Gekündigter Automechaniker zieht vor Gericht – Detektiv filmte in private Räume hinein Vom Arbeitgeber überwacht

Bielefeld (WB). Wenn er daran denkt, dass ein Detektiv um sein Haus herumgeschlichen ist, heimlich in die Räume gefilmt und die Videobilder seinem Chef gezeigt hat, dann wird Roland Galeziok ganz ­anders zumute. Er fordert Schmerzensgeld von seinem – mittlerweile ehemaligen –  Arbeitgeber.

Von Christina Ritzau
Dass sein ehemaliger Arbeitgeber ihn ausspionieren ließ, wollen Roland Galeziok (41) und seine Frau Jennifer (35) nicht einfach so hinnehmen. Sie fordern Schmerzensgeld – wegen der psychischen Folgen durch die Überwachung.
Dass sein ehemaliger Arbeitgeber ihn ausspionieren ließ, wollen Roland Galeziok (41) und seine Frau Jennifer (35) nicht einfach so hinnehmen. Sie fordern Schmerzensgeld – wegen der psychischen Folgen durch die Überwachung. Foto: Christina Ritzau

Unter Angstzuständen und Verfolgungswahn habe er  gelitten, nachdem er von der Überwachung erfahren habe, erzählt der 41-jährige Bielefelder. Der Gedanke, dass die Privatsphäre seiner Familie verletzt wurde macht ihm zu schaffen. Dazu kommen der Ärger und die Enttäuschung darüber, dass sein Arbeitgeber die Aufnahmen verwendet habe, um seine Kündigung zu begründen. 

Ein Sprung zurück: Seit 1991 arbeitete Galeziok, mit Unterbrechung,  bei einem Autohaus mit Hauptsitz in Bielefeld – erst als Lehrling, später als angestellter Automechaniker. 2008 hätten die Reibereien mit seinem Chef begonnen. Nicht gezahlte Sonderleistungen, Versetzungen nach Gütersloh und Detmold.  »Da sollte ich einen Karosseriemeister ersetzen, aber das hat überhaupt nichts zu tun mit meinem Job«, sagt der Automechaniker. 2011 kamen gesundheitliche Probleme hinzu. Erst mit der Hand – ausgerechnet mit der rechten –, dann wurde Hautkrebs diagnostiziert. Deshalb hat er  ei­nen Schwerbehindertenausweis.

Während seines Einsatzes in den beiden Außenstellen nahm Galeziok zweimal Elternzeit. Erst ein Jahr, dann zwei Jahre. Heute sind die Kinder vier und sechs, Roland Galeziok könnte also wieder arbeiten. Allerdings nicht in seinem alten Job. Durch einen unerkannten Bänderriss im Handgelenk  leidet er seit vier Jahren unter starken Schmerzen und Bewegungseinschränkungen. Vier Operationen haben daran nichts verbessert.  Diagnose: berufsunfähig. Das hätten sein eigener Arzt, der Arbeitsamtsarzt und der Medizinische Dienst ihm Ende 2013 bescheinigt. Die Hand wurde letztlich im Februar 2014 versteift.

»Sie können hier höchstens Toiletten putzen«

Leichte bis mittelschwere körperliche Tätigkeiten dürfte er ausüben – offenbar sah man in dem Autohaus aber keine Möglichkeit. »›Sie können hier höchstens Toiletten putzen oder den Hof fegen‹, hat mein Chef mir gesagt«, erinnert Galeziok sich bedrückt. So sei er also gezwungen gewesen, vorerst zu Hause zu bleiben.

Das Zuhause war zu dem Zeitpunkt allerdings noch gar nicht fertig. Anfang 2014 stand der Umzug in das neue Haus an, das Roland Galeziok und seine Frau Jennifer (35)  im Bielefelder Süden gekauft hatten. Natürlich gab es dort noch etwas zu tun. Die Galezioks sprechen von »geringfügigen Renovierungsarbeiten«, die teilweise von Handwerkern erledigt worden seien.  »Meine Frau und unsere Freunde haben mit angepackt, ich war nur der Handlanger, habe die anderen mit Brötchen und Getränken versorgt«, erinnert er sich.

Bei seinem Arbeitgeber kam das wohl ganz anders an. Das Haus sei zu dem Zeitpunkt noch »eine Baustelle« gewesen, beschreibt er auf Grundlage der Videobilder. »Wir arbeiten, und der Kollege renoviert sein Haus, während er arbeitsunfähig geschrieben ist«, beschwerte sich ein Verantwortlicher des Autohauses beim Gütetermin vor dem Bielefelder Arbeitsgericht. Man fühle  sich betrogen. Roland Galeziok wurde zu Ende November 2014 gekündigt. 2000 Euro Abfindung gab es – nach fast 18 Jahren der Zusammenarbeit.

Landschaftsverband Westfalen-Lippe stimmte Kündigung zu

Das Okay vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe LWL (der muss bei der Kündigung von Schwerbehinderten zustimmen) hatte der Arbeitgeber sich geholt – und dafür wohl den Inhalt des heimlich gedrehten Überwachungsvideos verwendet. Die filmische Beobachtung in Auftrag gegeben zu haben, bestritt das Autohaus vor dem Arbeitsgericht allerdings.

»Dass heimlich Videoaufzeichnungen angefertigt worden sind, steht soweit fest«, sagte Richter Christian Vierrath. »Die Verwendung der Aufnahmen durch den Arbeitgeber stellt eine Einschränkung des Persönlichkeitsrechtes dar«, erklärte er. Galeziok, der seit Januar in einem Herforder Betrieb eine Umschulung zum Automobilkaufmann macht, fordert deshalb Schmerzensgeld – für sich und seine Frau. Über das Ob und die Höhe muss das Gericht entscheiden. Da eine gütliche Einigung beider Parteien gescheitert ist, gibt es einen Kammertermin – allerdings erst Anfang des nächsten Jahres. Die Wartezeit nehmen Galeziok und seine Frau in Kauf: »Wir wollen, dass das aufgeklärt wird.«

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