Landgericht verurteilt 28-jährigen Bewohner zu Haftstrafe Rehoboth-Brandstifter muss in die Psychiatrie

Bielefeld (WB/peb). Weil er 2014 in Selbstmordabsicht sein Kopfkissen angezündet und damit sein Zimmer in der Bethel-Einrichtung Haus Rehoboth in Brand gesetzt hatte, hat das Landgericht Bielefeld einen 28-jährigen Bewohner zu einem Jahr und vier Monate Haft verurteilt. Zudem ordnete die 2. Strafkammer die Unterbringung des Mannes in einem psychiatrischen Krankenhaus an.

Am 26. August 2014 mussten Kräfte der Feuerwehr zum Brand im Haus Rehoboth ausrücken. Durch das Feuer entstand ein Schaden in Höhe von etwa 80 000 Euro.
Am 26. August 2014 mussten Kräfte der Feuerwehr zum Brand im Haus Rehoboth ausrücken. Durch das Feuer entstand ein Schaden in Höhe von etwa 80 000 Euro. Foto: Kölling

Vorsitzender Carsten Wahlmann betonte: »Dies ist ein Fall, der es uns nicht leicht macht.« Der Angeklagte Dimitris H. leidet nach einem Motorradunfall 2006 an einem organischen Psychosyndrom, das zu einer verringerten Selbstkontrolle führt. »Es gehört nicht viel dazu, dass seine Stimmung kippt«, erklärte Sachverständiger Dr. Gerhard Dankwarth. »Das ist nicht seine Schuld«, das sei durch den Unfall hirnorganisch begründet.

Problematisch, so das Gericht, ist das Zusammenspiel mit einer depressiven Stimmung, die offenbar auch medikamentös nicht in den Griff zu bekommen ist. Durch diese Mischung, so die Prognose, kann es immer wieder dazu kommen, dass der 28-Jährige versuchen wird, sich selbst etwas anzutun. Stand am ersten Prozesstag noch die Frage im Raum, ob es H. mit seinen häufigen Anspielungen auf eine Selbsttötung ernst meinte , war sich die Kammer im Urteil sicher: »Er meint es ernst.«

Eine Gefahr auch für andere

Nachdem der Beschuldigte die Brandstiftung, die laut Urteil im Zustand verminderter Schuldfähigkeit erfolgte, von Beginn an einräumte, drehte sich das Verfahren im Kern um die Frage, ob der 28-Jährige in einem psychia­trischen Krankenhaus untergebracht werden muss. Dafür bedarf es der Gefahr einer erneuten Tat ebenso wie einer Gefährdung anderer. Die Wiederholungsgefahr sah das Gericht als gegeben, zumal H. etliche Monate nach der Brandstiftung versucht hatte, sich anzuzünden.

Die Eigenschädigung sei aus juristischer Sicht grundsätzlich nicht relevant, sagte der Vorsitzende. Aber bei dem Angeklagten drehe sich die Selbstschädigung immer ums Feuer. Das Gericht folgte damit der Einschätzung von Staatsanwalt Veit Walter, dass der Angeklagte somit durch Brandstiftung immer auch andere in Gefahr bringen würde und stimmte der Unterbringung in der Psychiatrie zu.

Gericht lehnt Bewährung ab

Verteidiger Alexander Strato plädierte, die Unterbringung zur Bewährung auszusetzen: Es seien noch nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft, andere Medikamente gegen die Depressionen auszutesten. Außerdem gebe es auch im Haus Rehoboth mehr Möglichkeiten, den 28-Jährigen vom Zündeln abzuhalten. Dem folgte das Gericht nicht: Eine lückenlose Kontrolle sei dort nicht möglich.

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