Opfer schildern vor Gericht brutalen Banküberfall in Bielefeld »Ich habe mich ohnmächtig gestellt«

Bielefeld (WB). Besonnen und ruhig haben Sparkassen-Angestellte und Kunden im März auf den brutalen Banküberfall in Bielefeld-Senne reagiert. So verhinderten sie Schlimmeres.

Von Uwe Koch
Warum die Bank in Bielefeld-Senne Ziel der Kriminellen wurde, ist nicht bekannt.
Warum die Bank in Bielefeld-Senne Ziel der Kriminellen wurde, ist nicht bekannt. Foto: Thomas F. Starke

Das ist ein Ergebnis der ersten Zeugenaussagen im Prozess gegen die beiden Männer aus Albanien und der Schweiz, die sich vor dem Bielefelder Schwurgericht wegen schwerer räuberischer Erpressung und versuchten Mordes verantworten müssen. Die Täter, Kujtim K. (27) und Mentor R. (31), waren am Mittag des 20. März maskiert und mit Pistolen bewaffnet in eine Sparkassen-Filiale in der Nähe des Autobahnkreuzes Bielefeld eingedrungen. Sie hatten 203 000 Euro erbeutet und waren noch in der Nähe der Bank  überwältigt worden.
Drei Kunden und fünf Angestellte wurden martialisch drangsaliert, geschlagen, an den Haaren gerissen und mit Waffen bedroht.

Bankkaufmann Rainer H. (60) gab sich für seine Kollegen als Filialleiter aus, um sie zu schützen. »Ja, ich Chef«, antwortete er dem Bankräuber. Der Kundenberater wurde von dem Schweizer Mentor R. in einen Büroraum geführt. Der Räuber schlug seinem Opfer zweimal den Pistolenknauf gegen Kopf und Nacken, schoss dann eine Kugel aus seiner scharfen Waffe in die Wand. Erneut schlug R. zu, jagte  ein  weiteres Projektil in die Wand.

Platzwunden und Prellungen am Kopf

Rainer H. berichtete: »Ich habe mich ohnmächtig gestellt und den Kopf auf den Schreibtisch fallen lassen.« R. verkündete den anderen Opfern, »der Mann ist tot«, um die Forderung der Gangster nach 400.000 Euro zu untermauern. Rainer H. erlitt Platzwunden und Prellungen am Kopf. Im Schalterraum kam es zu einer weiteren Eskalation. Mentor R. drückte der Bankkauffrau K. die Waffe an die Stirn. Er drückte sogar ab. Doch die Kugel blieb im Lauf stecken.

Diese unfassbare Brutalität beobachtete Kundin Barbara W. Die 66-Jährige wollte »nur ein Sparbuch auflösen« und wurde selbst Opfer eines fürchterlichen Verbrechens. Die Bielefelderin musste sich wie alle Kunden auf den Boden setzen und fürchtete um ihr Leben. Getröstet und beruhigt wurde sie von einer anderen Kundin. »Uns passiert nichts.« – Barbara W. wurde nach dem Überfall psychologisch betreut, sie hat immer noch Schlafstörungen, fürchtete sich vor diesem Prozess vor dem Landgericht Bielefeld. Betreut wird sie von der Opfer-Organisation Weißer Ring.

Vorbildlich soll sich nach dem Verbrechen übrigens die Sparkasse um ihre Angestellten gekümmert haben. »Das war eine harte Nummer«, sagte Rainer H. gestern als Zeuge,  »wir sind jedoch psychologisch hervorragend betreut worden.«

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