Unternehmen stellt Immobilie pachtfrei zur Verfügung – nächste Woche bezugsfertig Notquartier für 500 Flüchtlinge in Böllhoffs Werkshallen

Bielefeld (WB). Die Firma Böllhoff überlässt der Stadt Bielefeld pachtfrei ein 30.000 Quadratmeter großes Areal samt Gebäuden. Dort sollen schon ab kommender Woche bis zu 500 Flüchtlinge ein Notquartier beziehen können.

Von Michael Schläger
Noch sind in der Böllhoff-Werkshalle die Fahrzeuge der Handwerker geparkt. Schon in der kommenden Woche sollen dort bis zu 500 Flüchtlinge untergebracht werden. Das Unternehmen hat der Stadt das Areal an der Duisburger Straße pachtfrei überlassen.
Noch sind in der Böllhoff-Werkshalle die Fahrzeuge der Handwerker geparkt. Schon in der kommenden Woche sollen dort bis zu 500 Flüchtlinge untergebracht werden. Das Unternehmen hat der Stadt das Areal an der Duisburger Straße pachtfrei überlassen. Foto: Hans-Werner Büscher

»Da müssen wir etwas machen«, hatte Regina Böllhoff, die Seniorin der Familie, ihren Söhnen Wilhelm  und Michael angesichts der aktuellen Bilder von den Flüchtlingsströmen mit auf den Weg gegeben. Die Lösung: Das zurzeit nicht benötigte Areal an der Duisburger Straße, auf dem einmal ein Hochregallager entstehen könnte, wurde der Stadt als Notunterkunft angeboten.

Gestern unterzeichneten Oberbürgermeister Pit Clausen (SPD), Regina Böllhoff sowie Ingo Schlotterbeck, Geschäftsführer des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) einen Nutzungsüberlassungs- und einen Betreuungsvertrag. Bis Ende 2018 kann die Stadt nun die Gebäude als Notquartier für Flüchtlinge nutzen.

»Dies ist ein Zeichen großer Hilfsbereitschaft«

»Dies ist ein Zeichen großer Hilfsbereitschaft«, würdigte OB Clausen das Engagement der Familie Böllhoff. Nun könnten die Sporthallen an den Carl-Severing-Berufskollegs und an der Volkeningschule bis zu den Herbstferien wieder ihrer eigentlichen  Bestimmung übergeben werden. Auch in der Nacht zu Dienstag mussten wieder 1624 Flüchtlinge in Bielefeld untergebracht werden. Es gab 390 Neuzugänge. In den Sporthallen an den Berufskollegs mussten 346 Menschen übernachten, in der Volkeningschule  245.

Diese Funktion sollen künftig die Industriehallen übernehmen. Insgesamt werden in Bielefeld auf Kosten des Landes dann 1450 Plätze für die Erstaufnahme für Flüchtlinge zur Verfügung stehen. 450 in der entsprechenden Einrichtung am Südring, 500 im Oldentruper Hof und weitere 500 an der Duisburger Straße. Dort erinnert bisher wenig daran, dass schon in wenigen Tagen Flüchtlinge einziehen können. Aber die Arbeiten laufen auf Hochtouren.

Derzeit werden je 40 Duschen und Toiletten installiert. Die Böden der 1800 Quadratmeter großen Hallen werden ausgelegt. Um ein  wenig Privatsphäre zu schaffen, werden Abtrennungen errichtet. Die bestehen aus mit nicht brennbaren Molton bespannten Bauzäunen. Jeweils 20 bis 25 Menschen sollen in einem »Abteil« übernachten. Ganz wichtig sind Steckdosen zum Aufladen von Handys, die einzige Möglichkeit für die Flüchtlinge, mit daheim Kontakt aufzunehmen.

Kantine mit 196 Plätzen

Eingerichtet werden soll eine Kantine mit 196 Plätzen, in der  in Schichten gegessen wird. »Wir bemühen uns, auch eine Ecke zum Malen für Kinder zu schaffen«, sagt Ingo Schlotterbeck. Ein eigenes Spielzimmer werde es nicht geben. »Die Menschen sind schließlich nur ein, zwei Nächte hier.« 40 bis 50 hauptamtliche Kräfte kümmern sich um die Flüchtlinge. Jeder Neuankömmling wird kurz untersucht. Auch eine feste Arztsprechstunde  soll eingerichtet werden.

Ein Problem war die Heizung. Die Anlage ist auf 17 bis 19 Grad ausgerichtet, die Temperatur, die in Industriehallen eingehalten werden muss. Mit zusätzlichen Heizungen  soll die Temperatur auf die in Wohnräumen üblichen 22 Grad hochgefahren werden können.
Zusätzliche Entlastung verspricht sich die Stadt davon, eine weitere, 3300 Quadratmeter große Halle auf dem Gelände nutzen zu können. Dort muss noch ein Mieter ausziehen. Im Oktober kann auch sie als Notquartier hergerichtet werden. Außerdem benötigt die Stadt Lagerkapazitäten für Bürgerspenden an die Flüchtlinge. Die Halle auf dem GAB-Gelände an der Meisenstraße, die bisher dafür genutzt wird, hat ein undichtes Dach.

Eine Bürgerinformation zur neuen Flüchtlingsunterkunft ist für Montag, 14. September, ab 18 Uhr in der Aula des Brackweder Gymnasiums geplant.

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