30-Millionen-Euro-Investition im Lohmann-Carree – »Es geht Schlag auf Schlag« Fabrikgelände wird Wohnviertel

Bielefeld(WB). Aus einer ehemaligen Industriefläche wird ein lebendiges Wohnquartier für Menschen jeden Alters. Gut 30 Millionen Euro werden in das »Lohmann-Carree« investiert. Das erste Projekt – eine Kita für 62 Mädchen und Jungen in drei Gruppen – ist seit Monatsanfang in Betrieb. Jetzt soll es »Schlag auf Schlag« gehen.

Maximillian Culemann, Marion Körkemeier, Katharina Wehrhold, Petra Rixgens und Gerd Weichynik (von links) stehen im künftigen Sinnesgarten der Senioren-Hausgemeinschaft.
Maximillian Culemann, Marion Körkemeier, Katharina Wehrhold, Petra Rixgens und Gerd Weichynik (von links) stehen im künftigen Sinnesgarten der Senioren-Hausgemeinschaft. Foto: Hans-W. Büscher

Die künftige Nutzung der ehemaligen Industriebrache der früheren Lohmannwerke zwischen Detmolder Straße, Königsbrügge, Am Tempel und Prießallee ist lange ungewiss gewesen, bis das Architekturbüro  Pappert und Weichynik  einen Plan für  die  20 000 Quadratmeter große Fläche vorstellte.

Erster Mieter ist  der AWO-Bezirksverband mit der Kita und  einem daran anschließenden Komplex  mit 16  barrierefreien Wohnungen und  einer sogenannten Seniorenhausgemeinschaft im Erdgeschoss mit  acht  Privaträumen mit 17 bis 22 Quadratmetern  und Gemeinschaftsflächen, insgesamt 360 Quadratmeter groß. Dazu gehört auch eine Außenfläche, aus der ein Sinnesgarten werden soll.  Betreiber ist  das Zentrum für Pflege und Gesundheit.

Im Herbst sollen die Arbeiten für den »Riegel« mit 82 Wohnungen beginnen, der entlang der Detmolder Straße errichtet werden soll. Foto: Animation: Pappert und Weichynik

Mieter gesucht

Die AWO sucht ab sofort Mieter, denn der Komplex  soll im Januar 2016 bezugsfertig sein. Petra Rixgens (AWO-Vorstand) sagt, dass  Mieter für die Seniorenhausgemeinschaft  einen Wohnberechtigungsschein besitzen müssten. Die Miete läge dann bei 5,25 Euro pro Quadratmeter. Die 16 Zwei- bis Drei-Zimmer-Wohnungen, alle mit Balkon, seien dagegen frei finanziert (9,50 Euro Miete pro Quadratmeter).

In Kita und den Komplex mit den Seniorenwohnungen seien allein 4,5 Millionen Euro investiert worden, so Maximilian Culemann, Geschäftsführer von pb planen + bauen Massivbau GmbH. Noch im Herbst soll Grundsteinlegung sein für ein Riegel-Gebäude entlang der Detmolder Straße gegenüber der Stadtbahnhaltestelle Prießallee. Dort, so die Architekten Gerd Weichynik und Marion Körkemeier, sollen  18 frei finanzierte und 64 öffentlich geförderte Wohnungen entstehen, dazu  eine oder zwei Seniorenwohngruppen.Die Nutzfläche betrage 8700 Qua­dratmeter. 

Stadthäuser geplant

Im Zentrum des sogenannten Lohmann-Carrees seien, sagt Maximilian Culemann, noch 28 Stadthäuser geplant. Gerd Weichynik weiß: »Schon jetzt ist die Nachfrage enorm.«  Für die Stadthäuser werde  jetzt das Bebauungsplan-Verfahren in Gang gesetzt. Maximilian Culemann  geht von einem Baubeginn im Jahr 2017 aus. Das ehemalige Kontorhaus der Lohmann-Werke  wird vom Immobilienbüro AKS vermarktet, für die Architektur zuständig ist das Büro Nitschke.Hinter den historischen Fassaden entstehen Büro-Lofts zwischen 87 und 160 Quadratmetern Größe. Zudem ist eine Penthousewohnung (277 Quadratmeter) geplant.

Den Namen »Lohmann-Carree« verdankt das Neubauviertel den ehemaligen Lohmann-Werken. Die wurden 1882 in London gegründet und zogen 1900 nach Bielefeld um. Nachdem die Firma Lepper 1963 ihre Fahrradsattel-Produktion an der Königsbrügge aufgeben musste, übernahmen die Lohmann-Werke das Areal. Hergestellt wurden Fahrradzubehör, aber auch Koffer, später dann Duschkabinen und Solarien. 1999 wurde die Solarienproduktion nach Lübbecke verlegt, die Produktion auf dem Bielefelder Gelände aufgegeben

Kommentare

Fabrikgelände wird Wohnviertel

An der Stelle, wo das neue Gebäude längs der Detmolder Straße entstehen soll, befand sich früher der Galvanikbereich (Verchromung, Vernickelung usw.) der Firma Ludwig Lepper. Produziert wurden in der ersten Etage(!) des Gebäudes Königsbrügge/Am Tempel hochwertige Fahrradsättel (sie galten als "Mercedes" unter den Fahrradsätteln) und auf dem Fabrikgelände weiter zur Prießallee hin nahtlos kalt gezogene Stahlrohre. Die Gebäude wurden von Lepper - nicht Lohmann - errichtet. Die Villa von Dr. August Lepper befand sich genau gegenüber den jetzt neu geplanten Häusern auf der anderen Seite der Detmolder Straße. Sie wurde später durch die dortigen neuen Häuser ersetzt. Ein Blick ins Stadtarchiv dürfte Auskunft geben.

Eine Frage bleibt allerdings: Hat sich denn eigentlich mal jemand die Bodenverhältnisse im alten Galvanikbereich angesehen geschweige den geprüft? Immerhin sollen dort demnächst Menschen wohnen!! Das wäre doch eine interessante Recherche für das WB. Ich bin übrigens damals direkt von Lepper aus im Vertrieb beim WB gelandet.

"Lepperaner"

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