Brandstifter erhält weitere sechs Monate Haft – Mann zündete 2014 Korane an Nazi-Symbole in der Zelle

Bielefeld  (WB). Im Jahr 2014 steckte er in zwei Bielefelder Moscheen Korane an und wurde zu eineinhalb Jahren Haft verurteilt. Ein rechtsradikaler Hintergrund konnte bei dem 34-jährigen Täter damals nicht festgestellt werden. Nun wurden aber in der Haftzelle des Mannes in der Justizvollzugsanstalt Bielefeld Nazi-Symbole gefunden. Quittung: noch ein halbes Jahr Haft.

Von Uwe Koch
Im August 2014 hatte der 34-jährige Manuel L. unter anderem in dieser Moschee an der Detmolder Straße Korane angesteckt. Ein rechtsradikaler Hintergrund wurde damals ausgeschlossen. Nun fanden sich in der Zelle des Mannes Nazi-Symbole. Archiv-
Im August 2014 hatte der 34-jährige Manuel L. unter anderem in dieser Moschee an der Detmolder Straße Korane angesteckt. Ein rechtsradikaler Hintergrund wurde damals ausgeschlossen. Nun fanden sich in der Zelle des Mannes Nazi-Symbole. Archiv- Foto: Hans-Werner Büscher

Im August 2014 wurden in zwei Bielefelder Moscheen an der Detmolder Straße und an der Herforder Straße Koran-Schriften in Brand gesetzt. Die Feuer konnten jeweils gelöscht werden. Wochen später wurde der Einzelhandelskaufmann Manuel L. dabei erwischt, wie er in einer Tankstelle Zigaretten stehlen wollte.

Da seine DNA-Spuren an diesem Tatort mit denen in den Moscheen übereinstimmten, wurde der 34-Jährige auch für die Sachbeschädigungen in den Gotteshäusern angeklagt.

Manuel L. bestritt, rechtsradikal zu sein

Richterin Ingrid Kohls verurteilte ihn damals zu eineinhalb Jahren Haft. Die »religiösen Gefühle« der Menschen seien verletzt worden. Weil L. seinerzeit vehement bestritt, rechtsradikal zu sein, fiel das Urteil nicht noch schärfer aus. Die Taten wurden als »allgemeine Kriminalität« eingestuft.

Am Mittwoch saß Manuel L. wieder auf der Anklagebank, wieder führt Ingrid Kohls den Prozess. Wieder bestritt er, rechtsradikales Gedankengut zu haben. Allerdings: Im September 2015 waren bei einer Zellendurchsuchung im offenen Vollzug der Justizvollzugsanstalt Senne diverse Nazi-Schmierereien gefunden worden; darunter waren SS-Runen, Totenköpfe, die Nazi-Symbolzahl »88« oder auch Hitler-Zeichnungen.

Anstaltspersonal nicht früher aufgefallen

Warum die Nazi-Zeichen dem Anstaltspersonal nicht früher aufgefallen waren, ist ungeklärt. Der Mann saß schon seit Mai 2015 dort in Haft. Manuel L. teilte die Zelle damals mit drei anderen Häftlingen.

Diesen Inhaftierten und auch den Justizwachtmeistern seien die Pamphlete zugänglich gewesen, wetterte Amtsrichterin Ingrid Kohls: »So etwas hat in unserer Gesellschaft nichts zu suchen. Man verwendet die Symbole, um die Nazi-Botschaft weiter zu tragen. Und das wollen wir nicht.« Trotz Nachfragen blieb Manuel L., dabei, er verherrliche die Nazis nicht. Die Amtsrichterin machte nun keinen Hehl aus ihrer Ansicht, dass sie ihm »nicht glaube«.

Entgegen dem Strafantrag des Staatsanwalts, der lediglich eine Geldstrafe von 600 Euro (60 Tagessätze) forderte, brummte In­grid Kohls dem Bielefelder eine weitere Haftstrafe von sechs Monaten auf.Sollte das Urteil rechtskräftig werden, wird der Mann, der immerhin acht Vorstrafen hat, damit bis Sommer 2017 inhaftiert bleiben – allerdings nicht im offenen, sondern nur noch im geschlossenen Vollzug.

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