840 Anwohner mussten ihre Wohnungen verlassen – mit Videos: Kurz vor 21 Uhr: Die Fliegerbombe in Schildesche ist entschärft

Bielefeld (WB). Es ist geschafft: Kurz vor 21 Uhr ist in Schildesche ein Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg entschärft worden. An der Straße »Am Balgenstück« 27d war am  Donnerstagnachmittag bei Bauarbeiten eine 125 Kilo schwere Fliegerbombe entdeckt worden. 840 Menschen mussten ihre Wohnungen und Häuser daraufhin verlassen.

Von Stefan Biestmann und Lars Rohrandt
Das ist die Bombe, die für Aufregung sorgte. Kampfmittelexperte Karl-Heinz Clemens von der Bezirksregierung Arnsberg entschärfte den Blindgänger.
Das ist die Bombe, die für Aufregung sorgte. Kampfmittelexperte Karl-Heinz Clemens von der Bezirksregierung Arnsberg entschärfte den Blindgänger. Foto: Christina Falke

Die Straße »Am Balgenstück« liegt in der Nähe des Schildescher Viadukts, der im Zweiten Weltkrieg das Ziel zahlreicher alliierter Luftangriffe war. Foto: Google Maps/Screenshot

Die Entschärfung sollte zunächst um 20 Uhr, dann um 20.15 Uhr durch den Kampfmittelbeseitigungsdienst der Bezirksregierung Arnsberg beginnen. Sie verzögerte sich aber, da kurz Unklarheit über den Aufenthaltsort einer Frau herrschte. Los ging es dann gegen 20.30 Uhr. Kurz vor 21 Uhr war die Entschärfung geschafft. Die Evakuierung wurde aufgehoben, die Menschen kehrten in ihre Wohnungen und Häuser zurück.

Die Bombe war amerikanischer Bauart mit einem Heckzünder aus dem Zweiten Weltkrieg. Die Seite mit dem Zünder lag nach unten.

Die Fundstelle, eine Fläche für eine Kindergartenerweiterung, war gesichert und abgesperrt worden – in einem Radius von 200 Metern. Es handelt sich um ein reines Wohngebiet. Anders als im vergangenen Jahr (siehe unten) waren keine Seniorenheime betroffen.

Die Polizei hat die Straßen abgesperrt. Foto: Stefan Biestmann

»Mit Evakuierungsmaßnahmen für die etwa 840 Anwohner beginnen Feuerwehr und Polizei um 18 Uhr«, hatte die Stadt Bielefeld am späten Nachmittag mitgeteilt.  Die Feuerwehr begann gegen 18.40 Uhr mit entsprechenden Lautsprecherdurchsagen. Gegen 19.45 Uhr hatte ein Großteil der Menschen die Häuser verlassen. Die Feuerwehr unternahm dann noch einen Kontrollgang. Ein Bewohner weigerte sich zunächst, sein Haus zu verlassen.

Es ist auch eine zweite sogenannte »Verdachtsstelle« entdeckt worden, die in den nächsten Tagen untersucht werde. Es sei daher nicht auszuschließen, dass es eine zweite Bombe auf dem Gelände gebe.

Die Fotostrecke zur Evakuierung und Entschärfung: 

Während der Evakuierung stand eine Unterkunftsmöglichkeit in der Martin-Niemöller-Gesamtschule zur Verfügung. Für den Transport wurden auch Busse von Mobiel eingesetzt.

In der Schule hatten sich die Bewohner registrieren lassen. Dort erhielten sie ein warmes Essen. Viele hatten erst durch die Lautsprecherdurchsagen der Feuerwehr von der Evakuierung erfahren. Die Schildescher reagierten gelassen, da viele derartige Situationen schon kennen.

Nach der Entschärfung – Interview mit dem Experten:

Vor der Evakuierung – Interview mit Bernd Heißenberg:

Betroffene Straßen

Folgende Straßen waren von den Maßnahmen betroffen:

– Am Alten Kirchweg (Haus-Nr. 13-24 c)

– Am Balgenstück (ungerade Haus-Nr. 9-35 f und gerade Haus-Nr. 12-30)

– Am Pfarracker (Haus-Nr. 13-33 b)

– An der Kreuzflur (Haus-Nr. 9-20)

– Liethstück (5-11a und ab Haus-Nr. 20 aufsteigend)

– Meyer-zu-Eissen-Weg (Haus-Nr. 1-1g, 7d und 9d)

Die Fundstelle, Am Balgenstück 27d, wird für die Entschärfung und Beseitigung in einem Radius von 200 Meter abgesperrt. Foto: Stadt Bielefeld/Grafik

19. Juni 2015: Entwarnung: Kampfmittelexperte Karl-Heinz Clemens zeigt die entschärfte Fünf-Zentner-Fliegerbombe. Foto: Hans-Werner Büscher/Archiv

Erst am 19. Juni 2015 mussten 1800 Schildescher ihre Wohnungen verlassen. Die Bombenfundstelle lag »Am Pfarracker«. 340 Häuser waren betroffen. Es war eine der größten Evakuierungen in Bielefeld nach 1945. Die Evakuierung hatte im vergangengen Jahr gegen 17 Uhr begonnen, um 21.15 wurde das Gebiet nach erfolgreicher Entschärfung wieder freigegeben.

13. Juni 2013: Karl-Heinz Clemens (rechts) und Ralf Kuhlpeter haben in Schildesche eine Bombe entschärft. Foto: Hans-Werner Büscher/Archiv

Im Juni 2013 mussten 1100 Menschen in Schildesche vor der Entschärfung einer Fünf-Zentner-Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg ihre Wohnungen rund um den Fundort Am Pfarracker/Ecke Liethstück verlassen.

Die Evakuierung hatte um 18 Uhr begonnen. Der Kampfmittelbeseitigungsdienst aus Arnsberg gab um kurz vor 22 Uhr Entwarnung.

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