Stadt sucht händeringend nach Alternativen – Gespräche über Gewerbeimmobilien Sporthallen bleiben bis zu den Herbstferien Notquartier

Bielefeld (WB). Die Stadt führt zurzeit Gespräche mit den Eigentümern von drei Gewerbeimmobilien. Die Hallen sollen als Ersatz für die als  Notquartiere für Flüchtlinge genutzten Sporthallen des Carl-Severing-Berufskollegs und derVolkeningschule dienen.

Von Burgit Hörttrich
Die Sporthallen an den Carl-Severing-Berufskollegs (Foto) und an der Volkeningschule werden noch mindestens bis zu den Herbstferien als Notunterkünfte für Flüchtlinge dringend benötigt. Die Stadt sucht eine Gewerbeimmobilie als Ersatz.
Die Sporthallen an den Carl-Severing-Berufskollegs (Foto) und an der Volkeningschule werden noch mindestens bis zu den Herbstferien als Notunterkünfte für Flüchtlinge dringend benötigt. Die Stadt sucht eine Gewerbeimmobilie als Ersatz. Foto: Hans-Werner Büscher

Selbst wenn die Verhandlungen  zu einem schnellen Vertragsabschluss führen sollten, macht Dezernentin Anja Ritschel wenig Hoffnung auf eine schnelle Lösung.  Ziel sei es, die drei Sporthallen  mit Beginn der Herbstferien (5. Oktober) zu leeren, zu reinigen und wieder Schul- und Vereinssport zur Verfügung zu stellen.

Anja Ritschel als oberste Krisenmanagerin der Stadt  sagt, dass sich die Suche nach einer geeigneten Halle hinziehe, die mindestens 500 Flüchtlingen  Platz bieten solle. Zudem müsste  in einer solchen Halle Brandschutz, Sanitäranlagen und Heizung nachgerüstet werden. Ob sich die Lage dann wirklich entspannt, müsse sich zeigen, denn in den Monaten September und Oktober sei der Flüchtlingsstrom am stärksten, betont Torsten Böhling, Leiter der  ZAB (Zentrale Ausländerbehörde). Möglicherweise benötige man die Sporthallen noch länger als bis zu den Herbstferien. Er verspricht sich Entlastung  durch die Ankündigung des Landes, die Registrierung der Flüchtlinge schneller abwickeln zu wollen.  Zurzeit würden 100 Bereitschaftspolizisten geschult,  die als mobile Teams  in den Notunterkünften bei der  Registrierung eingesetzt werden sollen.

150 bis 160 Registrierungen pro Tag

So sollen auch Rückstände aufgearbeitet werden, damit Flüchtlinge schneller Gemeinden zugewiesen werden können.  Effekte verspricht er sich aber »frühestens in drei Wochen«. Die ZAB schaffe pro Tag in Bielefeld 150 bis 160 Registrierungen, in Oerlinghausen und Bad Salzuflen  jeweils 60 bis 70 pro Tag. Ziel sei es, auf jeweils 100 pro Tag zu kommen. Es gebe aber Notquartiere in OWL, in denen es gar keine Registrierung gebe. Die Menschen müssten dann tage-, manchmal wochenlanglang im Notquartier verbringen.

In der Nacht von vergangenem  Donnerstag auf Freitag  seien 1610 Flüchtlinge in Bielefeld angekommen. Böhling: »Die höchste Zahl bisher.«  Man habe am Freitag und Samstag  930 von ihnen  vor allem nach Rheine und Selm weiterschicken können. In der Nacht zu Montag  seien 1154 Flüchtlinge gekommen. Ingo Schlotterbeck, Einsatzleiter der Hilfsorganisation, nennt das »relativ moderat«.  Beim »Oldentruper Hof«, jetzt Zentrale Unterbringungseinrichtung des Landes,  sei die Bauabnahme erfolgt. Schlotterbeck: »Er kann jetzt komplett belegt werden.«

Erneut Aufnahmestopp in Dortmund

Anja Ritschel sagt, dass die Stadt Dortmund erneut einen Aufnahmestopp für ihre Erstaufnahme verfügt habe. Oberbürgermeister Pit Clausen hatte sich in einem Brief an das Land über das Verhalten der Stadt Dortmund beschwert, bislang aber keine Antwort erhalten. Ritschel: »Wir sehen das Land in der Pflicht. Es ist unverständlich, dass es Dortmund so agieren lässt wie es agiert.« Flüchtlinge, die  in Dortmund abgewiesen würden, würden weiter nach Bielefeld fahren. Heute  kommt Dortmunds Oberbürgermeister Ullrich Sierau nach Bielefeld, um die Lage mit Pit Clausen zu besprechen.

Anja Ritschel  weist darauf hin, dass  das Sportamt mit den Vereinen, die eigentlich in den Notquartier-Hallen trainieren, Absprachen getroffen habe: »Es gibt natürlich Einschränkungen.« Alle geplanten Turniere hätten jedoch  an anderer Stelle stattgefunden.  Sie hoffe auf zügigen Erfolg bei der Suche nach einer passenden Gewerbeimmobilie. Im Idealfall solle die  nicht allzu weit von der ZAB entfernt liegen.

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