Fußballprofi starb vor acht Monaten bei Unfall auf der A2 – Anklage wegen fahrlässiger Tötung gegen den Autofahrer Fall Malanda: Prozess erst 2016

Bielefeld/Minden/Porta Westfalica (WB). Fast auf den Tag genau vor acht Monaten ist der Fußballprofi des VfL Wolfsburg, Junior Malanda (20), bei einem Verkehrsunfall auf der Autobahn 2 bei Porta Westfalica getötet worden. Die juristische Aufarbeitung des Falls wird sich wohl noch bis zum nächsten Frühjahr hinziehen.

Von Jenz Heinze
Junior Malanda (20) kam bei dem Unfall auf der A2 am 10. Januar 2015 ums Leben.
Junior Malanda (20) kam bei dem Unfall auf der A2 am 10. Januar 2015 ums Leben. Foto: Foto: Feuerwehr Porta Westfalica/Horst

Grund ist ein weiteres Gutachten zu den Todesumständen des aus Belgien stammenden Erstligaspielers, das vom zuständigen Amtsgericht Minden in Auftrag gegeben worden ist.

Tragische Umstände

Zudem wurde jetzt bekannt, dass Junior Malanda unter besonders tragischen Umständen aus dem Auto geschleudert wurde. Der Belgier kongolesischer Abstammung löste kurz vor dem Unfall seinen Sicherheitsgurt, um sich im Fußraum aus einer Tasche ein Handyladekabel zu greifen, hieß es von der Staatsanwaltschaft Bielefeld. Christoph Mackel, Sprecher der Staatsanwaltschaft, bestätigte am Montag erstmals offiziell, dass seine Behörde Anklage wegen fahrlässiger Tötung gegen den belgischen Autofahrer (20) erhoben hat, der Junior Malanda am Unfalltag in dessen VW Touareg chauffierte. Weil der Autofahrer mit 20 Jahren in Deutschland juristisch noch als Heranwachsender gilt, soll ihm nach dem Willen der Anklagebehörde vor einem Jugendschöffengericht in Minden der Prozess gemacht werden.

Junior Malanda. Foto: dpa

Die Staatsanwaltschaft Bielefeld geht beim Unfall vom 10. Januar gegen 15.25 Uhr von folgendem Geschehen aus: Junior Malanda war im Auto mit zwei befreundeten belgischen Nachwuchs-Fußballspielern auf dem Rückweg aus dem Winterurlaub. Es sollte nach Wolfsburg gehen, um mit dem VfL ins Trainingslager nach Südafrika zu fliegen.

Gutachter: mit Tempo 120 unterwegs

Auf der A2 bei Porta Westfalica verlor der 20-jährige Autofahrer Anthony A. in Fahrtrichtung Hannover bei Starkregen und Sturmböen die Kontrolle über den mit drei Personen besetzten VW Touareg. Der schwere SUV geriet auf der Strecke, wo bei Nässe wegen drohendem Aquaplaning Tempo 80 vorgeschrieben ist, ins Schleudern. Das Fahrzeug war laut einem Gutachter zur Unfallzeit etwa 120 Kilometer in der Stunde schnell und driftete von der linken Überholspur über alle Fahrbahnen nach rechts vor die Leitplanke.

Das Auto flog darüber, überschlug sich auf der Böschung und landete vor einem Baum. Junior Malanda, der auf der Rückbank seinen Sicherheitsgurt gelöst haben soll, wurde aus dem VW geschleudert und starb. Der Fahrer und der zweite Beifahrer (beide 20 Jahre alt) erlitten bei dem Unfall schwere Verletzungen.

Ob es in Minden überhaupt zu einem Prozess wegen fahrlässiger Tötung kommen wird, das ist derzeit völlig offen. Wie ein Gerichtssprecher bestätigte, ist bei Experten in Münster ein so genanntes Vermeidbarkeits-Gutachten zum Unfall in Auftrag gegeben worden. Technische und medizinische Sachverständige sollen bis zum Spätherbst klären, ob Junior Ma­landa überlebt hätte, wenn er angeschnallt gewesen wäre.

»Grob vereinfacht gesagt geht es um die Schuld des Autofahrers und die Mitschuld des Opfers. Das ist für das Strafmaß erheblich«, sagte am Montag der Sprecher des Amtsgerichtes Minden.

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