Stadt und Land locken Investoren mit Null-Zinsen und Tilgungsnachlässen Dringend gesucht: Wohnraum für Flüchtlinge

Bielefeld (WB). Die Stadt Bielefeld benötigt dringend weiteren Wohnraum für Flüchtlinge – und wirbt mit einer umfänglichen Wohnförderung um mögliche Investoren.

Von Michael Schläger
Schon fertiggestellt: Das ehemalige Gewerbegebäude an der Eisenbahnstraße wurde von der BGW in ein Flüchtlingsheim umgebaut. Solche Projekte werden jetzt vom Land großzügig gefördert, weil dringend zusätzlicher Wohnraum benötigt wird.
Schon fertiggestellt: Das ehemalige Gewerbegebäude an der Eisenbahnstraße wurde von der BGW in ein Flüchtlingsheim umgebaut. Solche Projekte werden jetzt vom Land großzügig gefördert, weil dringend zusätzlicher Wohnraum benötigt wird. Foto: Thomas F. Starke

»Wir haben 200 Wohnungsgesellschaften, Projektentwickler und Architekten kontaktiert«, sagt Jens Hagedorn, im städtischen Bauamt für die Wohnraumbedarfsplanung verantwortlich. Die potenziellen Wohnraumbeschaffer können dank einer neuen Förderrichtlinie des Landes nicht nur mit einer Null-Prozent-Finanzierung rechnen. Obendrauf gibt es auch noch deutliche Tilgungsnachlässe von mindestens zehn und bis zu 50 Prozent.

Kein Anspruch auf Wohnberechtigungsschein

Die Lage auf dem heimischen Wohnungsmarkt ist im Segment der günstigen Wohnungen schon jetzt angespannt – und dürfte noch prekärer werden, wenn sich die Zahl der dauerhaft hier lebenden Flüchtlinge erhöht. Aktuell sind der Stadt 1160 Flüchtlinge zugewiesen. Jetzt wird bundesweit mit 800 000 Flüchtlingen in diesem Jahr gerechnet. Der Anteil der Stadt Bielefeld läge dann bei 2780 Menschen. Die aktuelle Zahl würde sich also mehr als verdoppeln. Dafür reicht der Bestand kaum.

»Flüchtlinge und Asylbewerber haben keinen Anspruch auf einen Wohnberechtigungsschein«, sagt Hagedorn. Sie können also nicht in auf üblichem Wege geförderten Wohnungen untergebracht werden. Das macht die Sache noch schwieriger und hat das Land zu den neuen großzügigen Förderrichtlinien bewogen. Für Neubauten liegen die Förderdarlehen bei 1500 Euro je Quadratmeter, der Tilgungsnachlass bei zehn Prozent. Wird im Bestand neuer Wohnraum geschaffen, gibt es dafür eine 100-Prozent-Förderung (bis 650 Euro je Quadratmeter Baukosten). Der Tilgungsnachlass liegt bei 20 Prozent. Zehn Jahre lang müssen keine Zinsen bezahlt werden.

Prototyp in Brackwede

Dafür gibt es eine zehnjährige Miet- und Belegungsbindung. Das heißt: Die Stadt darf sagen, wer einzieht. Gezahlt wird eine Miete von 5,25 Euro je Quadratmeter. »Zuschläge sind aber je nach Ausstattung möglich«, sagt Hagedorn.

Die bereits fertig gestellte Flüchtlingsunterkunft an der Eisenbahnstraße in Brackwede wäre der Prototyp einer solchen vom Land Nordrhein-Westfalen geförderten und von der Stadt belegten Flüchtlingsunterkunft: eine ehemalige Fabrik, die in diesem Fall von der städtischen Wohnungsgesellschaft BGW für die Belange der Flüchtlinge umgebaut worden ist.

Richtlinien möglichst schnell umsetzen

»Wir wollen keine zentralen Wohnlager oder Container-Städte, sondern dezentrale Wohnquartiere für Asylsuchende schaffen«, sagt NRW-Bauminister Michael Groschek (SPD) zur Einführung des Programms. Aus Düsseldorf hat es bereits Lob für die Stadt Bielefeld gegeben, weil sie versucht, die kurz vor den Sommerferien erlassene Richtlinie möglichst schnell in die Praxis umzusetzen.

Gesucht sind jetzt die Investoren. »Das können natürlich auch Privatleute sein«, sagt Jens Hagedorn. Im städtischen Bauamt finden Interessenten Ansprechpartner unter den Rufnummern 0521/51-2736 und 51-5272.

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