Stadt will Etage des ehemaligen Ausflugslokals mieten – Bethel übernimmt Betreuung »Rütli« wird Unterkunft für minderjährige Flüchtlinge

Bielefeld (WB). Nach dem Hotel »Oldentruper Hof« wird auch das ehemalige Rütli-Hotel an der Osningstraße zu einer Unterkunft für Flüchtlinge. Das jedenfalls planen Stadt, von Bodelschwinghsche Stiftungen und von Laer Stiftung.

Von Burgit Hörttrich
Der »Rütli« war in den 1950er Jahren ein beliebtes Ausflugslokal, später dann Hotel und Fortbildungszentrum. Ruf-Reisen als Eigentümer möchte die Immobilie verkaufen, weil auf dem Lenkwerk-Gelände eine neue Unternehmenszentrale entsteht.
Der »Rütli« war in den 1950er Jahren ein beliebtes Ausflugslokal, später dann Hotel und Fortbildungszentrum. Ruf-Reisen als Eigentümer möchte die Immobilie verkaufen, weil auf dem Lenkwerk-Gelände eine neue Unternehmenszentrale entsteht. Foto: Thomas F. Starke

Schon jetzt sind im »Rütli«  40  von 54 Plätzen im Erdgeschoss belegt, in der halben ersten Etage seien 17 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge untergebracht. Das Unternehmen Ruf-Reisen, Eigentümer der Immobilie,  habe der Stadt »sehr kurzfristig aus der Klemme« geholfen, sagt Andreas Döding, Abteilungsleiter im Amt für soziale Leistungen.

Ende Juli seien der Stadt  unerwartet 90 Flüchtlinge zugewiesen worden, für die es zu diesem Zeitpunkt  keine Unterkunft gegeben habe. Mit Ruf  habe man zunächst bis Ende August  einen Belegungsvertrag abgeschlossen. Man stehe aber  in Verhandlungen mit dem Unternehmen, um den »Rütli«  mittelfristig fünf bis sieben Jahre anzumieten. Bereits in der vergangenen Woche hatte Oberbürgermeister Pit Clausen bei einer Bürgerversammlung davon gesprochen, Flüchtlinge im »Rütli« unterbringen zu wollen.

»Rütli« soll verkauft werden

Ruf-Reisen  hatte das »Rütli-Hotel« mit seinen 70 Zimmern bei dessen Zwangsversteigerung 2012 für 925 000 Euro erworben, daraus ein Seminar- und Ausbildungszentrum gemacht.  Das Unternehmen  will  2016 aber ein neues Verwaltungszentrum mit Fortbildungszentrum auf dem Lenkwerk-Gelände Am Stadtholz beziehen (das WESTFALEN-BLATT berichtete). Der »Rütli« soll verkauft werden. Als Preis wurden zwei Millionen Euro genannt.

Mit Mahlzeiten versorgt würden die Menschen, die im »Rütli« untergebracht seien, zurzeit  vom DRK. Andreas Döding. »Für eine dauerhafte Unterbringung von zugewiesenen Flüchtlingen fehlen  dort die Küchen, damit sich die Menschen selbst versorgen können.«

Minderjährige Flüchtlinge bereits in Bethel untergebracht

Bethel-Vorstandsvorsitzender Pastor Ulrich Pohl  betonte, dass  sich die von Bodelschwinghschen Stiftungen in der Flüchtlingsfrage verantwortlich fühlen würden: »Deshalb engagieren wir uns.« Ein Schwerpunkt dabei sei die Betreuung unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge wie eben auch im »Rütli-Hotel«.  Minderjährige Flüchtlinge seien unter anderem in der Ortschaft Bethel untergebracht im Haus Libanon (18 Plätze), im Haus Patmos (9 Plätze), beim Berufsbildungswerk Bethel (9 Plätze). Im Kerschensteiner-Berufskolleg sei eine Klasse für Flüchtlinge ab 15 Jahren eingerichtet worden, 20 weitere Plätze gebe es dort  in der Berufsvorbereitung.  Das Haus Daheim auf dem Zionsberg  würde renoviert und sei demnächst als Übergangswohnheim bezugsfertig. Pohl: »Solange, bis die Asylfrage geklärt ist.«  20 Plätze für Familien würden dort geschaffen.

Bethel bringt erneut auch  den Lutherhof in Eckardtsheim  ins Gespräch. Das Gebäude würde man  als Flüchtlingsunterkunft zur Verfügung stellen, wenn die Stadt Bedarf habe. Bedarf gebe es, sagt Döding, aber: »Der aktuelle Zustand des Gebäudes ist indiskutabel. Außerdem liegt es viel zu abgelegen.«

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