Mordprozess Bielefeld-Senne: Unternehmer Georgios S. soll seine Frau erschossen haben Mutter erzählt von symbolträchtigem Todesdatum

Bielefeld (WB). Am 15. September 2016 wurde die zweifache Mutter Tanja S. (41) aus Bielefeld erschossen, als sie morgens zur Arbeit fahren wollte. Hat der Mörder dieses Datum mit Bedacht gewählt?

Von Christian Althoff
Renate G., die Mutter des Mordopfers, beschrieb die Ehe ihrer Tochter am Montag als »schwierig«. »Tanja musste so funktionieren, wie mein Schwiegersohn das wollte.« Sie habe sich aber nicht eingemischt, und ihre Tochter habe wenig über die Ehe erzählt.
Renate G., die Mutter des Mordopfers, beschrieb die Ehe ihrer Tochter am Montag als »schwierig«. »Tanja musste so funktionieren, wie mein Schwiegersohn das wollte.« Sie habe sich aber nicht eingemischt, und ihre Tochter habe wenig über die Ehe erzählt. Foto: Thomas F. Starke

Mordopfer Tanja S. Foto: Christian Althoff

Wegen Mordes steht seit Anfang des Monats der zuletzt getrennt lebende Ehemann Georgios S. (53) vor dem Landgericht Bielefeld. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Unternehmer aus Bad Oeynhausen vor, seine Frau mit zwei Schrotschüssen in die Brust ermordet zu haben, weil sie sich von ihm abgewendet hatte.

Am Montag, am zweiten Verhandlungstag, hörte das Gericht Renate G. (73), die Mutter des Mordopfers. Sie sagte: »Meine Tochter und Georgios haben sich auf einer Messe in Bad Salzuflen kennengelernt – an einem 15. September. Später hat er ihr an der Sparrenburg einen Heiratsantrag gemacht – auch an einem 15. September. Und dann wurde sie am 15. September erschossen.«

Ein Loch in der Seitenscheibe

Georgios und Tanja S. lebten mit ihren heute elf und zwölf Jahre alten Söhnen und Renate G. in einem großen Haus in Bielefeld-Senne. »Ich wohne unten, meine Tochter und ihre Familie wohnten oben«, sagte die Zeugin.

Der 15. September 2016 sei ein Donnerstag gewesen. »Da mache ich immer den Haushalt und den Garten.« Sie sei mit der Wäsche beschäftigt gewesen, als ihre Tochter gegen 7.50 Uhr »Tschüss!« gerufen habe und aus dem Haus gegangen sei. »Die Kinder waren schon zur Schule, und Tanjas neuer Lebensgefährte war zur Arbeit.«

Kurz darauf habe sie zwei Schüsse gehört. »Ich bin rausgelaufen. Tanjas Volvo stand in einer Staubwolke, und da war ein Loch in der Seitenscheibe. Ich habe Tanja angefasst und geweint. Dann bin ich zurückgelaufen und habe die Polizei gerufen.« Für die 73-Jährige stand sofort fest, dass ihr Schwiegersohn geschossen haben muss. »Ich hatte ja schon länger Angst um Tanja.«

Mit dem Hubschrauber zur Trauung

Die Mutter sagte, 2009 habe Georgios ihre Tochter geschlagen und deshalb von der Polizei ein vorläufiges Hausverbot bekommen. »Ein paar Wochen später sah ich, wie Tanja nachts mit dem Wagen auf den Hof rollte. Plötzlich war Georgios da. Ich habe ihm zugerufen, ich würde die Polizei rufen, aber er sagte, wenn ich das täte, bekäme ich meine Tochter als Gulasch zurück.«

Er soll ihre Tochter im Streit bei unterschiedlichen Gelegenheiten mit einer Pistole bedroht, ihr Wein ins Gesicht geschüttet und sie angespuckt haben, sagte die Zeugin.

Trotz solcher Szenen habe ihre Tochter in die Hochzeit eingewilligt. Renate G.: »Ich war dagegen, aber ich habe mich herausgehalten.« Zur standesamtlichen Trauung sei Georgios S. mit einem Hubschrauber gekommen, zur kirchlichen Trauung in Bad Driburg auf einem Pferd – in einer cremefarbenen Pilotenuniform.

»Manchmal nett, manchmal unberechenbar«

»Das Materielle stand bei ihm immer im Vordergrund. Er hatte einen Maserati und ein Flugzeug und kaufte den Kindern teure Sachen, aber Liebe bekamen die Kinder nicht.« Ihr Schwiegersohn sei »manchmal nett, manchmal unberechenbar« gewesen. »Als wir einmal zusammen Urlaub in seinem griechischen Heimatdorf machten und er sich mit Tanja um eine Cola stritt, warf er uns alle aus seinem Haus und verbot den übrigen Dorfbewohnern, uns zu helfen.«

Eine Familie habe dann doch Mitleid gehabt und sie bei sich übernachten lassen. »Danach mussten wir nach Hause fliegen.«

Georgios S. hörte die Aussage ohne sichtliche Regung. Er bestreitet die Tat, wird aber durch mehrere Indizien belastet. Ein Biologe des Landeskriminalamts sagte am Montag, die DNA des Angeklagten sei an einer Schrotpatrone, einer Sturmhaube und einem Gewehrfutteral der griechischen Marke »Zark Hellas« gefunden worden. Alle Gegenstände lagen am Tatort.

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