieda Wieczorek, Vorsitzende des veranstaltenden Shademakers Carnival Clubs.

Von Burgit Hörttrich
Vorfreude auf den Carnival der Kulturen am 17. Juni: die Murga-Gruppe »Los Cometas« mit (von links) Stephan Nolze, Kyana Hanneke, Christoph Kaleschke, Frederic Langer, Michael Seibt, Frieda Wieczorek und Michael Lesemann.
Vorfreude auf den Carnival der Kulturen am 17. Juni: die Murga-Gruppe »Los Cometas« mit (von links) Stephan Nolze, Kyana Hanneke, Christoph Kaleschke, Frederic Langer, Michael Seibt, Frieda Wieczorek und Michael Lesemann. Foto: Thomas F. Starke

Am Samstag, 17. Juni, erwarten Shademakers und das Welthaus, zuständig für das Programm im Ravensberger Park am selben Nachmittag und Abend, bei gutem Wetter wieder bis zu 120.000 Zuschauer. Trotz erneut verschärfter Sicherheitsvorschriften: Sie alle würden die Parade gut direkt vom Straßenrand aus sehen können, verspricht jedenfalls Frieda Wieczorek. Nicht möglich: spontan mit Gruppen mitzulaufen. Dann werde eingeschritten.

Weiträumige Straßensperren

In enger Kooperation mit Behörden und Sicherheitsorganen habe man das Konzept abgesprochen mit dem Ziel, so Michael Lesemann vom Welthaus, »den friedlichen und familiären Charakter des Carnival nicht zu beeinflussen«. Trotzdem werde es weiträumiger Straßensperren als bislang geben, mehr Sicherheitskräfte, aber auch Verkehrskadetten würden aufgeboten, um einen reibungslosen Ablauf möglich zu machen.

Auf dem Siegfriedplatz und an Plätzen entlang der Paraderoute spielen und tanzen unterschiedliche Gruppen wie Murga Los Cometas oder »Sturmnacht«. Die Veranstalter freuen sich, dass so viele Murga-Gruppen dabei sein werden: aus Antwerpen, Bielefeld, Genua.

Im Ravensberger Park sei das Programm zuletzt vernachlässigt worden, räumt Lesemann ein. Weil er jetzt aber die Unterstützung von Kyana Hanneke und Stephan Nolze habe, gebe es nicht nur ein spannendes Bühnenprogramm unter anderem mit »Checkpoint Guanaban« und Oakleaf Stelzenkunst, sondern auch Gastro-Stände mit Speisen aus 15 Ländern von Jamaika bis Griechenland.

Mehr langfristige Unterstützung gewünscht

Das Eintrittsgeld für den Park sei ein wichtiges Standbein zur Finanzierung des Carnival, so Lesemann: »Rund 35.000 Euro hoffen wir aus dem Kartenverkauf und aus Spenden einnehmen zu können – etwa ein Drittel der Gesamtkosten.« Weitere 15 Prozent der Gesamtkosten übernimmt das Kulturamt, das Gros ist durch Sponsorengelder gedeckt.

Dabei gehen die Veranstalter noch von einer gewissen Verlässlichkeit aus. So sagt Michael Seibt (Freie Scholle) »Unterstützung auch in den nächsten Jahren« zu, weil der Carnival ein Zeichen für Vielfalt und eine »Marke für Bielefeld« sei.

Auch die Sparkassen-Stiftung, die ihre Förderung einschränken will, bleibt, so Sprecher Christoph Kaleschke, »sicher bis 2019 bei der Stange«. Die Stiftung können nicht mehr so viel Geld ausschütten – Folge der Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank. Dabei betont Kaleschke auch: »Der Carnival ist etwas, um das Bielefeld andere Städte beneiden.« Lesemann wünscht sich mehr langfristige Unterstützung – etwa durch Mitgliedschaft im Förderkreis (Jahresbeitrag 25 Euro, für Unternehmen 200 Euro).

Er sagt aber auch: »Es helfen aber auch spontane Spenden wie Ein Euro für den Carnival.« Dadurch seien im vergangenen Jahr immerhin 10 000 Euro zusammen gekommen. Gesucht: Spendensammler, die am 17. Juni mit der Dose in der Hand die Zuschauer am Straßenrand um den Euro bitten (Kontakt: info@carnival-bielefeld.de).

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.