Sarah Kuttner erzählt 230 Zuhörern von Verwechslungen, Reizblasen und ihrem neuen Buch »Man sollte sich viel mehr ausdenken«

Bielefeld (WB). Sarah Kuttner war zu Gast im Theaterhaus Tor 6. Das Lesen aus ihrem aktuellen Buch »360 Grad Meer« trat dabei aber fast in den Hintergrund.

Von Mike-Dennis Müller
Bevor die Lesung beginnt, schießt Sarah Kuttner mit ihrem iPhone erst mal ein schönes Panoramafoto. Später postet sie dieses auf ihrer Facebook-Seite.
Bevor die Lesung beginnt, schießt Sarah Kuttner mit ihrem iPhone erst mal ein schönes Panoramafoto. Später postet sie dieses auf ihrer Facebook-Seite. Foto: Mike-Dennis Müller

Die 37-Jährige ist eine sympathische Quasselstrippe und das kam bei den 230 Zuschauern mindestens genauso gut an wie im Rest des Landes. Die Essenz ihres neuen Werkes fasste sie selbst in wenige Stichworte zusammen. Die Station in Bielefeld sei bereits die 22. ihrer Lesetour. »Das Buch könnte ich auch vorlesen, ohne es in der Hand zu halten«, sagte sie. »Aber mit wirkt es so, als hätte ich wahnsinnig Spaß dabei.«

Merklich Spaß hatte Kuttner vor allem dabei zu erzählen – etwa davon, dass sie ständig mit Charlotte Roche verwechselt würde. »Die ganzen Witze darüber mache ich jetzt einfach selbst.«

Immer wieder kündigte sie an, nun endlich mit der eigentlichen Lesung zu beginnen, doch schaffte sie es einfach nicht. Zu viel hatte Kuttner zu erzählen. Nicht verschweigen könne sie ihrem Publikum, dass sie eine Reizblase habe. Außerdem wolle sie Bielefeld verschonen mit einem neuen Spitznamen. Zu sehr sei die Stadt doch schon geplagt vom nie endenden Mythos, Bielefeld gebe es gar nicht. Schade eigentlich, taufte sie jüngst doch Osnabrück »Osni« und Berlin die »Stadt der Liebe«. »Man sollte sich viel mehr ausdenken«, konstatierte sie fröhlich, gar nicht lehrerhaft. »Dabei komme ich mir vor wie eine strenge Lehrerin in einem Hörsaal hier mit den hohen Sitzenreihen.«

Tatsächlich ist »360 Grad Meer« Kuttners bisher ernstestes Buch, betonte sie auch selbst. Doch so richtig passte die Stimmung im Theaterhaus nicht dazu. Zu vergnügt war die Lesung mit der Berlinerin. Als sie irgendwann tatsächlich mit dem ersten Kapitel begann, fragte einer ihrer Zuschauer tatsächlich, wie das Buch denn überhaupt heiße. Gespielt schockiert stand sie dann einfach auf und lief für ein paar Sekunden von der Bühne. Lange hielt sie es nicht außerhalb des Rampenlichtes aus, kehrte zurück auf ihren Platz und sagte, das Buch heiße »180 Grad Meer«. »Aber wie cool das gewesen wäre, wenn ich jetzt wirklich einfach weggegangen wäre«, stellte sie noch fest. »Alle denken, ich mache nur Spaß und dann wäre ich wirklich weg gewesen.«

War sie aber nicht - zum Glück für ihre 230 Zuhörer. Die durften trotz allem auch weiterhin Fragen stellen und verbrachten noch einige amüsante Minuten mit der Autorin, die nicht »Feuchtgebiete« geschrieben hat.

Kommentare

Der Abend war in der Tat sehr unterhaltsam und kurzweilig. Auch sehr gut vom Autor dieses Artikels, dass er die Sache mit dem Ausdenken beim Buchtitel direkt aufgegriffen hat.

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