Staatsanwaltschaft: kein hinreichender Tatverdacht – fünf Jesiden wurden verletzt Massenschlägerei: Verfahren eingestellt

Bielefeld (WB). Eine Massenschlägerei zwischen 30 tschetschenischen Muslimen und irakischen Jesiden vor der Flüchtlingsunterkunft Oldentruper Hof löste im Mai 2016 bundesweites Medieninteresse aus. Fünf Jesiden wurden damals verletzt. Jetzt hat die Staatsanwaltschaft das Ermittlungsverfahren »mangels hinreichendem Tatverdacht« eingestellt.

Von Stefan Biestmann
Die Massenschlägerei ereignete sich im Mai 2016 auf der Potsdamer Straße – und löste einen Großeinsatz aus.
Die Massenschlägerei ereignete sich im Mai 2016 auf der Potsdamer Straße – und löste einen Großeinsatz aus. Foto: Peter Bollig

Das sagte gestern Christoph Mackel, Sprecher der Staatsanwaltschaft, auf WESTFALEN-BLATT-Anfrage. »Die Täter konnten nicht ermittelt werden«, berichtete er. Es habe an verwertbaren Zeugenaussagen gefehlt. Die Aussagen seien zudem sehr widersprüchlich gewesen. Dies liege auch daran, dass es sich bei dem Fall um zwei rivalisierende Gruppen handelte. »Das war problematisch.« Zwar waren zwei Tschetschenen zwischenzeitlich festgenommen worden. Sie hatten aber ein Alibi und wurden später wieder freigelassen.

Auslöser für die Schlägerei war aus Sicht der Polizei ein gemeinsames Fußballspiel am Pfingstmontag 2016. Nach einer Regelwidrigkeit kam es dort offenbar zunächst zu Beleidigungen und dann zu einer ersten Schlägerei, bei der zwei Tschetschenen verletzt wurden. Fünf Tage später ereignete sich dann die Massenschlägerei auf der Potsdamer Straße – in unmittelbarer Nähe der Flüchtlingsunterkunft.

Angriff mit Springmesser und Holzknüppeln

Fünf aus dem Irak stammende Jesiden waren auf dem Weg zu einem Supermarkt gewesen, als aus einem Auto zwei Männer ausstiegen. Einer von beiden schlug ohne Vorwarnung auf zwei Jesiden ein. Einer der Männer wurde im Gesicht verletzt, der zweite erlitt einen Nasenbeinbruch. Als später fünf weitere Jesiden dazustießen, bewaffneten sich die Täter mit Holzknüppeln, einer zerbrochenen Glasflasche und einem Springmesser.

Sie griffen die Jesiden erneut an. Eines der Opfer erlitt durch einen Schlag ein Schädel-Hirn-Trauma, ein weiterer Mann wurde mit einem Messer am Arm verletzt. Die Täter flüchteten schließlich mit dem Auto.

Jesiden wollten Flüchtlingsunterkunft stürmen

Etwa 80 Jesiden versuchten nach der Schlägerei, die Flüchtlingsunterkunft Oldentruper Hof zu stürmen, weil sie zwei der Täter im Gebäude vermuteten. Die Polizei sperrte die Einrichtung ab und nahm einen Jesiden in Gewahrsam, der Stöcke als Schlagwerkzeuge verteilen wollte.

Die Jesiden und die tschetschenischen Familien wurden später auf andere Unterkünfte verteilt. Sogar der Innenausschuss des NRW-Landtags befasste sich später mit der Schlägerei.

Kommentare

Peinlich

Die Unfähigkeit unseres sogenannten Rechtsstaats zeigt sich mal wieder auf ganzer Linie.
Aber ist letztlich auch egal, unsere lächerlichen Richter hätten die sowieso nur zu drei Tagen "Stubenarrest" verdonnert.
Hier kann offensichtlich jeder machen, was er will - armes Deutschland ...

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