Seit Mai suchen Polizisten und Angehörige den Malermeister
Wo ist Oliver K.?

Bielefeld  (WB). »Ich fühle mich ohnmächtig. Ich kann auch nicht trauern«, sagt Ellen K. (53) aus Bielefeld.  Ihr Mann ist seit Mai verschwunden. »Und wir haben keine Idee, warum«, sagt Hauptkommissarin Petra Kipp.

Donnerstag, 20.10.2016, 17:23 Uhr
Symbolbild. Foto: Jörn Hannemann

+++ Update: 9. Juli 2019 +++ Der Leichnam von Oliver K wurde gefunden. »Die Ermittlungen des zuständigen Kriminalkommissariates 11 ergaben Hinweise auf die mögliche Identität des Verstorbenen. Diese bestätigten sich im Rahmen der Obduktion des Leichnams, Hinweise auf Fremdverschulden haben sich nicht ergeben«, hieß es in einer Mitteilung der Polizei. 

Sie seien das, was man wohl gemeinhin eine normale Familie nenne, sagt die 53-Jährige. Sie arbeitet als Ankleiderin am Stadttheater Bielefeld, und ihr Mann Oliver (53), ein Malermeister, führte bis zu seinem Verschwinden seinen Ein-Mann-Betrieb. »Abends besuchte er ab und zu Volkshochschulkurse. Er spricht englisch, spanisch, italienisch und französisch«, sagt seine Frau. Im nächsten Jahr haben die beiden Silberhochzeit.

Am 9. Mai, einem Montag, bestellte Oliver K. abends im Internet Karten für ein Konzert der Folk-Band »Edward Sharpe and the Magnetic Zeros« in Köln, das er mit einem der beiden Söhne besuchen wollte. »Mit unserem anderen Sohn wollte er im Sommer zur Tour de France«, sagt seine Frau. Die Familie sah sich noch eine Aufzeichnung des »Tatorts« vom Sonntagabend an und ging zu Bett. An diesem Tag hatte Oliver K. begonnen, die Wohnung einer Bielefelder Rentnerin zu streichen, und sich mit den Worten »Bis morgen!« von ihr verabschiedet.

Wagen geparkt und nie wieder gesehen

Am nächsten Tag, es war der 10. Mai, verließ der Malermeister gegen 7.30 Uhr das Haus und fuhr zu der betagten Kundin. Er parkte seinen Wagen an der Jöllenbecker Straße ein paar Häuser von der Adresse der Frau entfernt – und wurde nie wieder gesehen.

Sein Handy, das im Auto zurückblieb, sein PC, sein Ipad – nichts enthielt auch nur einen vagen Hinweis auf die Gründe seines Verschwindens. Petra Kipp: »Es gibt keine Abhebungen von seinem Girokonto, und er besitzt auch kein anderes Konto, das er vor der Familie geheimgehalten hätte.«

Die Polizei suchte Grünanlagen und Abwasserkanäle ab, sie setzte einen Mantrailer-Hund ein – alles vergeblich. Die Suchmeldungen damals in den Zeitungen brachten ein knappes Dutzend Hinweise, aber nichts Konkretes. »Stattdessen musste ich mir anhören, Oliver sei bestimmt in der Midlife-Krise und habe eine andere Frau«, sagt Ellen K.

Was war der Auslöser?

Natürlich hat sie sich den Kopf darüber zerbrochen, was passiert sein könnte. Und es gibt da eine Begebenheit, die Jahrzehnte zurückliegt. »Damals brach Oliver sein Geschichts- und Anglistikstudium ab, aber er traute sich nicht, es seiner Familie zu erzählen. Er fuhr zwölf Stunden ziellos mit einem Zug, bevor er sich wieder fing.«

Wenn es im Mai ebenso gewesen sein sollte – was könnte der Auslöser gewesen sein? Ellen K. hat nur eine vage Idee: »Es war eine körperlich schwere Arbeit, die mein Mann jeden Tag ohne jede Hilfe machte. Vielleicht hat er das nicht mehr ertragen.«

Um wirklich nichts auszuschließen, ließ Petra Kipp das Foto des Vermissten in allen deutschen Obdachlosenunterkünften herumzeigen. »Herr K. könnte ja aus irgendeinem Grund einen Gedächtnisverlust erlitten haben und durch Deutschland irren.« Aber niemand erkannte den Mann auf dem Bild. »Wir haben jetzt keine Ermittlungsansätze mehr. Wir sind am Ende«, sagt die Kriminalbeamtin.

Hätte Oliver K. seinen Wagen auf einem Waldparkplatz abgestellt – die Polizei hätte wohl einen Suizid angenommen. Doch der Wagen stand an einer der meistbefahrenen Straßen der Stadt.

Ellen K.: »So lange die Polizei meinen Mann nicht tot findet, lebt er für uns.«

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